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Zweiter Tag im Prozess gegen Bruckmühler Biker in Traunstein

Hauptverhandlung unterbrochen – Fehlende Zeugin erneut für Montag geladen

Hells Angels Vertrauter in Traunstein wegen Kokain und Zwangsprostitution vor Gericht
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Am Montag (18. Juli) wird der Prozess gegen ein Mitglied des Rosenheimer Charters der Hells Angels am Landgericht Traunstein fortgesetzt.
  • Sascha Ludwig
    VonSascha Ludwig
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Bereits am ersten Verhandlungstag machten mehrere Zeugen belastende Angaben vor Gericht - bislang schwieg der Bruckmühler Biker zu einem zentralen Punkt. Am zweiten Tag des Prozesses gegen den 25-Jährigen sollte jetzt eine Zeugin aussagen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Biker aus Bruckmühl vor Gericht
  • Zweite Verhandlungstag am Traunsteiner Landgericht beginnt
  • Richterin bittet den Verteidiger und die Staatsanwaltschaft zu privatem Gespräch
  • Zeugin meldet sich kurzfristig krank
  • Polizistin belastet Anklagten mit Aussagen vor Gericht
  • Abgehörte Telefonate des Angeklagten werden abgespielt
  • Die Hauptverhandlung wird unterbrochen und am Montag (18. Juli) fortgesetzt

Update, 15.31 Uhr - Hauptverhandlung unterbrochen – Fehlende Zeugin erneut für Montag geladen

Nachdem die Polizistin aus dem Zeugenstand entlassen wurde, führt die vorsitzende Richterin das Attest der ursprünglich geladenen Zeugin und Geschädigten offiziell ein. In einer kurzen Unterbrechung hatte die Richterin zudem mit dem behandelnden Arzt telefoniert und nachgehakt: Sie habe sich vergewissert, dass die Zeugin weder reise- noch verhandlungsfähig ist. Zweifel an den Angaben der Zeugin zu ihrer Erkrankung habe der Arzt auf Nachfrage nicht gehabt.

Doch kein Urteil am Mittwoch – Fortsetzung am Montag

Danach verliest die Vorsitzende der Kammer noch einen Bericht der Suchthilfe, Protokolle zu asservierten Gegenständen sowie eine Auskunft über die finanziellen Verhältnisse des Angeklagten – von insgesamt neun Bank-Konten. Laut polizeilicher Analyse müsse mindestens seit 2020 eine externe Einnahmequelle bestanden haben, um den Lebensunterhalt des Angeklagten zu finanzieren. Im Vergleich zu den vorigen Jahren konnten darüber hinaus auch vermehrte Bargeld-Einzahlungen auf die Konten in den Jahren 2020 und 2021 festgestellt werden.

Weiter gibt Richterin Braune zu Protokoll, dass die erkrankte Zeugin erneut für den 18. Juli geladen werden soll. Die Hauptverhandlung wird also vorerst unterbrochen und soll am kommenden Montag (18. Juli) fortgesetzt werden. Sobald die Zeugin vor Gericht vernommen wurde, könnten dann bereits die Plädoyers der Beteiligten und schließlich auch das Urteil folgen.

Chiemgau24.de berichtet auch dann wieder live und in Ausschnitten aus dem Gerichtssaal in Traunstein.

Update, 14.07 Uhr - Aufgezeichnete Telefonate vor Gericht – Angeklagter mit eindeutigen Ansagen

Nach einer kurzen Unterbrechung setzt die 7. Strafkammer unter dem Vorsitz von Christina Braune die Anhörung der Polizistin weiter fort. Die Beamtin berichtet weiter über die erfolgte Handy-Überwachung des Angeklagten. Insgesamt drei Nummern seien dabei abgehört worden; wirklich erinnern könne sich der Angeklagte allerdings nur an zwei davon.

