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Medizinische und soziale Berufe

Hilfreich oder unsinnig? Traunsteiner Institutionen uneins bei Impfpflicht

Nach wie vor sind viele Menschen, die in medizinischen Berufen im Landkreis Traunstein tätig sind, nicht geimpft.
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Nach wie vor sind viele Menschen, die in medizinischen Berufen im Landkreis Traunstein tätig sind, nicht geimpft.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Kaum ein Thema polarisiert so stark wie die Impfpflicht. Angesichts der ohnehin schwierigen Personalsituation in der Pflege und sozialen Berufen sehen sich viele medizinische Institutionen und Betreuungsangebote im Chiemgau vor Problemen. Droht der Kollaps?

Traunstein/Siegsdorf – Laut Gesetzesentwurf komme medizinischem Personal eine besondere Verantwortung“ zu. Dabei geht es nicht nur um Eigenschutz, sondern besonders um die betreuten Patienten, die wiederum ein Infektionsrisiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf haben.

Impfpflicht in Pflege nicht ausreichend

Dennoch heißt es von der Pressestelle der Kliniken Südostbayern (KSOB) : „Die Impfpflicht nur für unsere Beschäftigten im Gesundheitswesen auszusprechen ist nur bedingt zielführend und belastet das Gesundheitssystem.“ Im ersten Moment klingt dies paradox, weil eine Impfung Patienten schützen soll.

Hintergrund ist aber ein anderer: „Alle Experten sind sich einig, dass nur mit einer sehr hohen Impfquote die Pandemie eingedämmt werden kann.“ Jedoch sei eine Impfpflicht nur für die in den Gesundheitseinrichtungen noch nicht geimpften Mitarbeitern nicht ausreichend, um die Infektionszahlen nachhaltig einzudämmen.

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Noch haben die KSOB keine Kündigungen aufgrund der kommenden Impfpflicht erhalten. Zu einer konkreten Impfquote haben die KSOB keine Angabe gemacht, auf Anfrage unser Zeitung heißt es: „Wir haben in unseren Einrichtungen Impfquoten, die deutlich über dem Durchschnitt der Bevölkerung liegen.“

Moralische Verpflichtung?

Deutlicher wird an dieser Stelle Dr. Lothar Seissiger, Facharzt für Allgemeinmedizin aus Siegsdorf: „Es ist doch einfach so, dass man in der Pflege oft mit Covid-Patienten zu tun hat. Wenn man eine Verbreitung vermeiden möchte, dann ist das eine Verpflichtung.“ Seissiger sieht sowohl die Pflege als auch die Gesellschaft in der Pflicht. „Ich bin ein Impfbefürworter und ich halte es für richtig und wichtig, dass wir eine allgemeine Impfpflicht bekommen, um die Pandemie zu bewältigen.“

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Auch er hat schon Gespräche mit Personal geführt, das sich zunächst nicht impfen habe lassen wollen. Seissiger kennt bestens alle Argumente für eine Impfung: „Die Risiken sind verschwindend gering im Vergleich zu den Folgen von Covid-19.“ Er räumt aber ein, dass letztlich die drohende Beendigung des Arbeitsverhältnisses zur Impfung geführt habe. Seissiger kennt auch Fälle von impfunwilligen Mitarbeitern in größeren Praxen im Landkreis. „Aber da handelt es sich um zwei bis drei bei rund hundert Personen insgesamt – das ist ein geringer Anteil.“

„Wir haben einen Betreuungsauftrag!“

Dass der Anteil doch nicht so gering ist, treibt Annemarie Funke, Leiterin der Lebenshilfe in Traunstein, um. „Wir haben einen Betreuungsauftrag, dem wir nachkommen müssen.“ Corona habe ohnehin schon zu einer Verschärfung am Arbeitsmarkt in den systemrelevanten Berufen geführt. „Wie soll ich diesen Auftrag erfüllen, wenn mir aufgrund der gesetzlichen Regelung Personal fehlt?“, fragt sich Funke.

Inzwischen haben sich zwar immer mehr ihrer Mitarbeiter impfen lassen, aber dennoch sei ein knappes Fünftel nicht geimpft – trotz Gesprächen und Informationen. „Wir können nicht entscheiden, das liegt bei jedem Mitarbeiter selbst“, sagt sie. Aus ihrer Sicht stehe keine bockige Verweigerungshaltung dahinter, sondern tatsächlich Sorge. Funke fürchtet daher, dass ihre Fachkräfte in andere Bereiche abwandern, in denen keine Impfpflicht gilt.

„Außerdem ist aus meiner Sicht arbeitsrechtlich noch nicht geklärt, wie das genau gehen soll“, sagt Funke. Ungeimpfte Mitarbeiter müsse sie ab 15. März dem Gesundheitsamt melden. „Wenn das Personal fehlt, soll dann die Bundeswehr kommen?“, fragt Funke und verweist auf die Stiftung Attl im Landkreis Rosenheim. Dort hatten Soldaten unterstützt, allerdings nicht wegen zu wenig geimpfter Fachkräfte, sondern weil es zu Covid-Infektionen gekommen war.

Funke sieht sich zwar in der Pflicht für die Bewohner der Lebenshilfe, jedoch seien die fast alle geboostert. Man solle auch an sie denken: „Menschen mit Behinderung brauchen eine Bezugsperson, die sie betreut.“ Dieser Gedanke werde vollkommen vernachlässigt in der Debatte. Funke ist froh, dass die Lebenshilfe einigermaßen gut durch zwei Jahre Pandemie gekommen ist. Sie wünscht sich, dass es so bleibt.

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