Hiobsbotschaft für Markt Prien: Umbau des König Ludwig Saal dauert mindestens bis Neujahr

Auf dem Parkplatz vor den König Ludwig Saal stehen schon die Container für einen zweigruppigen Kindergarten, der bald als Provisorium dort öffnet. Die Mädchen, Buben und Erzieherinnen müssen sich mindestens bsi Jahresende mit einer Baustelle arrangieren. An der Straßenseite des Saals (rechts hinten) wird ein neuer Empfangsbereich gebaut.
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Auf dem Parkplatz vor den König Ludwig Saal stehen schon die Container für einen zweigruppigen Kindergarten, der bald als Provisorium dort öffnet. Die Mädchen, Buben und Erzieherinnen müssen sich mindestens bsi Jahresende mit einer Baustelle arrangieren. An der Straßenseite des Saals (rechts hinten) wird ein neuer Empfangsbereich gebaut.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Am 19. November wollte Andreas Friedrich zum ersten Mal als Bürgermeister eine Bürgerversammlung im König Ludwig Saal abhalten. Daraus wird nichts. Der Neubau des Foyers wird nicht rechtzeitig fertig. Der Saal kann frühestens am 1. Januar wieder eröffnet werden.

Prien – Diese Hiobsbotschaft schockt Bürgermeister, Prien Marketing GmbH und viele andere, die schon Veranstaltungen planen. Die PriMa muss ihre Planung für Priens größten Saal weiter auf Eis legen.

Eigentlich sollte er fünf Tage vor der Bürgerversammlung mit dem traditionellen Herbstkonzert des Chiemgau-Orchesters standesgemäß wiedereröffnet werden. Ob dieses Konzert des zahlenmäßig großen Orchesters in den Chiemsee Saal verlegt werden kann, muss wegen der kleineren Bühne dort noch geklärt werden, sagte Friedrich im Gespräch mit der Chiemgau-.Zeitung. Die PriMa erfuhr auch erst am Montag von der Hiobsbotschaft.

Grund für die Verzögerung um mindestens eineinhalb Monate sind Lieferschwierigkeiten bei den Brandschutztüren und -fenstern. Die Firma, die diese einbauen soll, habe der Bauverwaltung im Priener Rathaus dieser Tage mitgeteilt, dass sie das Material erst später bekommen werde, weil der Hersteller wegen voller Auftragsbücher nicht früher liefern könne.

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Für diese Woche hat die Gemeinde (sie ist Eigentümer des Saals, ihre 100-prozentige Tourismustochter PriMa) betreibt ihn) nun einen Mitarbeiter des Herstellers zur exakten Vermessung nach Prien bestellt, damit der Auftrag schnell in die Produktionsliste aufgenommen wird.

Fixe Terminvergaben für Lieferungen und Fertigstellungen, verbunden mit sogenannten Konventionalstrafen bei Nichteinhaltung, schreibt die Bauverwaltung nicht in ihre Ausschreibungen, erklärte der Bürgermeister auf Nachfrage. Die Erfahrung in jüngerer Vergangenheit habe gezeigt, dass dann fast oder gar keine Angebote mehr eingehen, weil die Firmen gerade im Innenausbaubereich volle Auftragsbücher haben und sich nicht auf Fristsetzungen einlassen.

Friedrichs Ziel ist nun der 1. Januar, der Tag des traditionsreichen Neujahrskonzerts der Blaskapelle Prien, das immer im König Ludwig Saal ertönt. Nur gut eine Woche später plant die Prienarria ihren Bürgerball mit Inthronisation der Prinzenpaare, falls Faschingsveranstaltungen dann Corona-bedingt erlaubt sein sollten. „Bis dahin muss der Saal fertig sein“, sagt Friedrich.

Ein Stangengewirr lässt im Moment noch nicht erkennen, wie der neue Eingang in Priens größtem Veranstaltungssaal ausschauen wird.

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Die Prienarria konnte im Januar und Februar 2020 noch ihre Faschingsbälle veranstalten. Da ahnte noch niemand etwas vom Lockdown wegen der Corona-Pandemie. Im Nachhinein war das Timing fast unfreiwillig perfekt: Veranstaltungen waren ab Mitte März ohnehin verboten. Schulen, Musiker und andere waren da schon lange darauf eingestellt, dass sie heuer mit dem König Ludwig Saal wegen des Umbaus kaum noch kalkulieren können.

Auslöser für den Neubau des Foyers waren ursprünglich erhebliche Brandschutzmängel. Es drohte sogar die Schließung aus Sicherheitsgründen. Beim ersten Brandschutzgutachten zur Planung von Umbauten mussten Gemeinde und Kommunalpolitik seinerzeit schlucken: 750 000 Euro waren nur für die Anpassung des Bauwerks an heutige Brandschutzbestimmungen veranschlagt.