Telefonate zwischen dem Angeklagten und den Frauen als Beweis vor Gericht

Im Folgenden spielt die Zeugin aufgezeichnet Gespräche vor Gericht ab; zunächst ein Telefonat zwischen dem Angeklagten und der damals 18-Jährigen Frau: „Du darfst nicht zu viel nachdenken, was redest Du da“, ist darin der Angeklagte zu hören, wie er auf Bedenken der jungen Frau zum Thema Prostitution reagiert. „Ich hab da so ein komisches Gefühl“ entgegnet die Frau. Und der Angeklagte antwortet immer wieder: „Du darfst Dir darüber nicht so viel Gedanken machen!“

In einem anderen Gespräch – kurz vor einer geplanten Fahrt nach Berlin ist die damals 18-Jährige bereits einen Schritt weiter: „Das ist nur ein Test jetzt“, versucht sie sich beim Angeklagten zu versichern. „Du bist 18 Jahre alt und kein kleines Kind mehr“, entgegnet dieser kalt. Am selben Abend dann ein weiteres Telefonat. „Ich will das nicht machen!“ ist darin die Frau mit weinerlicher Stimme zu hören. Der Angeklagte überredet die Frau, sich dennoch kurz persönlich zu treffen. Die 18-Jährige willigt ein. In einem weiteren Gespräch wird der Angeklagte schließlich deutlich: „Was machst Du für Scheiße“, schreit der Angeklagte die junge Frau am Telefon an. „Du hast mir eine fette Ohrfeige gegeben. (..) Wir streiten uns fast jeden Tag darüber“, so die Frau.

Aggressive Drohungen am Telefon und Schläge ins Gesicht

Auch Gespräche mit der zweiten Frau, die heute nicht vor Gericht erschienen ist, werden dann im Saal abgespielt. „Ich hab keinen Bock mehr Zeit in Dich zu investieren, wenn nur Scheiße dabei rauskommt“, ist darin gleich zu Beginn eines Gesprächs der Angeklagte in abfälligem Ton zu hören. Im weiteren Verlauf wird auch hier deutlich worum es geht: „Ich wollte fragen, ob sich das überhaupt rentiert“, so die Frau über die geplante Prostitution. Danach versichert sie dem Angeklagten auf dessen Nachfrage, dass sie die Profile im Netz erstellt habe.

In einer weiteren Aufzeichnung ist schließlich ein Streitgespräch zwischen dem Angeklagten und der Frau zu hören: Sie deutet darin an, ihre Wohnung künftig nicht mehr für Besuche von Männern verwenden zu können. Und auch der Schutz bei etwaigen Zwischenfällen sei in der momentanen Situation nicht gegeben. „Soll ich Deine Hand halten, oder was?“ antwortet da der Angeklagte patzig. Sie antwortet ähnlich sarkastisch: „Ja am besten machst Du noch mit!“

Danach eskaliert die Situation am Telefon: „Leg noch einmal auf!“ schreit der Angeklagte, beschipft die Frau und fordert weiter: „Du kommst jetzt runter, hast Du mich verstanden?!“ In einer ähnlichen Situation habe der Angeklagte die Frau schließlich dann auch geschlagen. Strafanzeige wegen Körperverletzung habe die Frau in diesem Zusammenhang allerdings nicht gestellt, so die Beamtin auf Nachfrage von Verteidiger Andreas Müller.

Update, 12.49 Uhr - Von „Freundinnen“ zu Prostituierten – Polizistin mit belastenden Aussagen vor Gericht

Von der Kammer auf das Thema Frauen angesprochen, macht die Sachbearbeiterin vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd umfangreiche Angaben zu den Entwicklungen im Jahr 2020. Zunächst seien beide im Jahr 2020 als „normale Gesprächspartner“ oder sogar „Freundinnen“ in Telefonaten in Erscheinung getreten. „Im Laufe der Zeit hat man schon rausgehört – irgendwas stimmt da nicht“, so die Polizistin weiter. Der Verdacht der Prostitution habe sich aus dem Kontext somit „schnell ergeben“; Streitigkeiten und Andeutungen häuften sich in der Folge. Auch konkrete Gespräche mit der damals 18-Jährigen Zeugin, die bereits am ersten Verhandlungstag ausgesagt hatte, zum Thema Prostitution seien dokumentiert.

