MARKTGEMEINDERAT

Herzliche Grüße nach „Prine am Kinze“

Ein Gruß an seine Heimat auf Zeit (gemeint ist Prien am Chiemsee) ist der Name des Lokals, das Babakar Segnane in seinem Heimatdorf im Senegal eröffnet hat. PRIVAT
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Ein Gruß an seine Heimat auf Zeit (gemeint ist Prien am Chiemsee) ist der Name des Lokals, das Babakar Segnane in seinem Heimatdorf im Senegal eröffnet hat. PRIVAT

Die Schreibweise ist originell, die Aussprache aber fast original. „Prine am Kinze“ steht in bunten Lettern auf der Wand einer einfachen Hütte mitten im Senegal. Es ist der Name eines Lokals. Der Gastronom heißt Babakar Sadikh Segnane, ein Senegalese, der einst als Flüchtling nach Prien kam und mithilfe von Prienern in seine Heimat zurückkehrte, um sich dort eine Existenz aufzubauen.

Prien – Babakars Geschichte hat es bis auf die Tagesordnung des Marktgemeinderats geschafft. Das allein beweist, dass es eher die Ausnahme ist, dass Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren und sich dort eine Existenz aufbauen. Uta Mewes, Anna Heuken und Helke Fussell waren die maßgeblichen Helferinnen des Senegalesen.

„Sukouli Sense Musa“ stand in großen Lettern auf der Leinwand im Sitzungssaal des Rathauses, als Fus sell dem Gremium berichtete, was geschehen ist, seit Babakar im November 2017 in seine Heimat zurückgekehrt ist. „Die Entwicklung des Dorfes Musa“ hörte sich in Fussells Schilderung sehr vielversprechend an. Die Vorbereitung sei „absolut abenteuerlich“ gewesen, was weniger am Projektplan Babakars für den Schritt in die Selbstständigkeit lag, sondern an Schwierigkeiten zu Beginn der Umsetzung. So habe es zum Beispiel zwei Monate keinen Kontakt zur senegalesischen Botschaft gegeben, weil diese plötzlich geschlossen worden sei, berichtete Fussell.

Irgendwann waren die nötigen Papiere doch beschafft und alle anderen Formalitäten erledigt und Babakar konnte tun, was er von Anfang an tun wollte, seit er mit der großen Flüchtlingswelle 2015 nach Prien gekommen war.

In den ersten knapp sechs Monaten, seit Babakar in sein Dorf in Westafrika zurückgekehrt ist, „hat er unsere Erwartungen weit übertroffen“, berichtete Fussell über die ersten Schritte des 32-Jährigen auf dem Weg zur unabhängigen eigenen Existenz. Babakar kaufte verfallene Hühnerställe, renovierte sie, züchtete Hühner und verkaufte sie gewinnbringend. Er begann mit Gemüseanbau, wässerte die Pflanzen anfangs mühsam mit der Gießkanne. Inzwischen sind Schläuche zur Bewässerung verlegt worden.

Babakars erklärtes Ziel ist es, die Menschen in seinem Dorf zu versorgen und Arbeitsplätze zu schaffen – und zwar nachhaltig. Das ist auch dem Unterstützerkreis aus Prien wichtig, der ihm finanziell und ideell geholfen hat, Voraussetzungen zu schaffen, sein Ziel erreichen zu können.

Gemeinsam mit seinen Schwestern hatte Babakar nach dem Tod des Vaters vor sieben Jahren dort Land geerbt. Sein Großvater hatte mit der Landwirtschaft begonnen, sein Vater dachte fortschrittlich, baute eine Wasserversorgung für die Felder auf, sodass diese auch außerhalb der Regenzeit bewirtschaftet werden konnten. Als er starb, fehlte das Geld, um seine Visionen fortzusetzen. Deshalb hatte der Sohn das Land 2015 verlassen.

Ein halbes Jahr nach seiner Rückkehr hat Babakar schon einiges bewegt. Immer wieder schickt er Bilder nach Prien und berichtet über die Entwicklung. Die neuesten Fotos zeigen sein neuestes Projekt: Babakar hat ein „Fast Food“-Lokal (so steht es an der Fassade) eröffnet und es in dankbarer Erinnerung an die Hilfe, die er hierzulande erfahren hat, „Prine am Kinze“ genannt.

Damit ist Babakars Geschichte aber noch nicht zu Ende. Seine Priener Freunde wollen ihm als Nächstes eine Fortbildung in Buchführung ermöglichen, damit er seinen jungen Betrieb auch in dieser Hinsicht gut führen kann.

Der findige Afrikaner träumt derweil schon von einem „Guest House“. Ob dort vielleicht dann öfter Priener übernachten, wird die Zukunft zeigen. Der Marktgemeinderat nahm Fussells Schilderung wohlwollend und mit großer Anerkennung auf. Zeitnah soll in einem politischen Gremium darüber beraten werden, ob und wenn ja in welcher Form die Gemeinde sich in das Projekt einklinken wird.

Einig sind sich die Priener Kommunalpolitiker mit Babakars Unterstützern in der Auffassung, dass die Geschichte des Senegalesen beispielhaft und motivierend für andere Flüchtlinge sein kann.

Träger des Babakar-Projektes ist der Priener Verein „Moja Kwa Moja, Sei selbst das Projekt“.

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