Dann fand der damalige Bürgermeister Jürgen Seifert einen anderen Gutachten, der realitätsbezogener plante und „nur“ auf ein Drittel der ursprünglichen Summe kam, also 250 000 Euro. Weil er zum Beispiel mit einberechnete, wie lange es tatsächlich dauern würde, den Saal zu räumen und wie lange entsprechend Decken und Böden einem Feuer standhalten müssten, kommt der Brandschutz nun viel günstiger.

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Schnell war die Idee geboren, mit dem eingesparten Geld den König Ludwig Saal, den viele Priener trotz der Namensänderung vor Jahren immer noch ihren „großen Kursaal“ nennen, aufzuhübschen. Der Markt Prien hatte seit Beginn des Jahrtausends immer wieder Geld in seinen Saal gesteckt. Das undichte Dach musste zum Beispiel erneuert werden und im Obergeschoss entstanden neue Künstlergarderoben.

Besonders der Eingangsbereich mit Kasse, Garderobe und Toiletten waren aber nach heutigen Maßstäben angestaubt. Das ändert sich nun. Im Kommunalwahlkampf Anfang dieses Jahres gerieten die Pläne noch einmal zwischen die Fronten. Einige Kandidaten sprachen von Geldverschwendung, weil der Saal schon Jahrzehnte alt ist und ihrer Meinung nach nicht mehr in die alte Substanz investiert werden sollte.

Aber die große Mehrheit der Kommunalpolitiker stand immer hinter dem Vorhaben, auch die CSU. Sie hatte vor Jahren in einem offiziellen Antrag eine Grundsatzdiskussion über die Zukunft des Saals gefordert, verbunden mit der Frage, ob nicht der Bau eines modernen Veranstaltungszentrums sinnvoller sei. Aber die Christsozialen schwenkten schließlich ein. „Wir hätten uns als CSU mit unserem Antrag eine Diskussion über einen Neubau gewünscht. Aber wir wollen noch zehn bis 15 Jahre am Bestand festhalten. Wir tragen den Mehrheitsbeschluss nun auch mit. Für uns ist das gelebte Demokratie“, erklärte der damalige Fraktionssprecher und heutige Zweite Bürgermeister Michael Anner.

Neuer Eingang auf der Ostseite

Nach den Plänen von Professor Dr. Michael Körner, der zuvor schon den Anbau der Galerie im Alten Rathaus zur Zufriedenheit der Marktgemeinde geplant hatte, entsteht deshalb jetzt ein neues Foyer. Der Eingang liegt dann nicht mehr auf der Südseite Richtung Parkplatz, sondern an der Ostseite. Besucher betreten den König Ludwig Saal dann über eine Treppe direkt von der Straße „Stauden“. Die dem Parkplatz zugewandte Südseite nutzt die Gemeinde inzwischen anderweitig. Dort steht schon ein Containerkomplex, in den in den nächsten Wochen die ersten Mädchen und Buben in den neuen Kindergarten Prievena unter Leitung der Diakonie einziehen werden. Der Markt Prien hat diese Zwischenlösung wegen der stark gestiegenen Nachfrage nach Betreuungsplätzen quasi aus dem Boden gestampft.

Viel Glas verleiht dem neuen Empfangsbereich des König Ludwig Saal eine luftige Atmosphäre.

Kinder als Baustellen-Kiebitze

Die Kinder und ihre Betreuerinnen können nun aus nächster Nähe beobachten, wie nach und nach die Schokoladenseite des König Ludwig Saal ein neues Gesicht bekommt. Im Moment gleicht der Vorbau noch einem Stangenwald. Die meisten Stahlrohre stabilisieren nur die neue Decke und werden dann wieder abmontiert. Es bleibt ein zum Teil durch Raumhohe Glasfronten flankierter Empfangsbereich mit vorgelagerter überdachter Treppe. Eine „gestalterische Harmonie“ zwischen altem Saal und neuem Vorbau herzustellen, bezeichnete Körner bei einem Ortstermin als große Herausforderung. Eines der Details, die diesen Effekt gelingen lassen sollen, ist ein Kronleuchter im neuen Foyer, der dem großen alten Kronleuchter im Saal nachempfunden ist.

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Nach Körners Angaben waren die Arbeiten während des Corona-Lockdown in Verzug geraten, lägen aber inzwischen wieder im Zeitplan – mit einer einzigen Ausnahme: der Lieferung der Brandschutzfenster und -türen. Weil damit unter anderem Regieraum und ´Catering von den übrigen Bereichen abegtrennt werden müssen, kann der Saal erst freigegeben werden, wenn die Fenster und Türen eingebaut und danach die letzten Anschlüsse gelegt sind.

Voraussichtlich wird rund eine Million Euro verbaut. Das neue Foyer seht übrigens auf mehreren großen Betonringen. Sie waren, wie auch schon beim Anbau der Galerie, wegen des schwierigen Untergrunds als zusätzliche Fundament-Sicherung ins Erdreich eingelassen worden.

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