Gut Hitzelsberg ist eine Meilenstein - Philipp Bernhofer (BL) räumt seinen Schreibtisch im Bernauer Rathaus

Räumt seinen Schreibtisch im Bernauer Rathaus: Philipp Bernhofer. Er lobt nachdrücklich die gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung. Berger
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Räumt seinen Schreibtisch im Bernauer Rathaus: Philipp Bernhofer. Er lobt nachdrücklich die gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung. Berger

Bernau – Phiipp Bernhofer war sechs Jahre lang Chef im Bernauer Rathaus. Jetzt räumt er für seine Nachfolgerin, Irene Biebl-Daiber den Schreibtisch und geht zurück in den Schuldienst.

Was nehmen Sie von Ihrem Schreibtisch mit?

Philipp Bernhofer: Den Fotokalender meiner Familie.

Wie fällt ihr persönliches und generelles Fazit über Ihre Amtszeit aus?

Bernhofer:Wir haben sehr viel bewegt. Ich wollte möglichst ausgewogen, frei nach Frederic Vester, in den drei Bereichen Ökologie, Ökonomie, Soziales Veränderungen erreichen, ohne einen dieser drei Bereiche zu vernachlässigen. Dies ist sehr gut gelungen. Stichworte: Bernauer Park und Südhang Hitzelsberg, Arbeitsplätze – unter anderem Firma Albrecht, dreigruppige KiTa und Feuerwehrhaus Hittenkirchen.

Was haben Sie zusammen mit dem Gemeinderat erreicht, worauf Sie besonders stolz sind?

Bernhofer: Der Verkauf des Hitzelsberg an einen Investor, der mit einem in der Bevölkerung sehr gut akzeptierten Konzept angetreten ist, das es jetzt umzusetzen gilt. Ein Millionenprojekt wurde gemeistert mit einem Gemeinderat, bei dem keine Fraktion die Mehrheit hat und meine Gruppierung, die Bernauer Liste, nur mit drei Räten vertreten ist. Als Bürgermeister habe ich erreicht, dass fünf Jahre lang der Konsens, wie der Hitzelsberg entwickelt werden soll, im Rat Bestand hatte.

Was ist nicht geschafft, was Sie bedauern?

Bernhofer: Der Schulanbau wäre mit bis zu 80 Prozent der förderfähigen Kosten bezuschusst worden und hätte bis 2023 umgesetzt werden können. So wird die Mittagsbetreuung auf viele Jahre hinaus in Containern stattfinden. Förderung Null Euro. Wenn die Schulleitung gewollt hätte, wäre die Kinderbetreuung für die Übergangszeit gut darstellbar gewesen.

Was waren wichtige Punkte in Ihrer Amtszeit?

Bernhofer: Drei Punkte sind mir besonders wichtig. Die Verwaltung musste neu organisiert, alte Zöpfe abgeschnitten und einer modern aufgestellten Verwaltung der Weg geebnet werden. Einen Rückfall in alte Zeiten kann sich Bernau nicht leisten. Die Entwicklung muss dringend weitergeführt werden, damit beispielsweise die Wasserversorgung in gemeindlicher Hand bleiben kann. Die Aufnahme in die Städtebauförderung ermöglichte und ermöglicht Spielräume im Haushalt für die dringend notwendigen Investitionen in die Infrastruktur. Die Energiewende, der Klimaschutz wurde wie nie zuvor durch die Einstellung eines Klimaschutzmanagers und der Gründung der Energiegenossenschaft Chiemgau vorangetrieben. Bernau und die ganze Region profitieren davon.

Wie sieht die Bilanz zu folgenden Schlagwörtern aus: Verkehr, Gelder, Bauwesen?

Bernhofer: Verkehr: Das Geh- und Radwegekonzept wurde weiterentwickelt – Weg über alten Sportplatz, Radweg ins Schulgelände, Fußgängerampel an der Egartnerstraße über die B 305. Anbindung zum Gewerbegebiet an der Theodor-Sanne-Straße. Seit 2014 gibt es wieder eine Busanbindung am Bahnhof.

Gelder: Die Gewerbesteuer sank seit Jahren, dem konnte entgegengesteuert werden durch Förderung von Gewerbeansiedelung. Rechnet man den Kredit für die zwölf gemeindlichen Wohnungen heraus, sank die Pro-Kopf-Verschuldung um 200 Euro.

Bauwesen: Prinzip Sanierung vor Neubau: Mehrzweckhalle, Sportheim TSV und KiTa, Wasserhochbehälter, Feuerwehrhaus, Kinderhaus Eichet. Neubauten: Erwerb von zwölf Wohnungen zur Schaffung von bezahlbaren Wohnungen. Belegungsrechte für drei Wohnungen in der Baumannstraße.

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Wie steht die Gemeinde da?

Bernhofer: Sozial sehr gut, viele Vereine, viele engagierte Bürgerinnen und Bürger. Die Kranken- und Bürgerhilfe und die Flüchtlingshilfe haben im Betreuungsbereich Großes geleistet. Junge Familien profitieren vom Angebot zahlreicher Vereine und der gemeindlichen Einrichtungen wie Hallenbad und Kinderbetreuung. Neue Geschäfte haben sich angesiedelt. Mein Dank für die gute Zusammenarbeit geht hier an meine Gewerbebeauftragte, die unter anderem eine neue Attraktion, unseren Wochenmarkt, organisierte. Kulturell wird unglaublich viel geboten: Ausstellungen, Konzerte, Theater. Ein neuer Pluspunkt ist das Leader-Projekt Römerregion Chiemsee, das unsere römischen Wurzeln aufdeckt.

Wie hat sich die Arbeit im Laufe der Jahre verändert?

Bernhofer: Bürgermeister in Bernau zu sein heißt von der ersten Minute an Vollgas. 2014: Chaos in der Verwaltung, Flüchtlingswelle, Lkw-Aldi-Krise, Hitzelsberg. Heute: Corona. Da hat sich nichts verändert. Wirklich verändert hat sich die Meinungsbildung. Whats-App-Gruppen, Facebook beeinflussen und bestimmen mit. Komplexe Entscheidungen werden dort vereinfacht dargestellt und plötzlich wundern sich alle, warum die Dummies im Gemeinderat dies nicht schon längst so entschieden haben. Im Gegenzug lassen diese Medien eine komplexe Darstellung eines Sachverhalts nicht zu. Somit ist es schwierig gegen vereinfachte Scheinlösungen anzudiskutieren.

Welchen Tipp oder Ratschlag geben Sie Ihrer Nachfolgerin mit?

Bernhofer: Ich habe den Leuten nie nach dem Mund geredet. Gute Lösungen entstehen nur durch gutes Zuhören und Kompromissfähigkeit. Eigene Überzeugungen sind wichtig.

Wissen Sie jetzt schon, wie es bei Ihnen persönlich weitergeht?

Bernhofer: Beruflich: Ab in die Schule. Privat endlich wieder Freizeit.

Was war ein besonderes Erlebnis für Sie?

Bernhofer: Ohne Zweifel der Tag des Verkaufs des Gut Hitzelsberg: Die Unterzeichnung des notariellen Vertrages im April 2019. Niemand kann sich vorstellen, wie viel Zeit, Mühe und schlaflose Nächte es gedauert hat und welche Erleichterung es für mich bedeutete, endlich einen passenden Investor mit einem stimmigen Konzept für Bernau gefunden zu haben.

Interview: Silvia Mischi

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