Begehrter Titel

Herrenchiemsee bald auf Augenhöhe mit der Alhambra? Schloss könnte UNESCO-Weltkulturerbe werden

Das Schloss Herrenchiemsee: Läuft alles nach dem Plan der Initiatoren, dem Verein „Freunde von Herrenchiemsee“, könnte das Königsschloss zusammen mit Neuschwanstein und Linderhof nach 2014 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes sein.
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Das Schloss Herrenchiemsee: Läuft alles nach dem Plan der Initiatoren, dem Verein „Freunde von Herrenchiemsee“, könnte das Königsschloss zusammen mit Neuschwanstein und Linderhof nach 2014 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes sein.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Ab 2024 könnte Herrenchiemsee zum Weltkulturerbe der UNESCO zählen: Dann nämlich soll der Antrag beim Entscheiderkomitee in Paris eingereicht werden. Der begehrte Titel würde dann nicht nur Herrenchiemsee, sondern auch den Königschlössern Neuschwanstein und Linderhof verliehen werden. Dr. Friedrich von Daumiller aus Prien begleitet den Prozess nun seit 17 Jahren.

Prien/Herreninsel – Es geht um viel. Um nichts weniger, als Teil des Weltkulturerbes zu werden: Im Jahr 2024 könnte das lange Warten der „Freunde von Herrenchiemsee“ ein Ende haben. Dann nämlich kann der Antrag, Schloss Herrenchiemsee – mit Schloss Linderhof und Neuschwanstein –  den begehrten Titel zu verleihen, beim Entscheiderkomitee der UNESCO in Paris eingereicht werden. Des Königs Inselrefugium wäre dann gleichauf mit altehrwürdigen Bauten wie der Wartburg von Eisenach, der Kirche Westminster Abbey in London oder die Stadtburg Alhambra in Granada.

17 Jahre auf der Warteliste

Dann haben die Schlösser Ludwigs II. auch lange genug auf der sogenannten Tentativliste der Kultusministerkonferenz verweilt: Knappe 17 Jahre, zusammengefasst unter dem Titel „Gebaute Träume“. Im Schnitt dauert es dann laut Dr. Bianca Preis vom Bayerischen Wissenschaftsministerium noch mal ein weiteres Jahr bis zur Entscheidung des UNESCO-Welterbekomitees über den Antrag. „Nach der Anerkennung kann das Logo verwendet werden, wobei dazu aber ein Verfahren bei der Deutschen UNESCO-Kommission erforderlich ist“, so Preis.

„Es war nicht leicht, auf diese Vorschlagsliste für zukünftige Nominierungen als Weltkulturerbe zu kommen“, erinnert sich Dr. Friedrich von Daumiller, Vorsitzender des Vereins „Freunde von Herrenchiemsee“ aus Prien. Sein Vorgänger, der ehemalige Priener Bürgermeister Lorenz Kollmannsberger, habe im Jahr 2007 den Anfang gemacht. „Damals hatten wir die Idee, uns als Kulturregion rund um den Chiemsee zu präsentieren, gemeinsam mit den Schlössern in Seeon, Hohenaschau und Wildenwart zum Beispiel“, erzählt von Daumiller. Doch dann wurde durch den Kontakt zum Kunsthistoriker Professor Michael Pezet, dem damaligen Präsidenten des Welt- Komitees des Internationalen Rates für Denkmalpflege, klar: „So würden wir es nicht auf die Liste schaffen. Nur mit Königsschlössern hätten wir eine Chance.“

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Bedenken bei den Gemeinden

Nachdem der erste Versuch, sich mit Schlössern in Portugal, Italien und Rumänien zusammen zu tun, scheiterte, wagte sich der Verein an Plan B: Man überzeugte die Bayerische Schlösserverwaltung, einen entsprechenden Antrag für alle drei Königsschlösser zu stellen. Doch bei den betroffenen Gemeinden gab es gewisse Bedenken, so von Daumiller rückblickend. Zum Beispiel Befürchtungen, unter dem wachsamen Auge der UNESCO künftig keine modernen Bauten mehr in die Nähe der dann geschützten Schlösser setzen zu dürfen – ein nicht zu unterschätzender Aspekt, wie das Beispiel Dresdner Elbtal zeigte: Ihm wurde 2009 nach dem Bau einer Brücke der Titel wieder aberkannt.

Tatsächlich gab es auch Bedenken innerhalb des Priener Vereins: „Ein Mitglied trennte sich von uns, weil die Sorge im Raum stand, die Fraueninsel könnte künftig zur Schutzzone erklärt werden und Bauprojekte dadurch erschwert werden.“

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Mehr Gäste? Besser außerhalb der Ferien

Doch von Daumiller kennt auch andere Weltkulturerbe-Stätten, wo sich Moderne und Tradition die Hand reichen, etwa die Altstadt Trogir in Kroatien.

Inzwischen überwiege in Prien die Überzeugung, dass der Titel Weltkulturerbe das Image des Schlosses noch einmal deutlich verbessern würde. Nicht, dass Herrenchiemsee nicht beliebt wäre – allerdings würden, so Daumillers Einschätzung, sich vom Titel noch mehr Zielgruppen angesprochen fühlen: „Asiatische Touristen richten ihre Reiserouten gern an Weltkulturerbestätten aus.“

Konstantin Buchner, Leiter der Schloss- und Gartenverwaltung Herrenchiemsee, bestätigt, dass ein Weltkulturerbe mehr Menschen aus aller Welt anziehen könnte. Doch auch so sei man zufrieden mit der Gästeentwicklung (siehe Infokasten). Und wie so oft, habe auch jede positive Entwicklung ihre Kehrseite: Mehr Besucher bedeuteten auch mehr Verkehr, mehr Müll. Zusätzliche Gäste, hofft Buchner mit einem Augenzwinkern, sollten bestenfalls genauso „gesittet“ sein, wie die bisherigen. „Und wenn wir einen Wunsch frei hätten, dann der, dass sie sich aufs ganze Jahr verteilen“. Sprich: Außerhalb der Spitzenzeiten in den Ferien wäre vorteilhaft.

Von Daumiller hat seit dem Tod Kollmannsbergers 2009 den Vorsitz des Vereins inne und fragt einmal im Jahr im Innenministerium nach dem Stand der Dinge an.

Er hat noch eine andere „Nebenwirkung“ im Sinn: Herrenchiemsee als einstige Kulisse des Verfassungskonvents als Ort der Demokratie und Menschenwürde stärker im Gedächtnis der Menschen zu verankern: „Es gibt in Deutschland viel zu wenige Erinnerungsorte, die so positiv besetzt sind wie Herrenchiemsee“, ist er überzeugt.

Entwicklung der Besucherzahlen

Laut Bayerischer Schlösserverwaltung ergeben sich folgende Besucherzahlen – sie beziehen sich auf das Neue Schloss:

2019: 356 393

2018: 371 791

2017: 376 160

Die Rückgänge 2018 und 2019 haben mehrere Gründe: 2018 war das König Ludwig II.-Museum wegen Bauarbeiten bis April

geschlossen. Von Mai bis Oktober 2018 lief die Sonderausstellung „Königsklasse IV“, was wiederum die Besucher-Differenz zum Jahr 2019 erklärt.

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