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Seit 70 Jahren

Heuer keine Trachtenwallfahrt nach Maria Eck– „Dank und Bitt“ für Frieden

Der Blick von der Klosterleite über den extra aufgestellten Freialtar, der ziemlich genau an der Stelle des heutigen Bauwerks stand, ging 1951 noch weit hinaus auf die Scharamer Höfe und die Chiemgauer Berge.
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Der Blick von der Klosterleite über den extra aufgestellten Freialtar, der ziemlich genau an der Stelle des heutigen Bauwerks stand, ging 1951 noch weit hinaus auf die Scharamer Höfe und die Chiemgauer Berge.
  • VonFranz Krammer
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Frieden und Menschlichkeit sind auch 70 Jahre nach der ersten Wallfahrt nach Maria Eck ein hohes Gut. Heuer muss sie wegen der Pandemie nochmals ausfallen: Für viele Trachtler ein wehmütiger Moment.

Siegsdorf –Wie im Vorjahr muss auch heuer die Trachtenwallfahrt nach Maria Eck wegen der Pandemie ausfallen. Bei Gauvorstand Peter Eicher laufen aber bereits die Vorbereitungen für eine Videoaufzeichnung eines Gottesdienstes in Maria Eck anlässlich des 70-jährigen Jubiläums der Trachtenwallfahrt zur „Gottesmutter auf dem Ecker Berg“.

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Seit 1951 stellt sie ein ganz besonderes religiöses Ereignis im Chiemgau dar, und ist in den meisten Trachtenvereinen des größten Gauverbandes zu einer fest verwurzelten Tradition geworden.

Diese Wallfahrt soll nach der Vorstellung der Begründer sichtbare Mahnung und stilles Gedenken an die Schrecken und die vielen Opfer des Zweiten Weltkrieges sein und wurde auch als Bittgang für eine baldige Heimkehr der damals noch vielen hundert vermissten Mitglieder der Vereine ins Leben gerufen.

Kupfertafel von 1951 mit Ehrenplatz

„Dank und Bitt“ steht auch auf der kupfernen Erinnerungstafel, die der Kupferschmied Martin Hagen aus St. Johann bei Siegsdorf im Auftrag des Gauverbandes gefertigt hat und die bei der ersten Wallfahrt 1951 von den Siegsdorfer Trachtendirndln hinaufgetragen wurde. Sie nimmt seither einen Ehrenplatz in der Wallfahrtskirche ein.

Ganz persönliche Momente

„Dank“ steht für viele Jahrzehnte Frieden in der Heimat und die „Bitt“ für Frieden, Eintracht und Menschlichkeit unter den Völkern und Religionen, aber auch in den Familien und Gemeinden.

Beides ist heute noch Ansporn für viele Mitglieder der meist über einhundert Gauvereine, den beschwerlichen Wallfahrtsweg hinauf auf den „Ecker Berg“ auf sich zu nehmen. Viele tragen im Gebet aber vermutlich auch ihre ganz persönlichen Anliegen hinauf zur „Mutter Gottes“ hoch über dem Chiemgau.

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In der Niederschrift eines Sitzungsprotokolls des GTEV Siegsdorf am 14. Oktober 1950 ist zu lesen, dass das Vereinsmitglied Sepp Berger den Vorschlag eines Bittganges nach Maria Eck einbrachte, um für die Gefallenen zu beten und um die baldige Heimkehr der vielen Vermissten und Gefangenen zu Bitten.

Vom April in den Mai

Bei der ersten „Gauwallfahrt“ am 29. April des selben Jahres zogen bereits 1480 Wallfahrer aus 69 Gauvereinen betend nach Maria Eck. Die oft unsichere und kalte Witterung Ende April veranlasste die Verantwortlichen einige Jahre später, den Bittgang auf den dritten Sonntag im Mai zu verlegen.

Bis heute sind die Siegsdorfer Trachtler für die Organisation der großen Wallfahrt mit bis zu 3.000 Teilnehmern verantwortlich. Jedes Jahr findet sich ein Gauverein, der zur musikalischen Begleitung des Gottesdienstes eine Musikkapelle zur Verfügung stellt.

