Herbert Langmann aus Prien ist Nordic-Walking-Weltmeister und wirbt für seinen Sport

Beim Nordic Walking Race in Tirano 2019wurde Herbert Langmann Europameister in seiner Altersklasse. Für die fünf Kilometer brauchte er gut 38 Minuten. Über zehn Kilometer gewann der Priener die Bronzemedaille. privat
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Vor zwölf Jahren hat Herbert Langmann das schnelle Gehen mit Stöcken für sich entdeckt. 2019 wurde er zum wiederholten Mal Nordic-Walking-Weltmeister. Er wirbt für seinen Sport, der 90 Prozent des menschlichen Bewegungsapparates aktivieren kann.

Prien – Wer im Eichental einem grauhaarigen Herrn begegnet, der mit Stöcken genauso schnell unterwegs ist wie mancher Jogger, der hat es mit Herbert Langmann zu tun. Der 68-Jährige hat vor zwölf Jahren Nordic Walking für sich entdeckt und ist heute ein glühender Verfechter dieses Gehens mit den Stöcken – gerade in Zeiten, in denen Bewegung im Freien mehr denn je gut tut.

Nordic Walking wird auch heute noch oft belächelt. Männer tun es gern als Frauensport ab. Herbert Langmann steht da längst drüber. Er hat gute Argumente für seine Passion. „Beim Nordic Walking werden 90 Prozent aller Muskeln beansprucht, beim Radfahren oder Joggen gerade mal knapp die Hälfte. Dementsprechend ist auch der Energieumsatz, sprich der Kalorienverbrauch mit zirka 750 Kilokalorien (kcal) in der Stunde doppelt so hoch wie beim Joggen oder Radfahren“, erläutert der Priener.

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Langmann hat das schnelle, rhythmische Gehen vor zwölf Jahren für sich entdeckt. Beim Urlaub in Kärnten fiel sein Blick auf ein Werbebanner für die Nordic-Walking-Weltmeisterschaft für Jedermann. Mit einer seiner Töchter belegte er spontan einen Kurs, den der Deutsche Skiverband damals beim Tourismusverband Chiemsee in Bernau-Felden anbot. Bei der WM kam Langmann dann auf Anhieb auf Platz fünf der Gesamtwertung unter 500 Teilnehmern. „Es hat mich gepackt“, erinnert er sich. Der gelenkschonende Sport kam ihm gerade recht, war doch ein Kniegelenk „im Eimer“ – eine typische Fußballer-„Krankheit“. Als aktiver Kicker hatte Langmann einst in Offenburg um den Aufstieg in die zweite Liga gespielt. Sportlich war er also zeit seines Lebens, so dass Langmann konditionell schon zu Beginn seiner Walking-Karriere voll auf der Höhe war.

Richtige Technik entscheidend

Heute geht der 68-Jährige im Schnitt jeden zweiten Tag zehn Kilometer, beschreibt er im Interview sein Trainingspensum. Am liebsten ist er im Eichental unterwegs, nicht nur wegen der Idylle der Natur. Dort gebe es sowohl flache Strecken als auch „kupiertes Gelände“, also wellige Passagen. Das ist für den 68-Jährigen wichtig, denn bei Wettkämpfen gibt es sowohl Wertzungen in der Ebene als auch in den Bergen. Bei der letzten WM waren auf einer 14-Kilometer-Route 1200 Höhenmeter zu überwinden, erinnert sich Langmann.

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Beim Training komme er auf acht bis neun km/h, was auch sein Wettkampftempo sei. Für Langmann liegt hier ein weiterer Pluspunkt seines Sports: Jeder könne sein Tempo den individuellen Bedürfnissen anpassen. Deshalb wird Nordic Walking auch oft im Reha-Sport angeboten. Weil das Geh-Tempo individuell ist, hat zum Beispiel die Kardiologie der Reha-Klinik St. Irmingard das Gehen mit den Stöcken fix im Angebot.

Damit Nordic Walking auch wirklich das Optimum bringt, ist die richtige Technik entscheidend. Gerade in der Handhabung der Stöcke liege eine sehr häufige Fehlerquelle. „80 bis 90 Prozent könnten mehr draus machen“, hat der Lehrer im Unruhestand beobachtet. Wichtig sei eine „große Armbewegung aus dem Schultergelenk“, umschreibt es Langmann. Dann werde bei jedem Schritt die komplette Rumpfmuskulatur gestärkt.

In mehrstündigen Kursen sei der Sport für Jedermann erlernbar, hat er festgestellt. Langmann hat vor Jahren einen Kurs als Nordic-Walking-Lehrer beim Deutschen Skiverband gemacht, gibt selbst Kurse, leitet eine wöchentliche Gruppe beim Skiclub (SC) Prien und lässt sich sogar ab und an von Hotels im deutschsprachigen Raum als Nordic-Walking-Trainer engagieren.

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