Hier wächst geballte Heilkraft: Unterwegs im Traunsteiner Apothekergarten

Fasziniert von der Vielseitigkeit des Apothekergartens im Salinenpark zeigte sich Traunsteins Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (Zweiter von links) im Gespräch mit Homöopath Josef-Karl Graspeuntner, den Apothekern Benedikt Schmid und Lorenz Fakler, Landschaftsarchitekt Helmut Mühlbacher und Gärtner German Heck (von links). re

Arnika, Sonnenhut, Sibirischer Rhabarber: Der Apothekergarten im Salinenpark Traunstein beherbergt 170 Arzneipflanzen, auch solche, von denen man hierzulande noch wenig gehört hat. Das Interesse an Pflanzenheilkunde wächstt.

Von Axel Effner

Traunstein – Neben seiner Historie als Salzstadt hat Traunstein auch eine lange Geschichte als Kur- und Gesundheitsstadt. Erinnert sei nur an das Wildbad Empfing, die ehemalige Kuranstalt mit Solebad am Klosterberg und die frühere Wandelhalle – heute der Standort der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule – sowie die Kneipp-Anlagen. Wie sich die beiden Themen Salz und Gesundheit harmonisch ergänzen, kann man im neuen Salinenpark in der Au studieren. Den technischen Aspekten und der Geschichte der Salzgewinnung steht dort der begehbare Apothekergarten gegenüber.

Heilwirkungen erfahrbar machen

Er veranschaulicht die Heilkraft der Natur, in dem er wie ein lebendiges Schatzkästlein rund 170 Heilkräuter und Arzneipflanzen aus Europa und aller Welt versammelt. Er steht ganz in der Tradition früherer Klostergärten. Diese haben den Grundstein für die Kultivierung heilkräftiger Pflanzen in den ersten Apothekergärten vor etwa 500 Jahren gelegt.

„Uns war es wichtig, das große Wissen um die vielfältigen Heilwirkungen der Natur für Schulklassen, Kindergärten, Studierende sowie alle naturheilkundlich interessierten Menschen erfahrbar zu machen“, erklärt Josef-Karl Graspeuntner.

Von Arnika bis Syrisches Gliederkraut

Der klassische Homöopath aus Traunstein gehört zusammen mit seiner Kollegin Christa Einsiedler und dem Kinderarzt Stefan Köhler aus dem Kompetenzzentrum Homöopathie sowie den Apothekern Inge und Benedikt Schmid und Lorenz Fakler zu den Initiatoren des Projekts. „Das besondere an diesem Garten ist, dass die Pflanzen hier nicht nach ihrem Wirkungsspektrum, sondern nach ihrem natürlichen Lebensbereich und der Bodenbeschaffenheit zusammengestellt wurden“, sagt Helmut Mühlbacher.

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Ein perfektes Biotop

Der Landschaftsarchitekt aus Traunstein war maßgeblich an Auswahl und Arrangement der Pflanzen sowie der Einrichtung der Beete beteiligt. Diese gliedern sich in acht Bereiche: Heidegarten, Auenlandschaft, Steppenheide und Felssteppe, Wiese, Gehölz, Ackerbau, Ruderalvegetation sowie Gemüse und Kräuter.

Tatkräftige Hilfe bei der praktischen Umsetzung gab es vom Förderverein Alt-Traunstein und der Traunsteiner Stadtgärtnerei. Bei der Organisation seltener Pflanzen und Samen brachten sich der Botanische Garten in München und die Staudengärtnerei Ehrhardt aus Franken mit ein.

Nach der Anlage vor einem Jahr ist aus dem Garten inzwischen ein blühendes Paradies voller Düfte, faszinierender Formen, Farben und summender Insekten geworden. Sogar Wildbienen findet man hier. Kunst und Sitzbänke laden zum Verweilen ein. Zwischen März und Ende Oktober gibt es damit immer wieder etwas zu entdecken. Ein kleiner Tümpel, Totholz-Ecken und ein Insektenhotel machen das anmutige Biotop perfekt.

Auch giftige Pflanzen wachsen hier

Neben vielen bekannten Klassikern wie Sonnenhut, Arnika, Ringelblume, Johanniskraut, Weißdorn, Kamille, Baldrian, gelbem Enzian und Holunder finden sich auch kanadischer Blutwurz, Süßholz, Indisches Basilikum und Flohsamen, Sibirischer Rhabarber, Syrisches Gliederkraut und Mönchspfeffer.

Faszinierende Blütenformen bildet aktuell die Artischocke aus. Neben vielen Duftpflanzen sind auch giftige Verwandte wie Bilsenkraut, Eisenhut oder Rizinus in den Beeten zu finden. Sie sind entsprechend gekennzeichnet. „Deshalb ist es wichtig, keine Pflanzenteile zu berühren oder abzupflücken“, erläutert Apotheker Lorenz Fakler.

Im Rahmen einer Führung über Giftpflanzen hat er bereits interessierte Besucher über Aussehen, wirksame Pflanzenteile, Dosierungen und medizinische Zusammenhänge aufgeklärt.

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Bewahren, was vom Markt verschwindet

„Die Vermittlung des tradierten Pflanzenwissens im Rahmen von Führungen ist uns wichtig, weil damit jeder mit einfachen Mitteln viel für seine Gesundheit tun kann“, erläutert Graspeuntner.

Zudem seien im Rahmen neuer Qualitätsstandards im Arzneimittelrecht bereits zahlreiche jahrzehntelang bewährte Pflanzenarzneien vom Markt verschwunden. Umgekehrt sei das Interesse an den Heilwirkungen von Pflanzen „signifikant gestiegen“, wie der Zuspruch bei Führungen belegt. Von positiven Effekten und der Anziehungskraft des neuen Apothekergartens weiß German Heck zu berichten. Jede Woche ist er als Gärtner mit seinen Mitarbeitern für die Beetpflege im Einsatz.

Workshops, Feste und Mitarbeit sind geplant

„Durch Kartoffeln, Bohnen, Rosen oder die Küchenkräuter haben sich viele schnell mit dem Garten identifizieren können“, erzählt er. Aktuell arbeitet er am Aufbau der Plattform „Lebendiger Apothekergarten Traunstein“. Mit ihrer Hilfe sollen ehrenamtliche Mitarbeit, Workshops, Jahreskreisfeste und der Erfahrungsaustausch organisiert werden. Denn aktuell muss die Gartenarbeit noch von Sponsoren aus dem Kreis der Initiatoren und weiterer Apotheker mit jährlich 6 000 Euro bezuschusst werden. Infos zur Plattform per Email: germanheck@t-online.de.

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