Das Herz dieser Ruhpoldinger schlägt seit 30 Jahren für die Hütte

Seit 30 Jahren betreiben Sepp und Maria Gruttauer die Rasthütte am Mittersee. Die Gäste schätzen ihre schnörkellose Gastfreundschaft und können sich zugleich auf ihre Hilfsbereitschaft verlassen, wenn mal was klemmt. Schick

Sepp und Maria aus Ruhpolding betreiben mit bayerischer Liebenswürdigkeit ihre Almhütte am Westufer des Mittersees. Mittlerweile könnten Sie ein Buch über ihre Erlebnisse schreiben. Auch während der Corona-Krise bleiben die beiden gelassen - und ein Anlaufpunkt für alle, die jetzt die Ruhe der Berge suchen.

Von Ludwig Schick

Ruhpolding– Seit drei Jahrzehnten betreiben Sepp und Maria Gruttauer mit bayerischer Liebenswürdigkeit und viel umweltbewusstem Engagement die Langlaufhütte am Westufer des Mittersees. Am vergangenen (Wahl)Sonntag hat nun das Ehepaar zum dreißigsten Mal den Türschlüssel zweifach umgedreht und damit zugleich ein persönliches Jubiläum feiern können. Es soll nicht das letzte Mal gewesen sein, wie die Gruttauerss unisono betonen. Denn mit den Söhnen Leonhard und Bernhard steht die nächste Generation bereits in den Startlöchern.

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Einzige Möglichkeit zur Einkehr

Das einfache, mit Brettern verschlagene Holzgebäude, das während der Badesaison der Rot-Kreuz-Wasserwacht als Stützpunkt dient, ist im Winter beliebte Anlaufstation bei Langläufern, Wanderern und Outdoor-Freunden, die im Landschaftsschutzgebiet sportliche Betätigung und erholsame Stunden suchen. Ungefähr auf der Hälfte der Laufstrecke und direkt an der Trasse der ehemaligen Wald-Bahn nach Reit im Winkl gelegen, ist die Rasthütte für Viele zur unverzichtbaren Einkehrmöglichkeit (übrigens weit und breit der einzigen) geworden.

Einen ganzen Monat nicht erreichbar gewesen

Obwohl das Drei-Seen-Gebiet vergleichsweise mit anderen Gebieten fast durchgehend akzeptable Verhältnisse aufwies, mussten die Gruttauers heuer früher als gewohnt dichtmachen. Die Gründe dafür lagen diesmal nicht nur im schneearmen Winter in unseren Breitengraden, sondern auch an den Vorsichtsmaßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie, für die Sepp und Maria natürlich vollstes Verständnis zeigen. Die beiden Betreiber kann nach dreißig Jahren unterschiedlichster Erfahrungen und Erlebnisse eh nichts mehr erschüttern. Denn dass nicht immer alles nach Plan läuft, erlebten die Gruttauers im vorigen Winter hautnah, als die Hütte komplett zugeschneit und wegen erhöhter Lawinengefahr einen ganzen Monat nicht mehr erreichbar war. Da trifft es sich gut, dass Sepp Gruttauer seit einigen Jahren der örtlichen Lawinenkommission angehört, schließlich ist er täglich vor Ort und kann damit seine aktuellen Einschätzungen im Fachgremium einbringen. Glücklicherweise bleibt es im Drei-Seen-Gebiet bei diesen Ausnahmen.

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In der Regel ist die Rasthütte ohnehin auf den gewohnt bestens präparierten Loipen leicht zu erreichen. Und dann schätzen die Vorbeikommenden nicht nur die schnörkellose Gastfreundschaft der Gruttauerss. Da kann es dann schon mal sein, dass der Gruttauer-Sepp zum fünfzehnten Nothelfer wird. Nämlich dann, wenn eine Bindung locker ist, eine Blase im Schuh drückt, der Autoschlüssel verloren geht oder ein Ski oder Skistock den Abhang hinuntersaust und im See schwimmt.

Hilfe für große und kleine „Notfälle“

„Dann komm ich mir vor, wie der Notdienst des ADAC,“ lacht der Sepp lauthals und erzählt zugleich die etwas „anrüchige“ Story von jenem Mobiltelefon, das einer jungen Langläuferin blöderweise ins Klo entglitten ist und, nach längerer, intensiver Suche, die hier nicht weiter ausgeführt werden muss, zum erfolgreichen Abschluss kam. Als Finderlohn hatte der Vater des Mädchens daraufhin eine Flasche Schnaps gestiftet: „Die haben wir aber auch nach dieser Aktion gebraucht,“ erinnert sich der Hüttenwirt zurück.

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