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Neues Schloss Herrenchiemsee & Co.:

Die Stimme der Kini-Schlösser hat ein Millionenpublikum

Bild von Uwe Gerd Schatz vor dem Schloss Nymphenburg
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Uwe Gerd Schatz vor seinem ehemaligen Arbeitsplatz: Der Kunsthistoriker hatte sein Büro im Schloss Nymphenburg, regelmäßig war er aber in den Schlössern des „Märchenkönigs“ im Einsatz.
  • VonJennifer Battaglia
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Das Neue Schloss Herrenchiemsee hat es ihm besonders angetan, aber auch vom Schloss Neuschwanstein weiß er alles: Nach fast einem Vierteljahrhundert im Dienste der Bayerischen Schlösser geht der Kini-Experte Uwe Gerd Schatz in den Ruhestand.

München – Er hat ein Millionenpublikum – tagtäglich hören und lesen seine Texte Touristen aus aller Welt – doch nur wenige werden auch seinen Namen kennen. Der promovierte Kunsthistoriker Uwe Gerd Schatz ist der Ansprechpartner schlechthin bei allen Fragen rund um das Leben und die Bauten des „Märchenkönigs“ Ludwig II. Er hat die Führungstexte für die Schlossführungen auf Schloss Neuschwanstein, Schloss Linderhof und dem Neuen Schloss Herrenchiemsee verfasst und die offiziellen Führungsbroschüren bearbeitet.

Textvorlage in fast 20 Sprachen übersetzt

Wenn der chinesische Tourist nach Neuschwanstein kommt, hört er aus seinem Audiogerät die Erklärungen des Ludwig-Experten. Schatz’ deutsche Textvorlage wurde in fast 20 Sprachen übersetzt. Die zu jedem Raum passenden Wagner-Opernstücke hat der 65-Jährige gleich mit ausgesucht. Schatz ist gebürtiger Münchner. An der Ludwig-Maximilians-Universität studierte er Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Theaterwissenschaften. Promoviert hat er über den bayerischen Architekten Joseph Daniel Ohlmüller, der unter König Ludwig I., dem Großvater von Ludwig II., tätig war. Vom Landesamt für Denkmalpflege wechselte Schatz 1997 zur Bayerischen Schlösserverwaltung. Ab 2009 war er Referent für die Schlossbauten des Märchenkönigs. Seit 1. Dezember ist der Münchner im Ruhestand.

Leben und Wirken des Königs faszinierten ihn schon als Jugendlicher. „Das ging mit 15 los“, sagt er. „In jungen Jahren liegt man ja gerne etwas quer mit der Welt.“ Ludwig II. war damals eine Identifikationsfigur für ihn. „Mein Interesse hat sich aber später vom emotionalen in den rein wissenschaftlichen Bereich verlegt.“ Schatz hat Aufsätze zu Ludwig II. publiziert, darunter „Sakralität in den Bauten Ludwigs II.“ oder „Bequemes der Heilige Gral aufbewahrt wird. „Ich habe geantwortet, dass wir ihn noch nicht gefunden haben“, sagt er. „Das war nicht gelogen und etwas anderes hätte ich einfach nicht übers Herz gebracht.“

Kampf gegen hartnäckige Gerüchte

Aber auch hartnäckige Gerüchte musste Schatz immer und immer wieder richtigstellen. Dazu gehört die prominente, aber falsche Annahme, der König habe mit seinen Bauten die Staatskasse belastet. Wahr ist: Ludwig II. erhielt eine jährliche Zuwendung vom Staat, um seinen Hof zu finanzieren – so wie alle bayerischen Herrscher ab 1848. Selbst in die Staatskasse greifen konnte der König nicht. „Gewisse Dinge sind einfach untötbar“, sagt Schatz. „Egal wie historisch unsinnig sie auch sein mögen.“ Mittlerweile hat er es aufgegeben, dagegen zu reden.

Dass Ludwigs Königsschlösser von Touristen überrannt werden, sieht Schatz kritisch. „Nach Neuschwanstein müssen einfach alle, das ist fast schon zwanghaft.“ 1,4 Millionen Besucher hatte das Schloss allein im Jahr 2019. Uwe Gerd Schatz bevorzugt das Neue Schloss Herrenchiemsee. Ludwigs Idee, ein bayrisches Versailles zu bauen, hat es Schatz angetan. „In der Qualität der Ausstattung ist das Schloss ohne jeden Vergleich“, sagt der Ludwig-Experte. Das Schloss hatte keinen praktischen Nutzen für den König, es war allein als Denkmal für den Absolutismus gedacht. „Hier hat der König die Zweckfreiheit auf die Spitze getrieben“, sagt der Kunsthistoriker.

„Nach Neuschwanstein müssen einfach alle, das ist fast schon zwanghaft.“

Stimme der Kini-Schlösser und Kunsthistoriker Uwe Gerd Schatz

Mit dem König wird sich Schatz auch in seinem Ruhestand weiter beschäftigen. Er hat konkrete Ideen für neue Publikationen. „Genaueres will ich aber nicht verraten“, sagt er. „Damit mir keiner zuvorkommt.“