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Von Beginn an sind auch die Berchtesgadener Weihnachtsschützen fester Bestandteil der Wallfahrt. Jährlich wechselnd begrüßt eine der 17 Abordnungen die Wallfahrer mit ihrem Salut, sobald die Spitze des Zuges das Klostergelände erreicht und von den Brüdern aus dem Kloster unterhalb der Wallfahrtskirche empfangen wird.

Mehr als 3.000 Wallfahrer

Über 3.000 Wallfahrer aus 105 Vereinen begleiteten bei herrlichem Sommerwetter zur 40. Trachtenwallfahrt im Mai 1990 Gauvorstand Max Reitner nach Maria Eck. Einige Plattler aus der Gaugruppe trugen dabei die große, von der Gauvorstandschaft gestiftete Votivkerze den langen Weg hinauf, die seither auf dem linken Seitenaltar in der Wallfahrtskirche zu bewundern ist.

Zur 50. Trachtenwallfahrt errichtete der Gauverband I im Jahr 2000 einen Gedenkstein am Eingang zum Freialtargelände, der an die lange Tradition und den tiefen Sinn der Trachtler-Wallfahrten erinnert. Trotz strömenden Regens pilgerten fünf Jahre später über 2500 Trachtlerinnen und Trachtler aus 98 Vereinen des Gauverbandes I von Siegsdorf nach Maria Eck und feierten dort zusammen mit Kardinal Reinhard Marx einen festlichen Gottesdienst auf der Klosterleiten.

Ein besonderer Sonntag in Maria Eck

Der Wallfahrts-Sonntag ist für viele Vereine und ihre Mitglieder der jährliche Auftakt in den Trachtensommer. Schon am frühen Morgen bringen Busse und Autos die Trachtler aus dem ganzen Gaugebiet nach Siegsdorf, wo sich dann pünktlich um 9 Uhr der Pilgerzug am Kirchplatz in Bewegung setzt.

Hinter dem Siegsdorfer Wallfahrerkreuz, der Gaustandarte und der Gauvorstandschaft mit ihren Ehrengästen sowie den fünf Trachtenvereinen der Gemeinde Siegsdorf schließt sich dann entlang der Hauptstraße in loser Reihenfolge der schier endlose Zug der Wallfahrer an, jeweils angeführt von ihren Vereinsfahnen. Sie gehen betend den gut vier Kilometer langen Anstieg hinauf zum Kloster.

Etwa auf halbem Weg, bei der sogenannten „Gaßlhöhe“, reihen sich traditionsgemäß vier Männer aus dem Ortsteil Scharam hinter dem Wallfahrerkreuz ein. Sie vertreten symbolisch die Holzknechte und Bauern aus der Gegend, die im Jahr 1805 während der Säkularisation die Wallfahrtskirche wehrhaft vor dem drohenden Abriss retteten.

Unter den Salutschüssen der Berchtesgadener Weihnachtsschützen wird dann der Wallfahrtszug vom Guardian des Klosters empfangen und zum Freialtar geleitet, wo nach einer kurzen Begrüßung durch den Gauvorstand der stets feierliche Gottesdienst beginnt.

Das Kloster auf der Anhöhe, das feierliche Geläute der Wallfahrtskirche, der Salut der Böllerschützen, die vielen hundert Wallfahrer in ihren festlichen Trachten und die bunten Fahnen inmitten der meist herrlich blühenden Natur bilden ein stimmungsvolles Bild und verleiten Aussenstehende gerne dazu, den ernsten Anlass dieser Wallfahrt zu übersehen.

Aber die große Zahl von Vereinen und Wallfahrern, auch bei oftmals widrigen Wetterverhältnissen, die sichtbare Andacht der Kirchgänger, beeindruckende Gedanken der Zelebranten und eindringliche Appelle der Gauvorstände rufen den Grundgedanken immer wieder deutlich in Erinnerung.

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