Bis Dezember 2020 hätten teils sehr eindeutige Gespräche stattgefunden; danach sei „plötzlich Schluss“ mit der damals 18-Jährigen gewesen. Bereits für den Oktober 2020 habe die Beamte schließlich Unterhaltungen zwischen dem Angeklagten und einer weiteren Frau ausgewertet. Aus einigen Gesprächen gehe dabei hervor, dass der 25-Jährige diese Frau nicht nur zur Prostitution gezwungen, sondern auch geschlagen haben soll, so die Polizistin. „Der Prostitution tatsächlich nachgegangen ist allerdings keine der beiden Frauen“, ergänzt die Zeugin.

Rache am Ex wird zur Zwangsprostitution – Einblick in die Vernehmungsprotokolle

Bei der polizeilichen Vernehmung habe die Frau angegeben, den Angeklagten seit Frühjahr 2020 zu kennen. „Um ihrem Ex-Freund eins auszuwischen“ habe sie zunächst eine Affäre mit dem Mitglied der Hells Angels angefangen. Durch den regelmäßigen Kontakt zum 25-Jährigen sei auch sie aber schließlich davon ausgegangen, in einer Beziehung mit dem Bruckmühler zu sein. Schnell seien ihr dann aber die wahren Absichten des Mannes klar geworden: Immer wieder soll er sie mit Nachdruck aufgefordert haben, Geld durch sexuelle Handlungen zu verdienen.

Der Angeklagte soll auch dabei behilflich gewesen sein, Profile auf einschlägigen Internet-Seiten einzurichten. Und auch bei der Preisgestaltung für die Dienstleistungen soll der Bruckmühler mit Rat zur Seite gestanden haben. Sein gewünschter Lohn: Eine finanzielle Beteiligung an den Einnahmen aus der Prostitution. Die Fäden im Hintergrund zogen jedoch auch weiterhin die Rosenheimer Hells Angels, so die Polizistin weiter.

Zeugin erkrankt – Wird die Vernehmung vor Gericht nachgeholt?

Während der Vernehmung der Polizeibeamtin hatte die Richterin zudem Rückmeldung zur zweiten für den Tag geladenen Zeugin erhalten: Eine Polizeistreife hatte die Frau in der Zwischenzeit an ihrer Heimatadresse aufgesucht und überprüft, ob wirklich ein amtliches Attest vorhanden ist. Am Telefon können die Beamte bestätigen, dass ein entsprechendes Dokument vorliegt. Ob die Vernehmung der Zeugin vor Gericht an einem weiteren Verhandlungstag nachgeholt wird, will das Gericht zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgeben.

Update, 11.12 Uhr - Hells Angels schon länger im Visier der Polizei – Angeklagter gezielt ausgeforscht

Der zweite Verhandlungstag gegen den 25-jährigen Biker und Mitglied der Hells Angels aus Bruckmühl vor dem Landgericht in Traunstein beginnt mit einer Verzögerung. Richterin Braune bittet den Verteidiger und die Staatsanwaltschaft zu einem privaten Gespräch in Hinblick auf „aktuelle Entwicklungen bei der Zeugenlage“.

Bereits zu Beginn des ersten Prozesstages am Montag (11. Juli) hatte der Angeklagte über seinen Verteidiger drei der vier ihm zur Last gelegten Delikte vollumfänglich einräumen lassen. So gab er zu, im Jahr 2021 zu zwei Gelegenheiten insgesamt ein Kilogramm Cannabis und 300 Gramm Kokain besorgt und im Raum Rosenheim weiterverkauft zu haben. Weiter gab er zu, bereits ein Jahr früher versucht zu haben, eine damals 18-Jährige Münchnerin zur Prostituition zu bewegen. Zu einem weiteren Vorwurf der Zwangsprostitution mit Körperverletzung schweigt der Bruckmühler auch am zweiten Verhandlungstag.

Zeugin erscheint nicht vor Gericht – Polizistin macht Angaben

Die Frau, die sich zu den Vorgängen im Jahr 2020 als Zeugin beziehungsweise Betroffene äußern sollte, meldete sich nun allerdings kurzfristig krank. Telefonisch erreichbar sei die Frau nicht gewesen – eine ärztliche Krankmeldung habe die Zeugin ebenfalls nicht vorgelegt, so Richterin Braune. Stattdessen macht eine Beamtin vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd Angaben zur Sache. Die Sachbearbeiterin war mit den Nachforschungen im Fall des Angeklagten betraut. Aufmerksam geworden sei die Polizei auf den 25 -Jährigen durch umfangreiche Ermittlungen beim Rosenheimer Charter der Hells Angels.

Zwischenzeitlich sei zudem eine anonyme Mitteilung bei der Polizeiinspektion Bad Aibling eingegangen, dass der Angeklagte zusammen mit einer anderen Person Betäubungsmittel in großen Mengen an minderjährige Abnehmer weitergebe. Über die Telefon-Überwachung des 25-Jährigen sei man schließlich auf die beiden geschädigen Frauen aufmerksam geworden, die nach erstem Anschein wohl zur Prostitution gezwungen wurden, so die Beamtin weiter.

Angeklagter als Hangaround – Zahlreiche Aufgaben für die Hells Angels erledigt

Nach der Verhaftung des damaligen Präsidenten der Hells Angels sei Bewegung in die Biker-Gruppierung gekommen. Während sich einige Mitgleider ins Ausland abgesetzt hätten, wurden beispielsweise auch mehrere private Telefone ausgetauscht. Der Angeklagte und eine weitere Person übernahmen in dieser Phase eine ganze Reihe von unterschiedlichen Aufgaben für die Hells Angels - unter anderem bis zur Festnahme auch den Handel mit Drogen. „Es ist weitergegangen, aber nicht mehr in dem Ausmaß wie früher“, so die Polizistin vor Gericht. Insgesamt habe die Polizei bislang rund 25 Abnehmer des Angeklagten identifizieren können.

Vorbericht

Gleich zu Beginn der Verhandlung gegen das Mitglied des Rosenheimer Charters der Hells Angels am vergangenen Montag, ließ der Biker aus Bruckmühl über seinen Anwalt mehrere Tatvorwürfe einräumen: Der 25-Jährige gab zu, ab August 2021 insgesamt ein Kilogramm Cannabis und 300 Gramm Kokain über zwei Münchner Groß-Dealer bezogen und mit Gewinnabsicht weiterverkauft zu haben. Ebenfalls räumte er über seinen Verteidiger Andreas Müller ein, im Jahr 2020 versucht zu haben, eine damals 18-jährige Frau zur Prostitution zu überreden.

Zeugin macht zunächst widersprüchliche Angaben - doch dann packt sie aus

Als die Frau am ersten Verhandlungstag vor Gericht ihre Aussage machen sollte, weigerte sie sich allerdings zunächst. Erst als die vorsitzende Richterin Christina Braune mit Nachdruck und unter Androhung rechtlicher Konsequenzen nachfragte, packte die heute 20-Jährige aus: „Es war vor zwei Jahren, ich war 18. Wir haben uns auf Insta kennengelernt. Dann haben wir uns getroffen, doch da wusste ich noch nicht, was er macht“, berichtete die Zeugin. Nachdem beide eine Liebesbeziehung eingegangen waren, habe er gefragt, ob sie sich vorstellen könne, für ihn anschaffen zu gehen. Nach anfänglicher Ablehnung ließ sich die junge Frau irgendwann auf die Forderungen des Angeklagten ein - und traf sich in München mit einem Freier.

Zu einem weiteren Fall von Zwangsprostitution schweigt der Angeklagte. Laut Anklageschrift soll sich der Biker parallel zur damals 18-Jährigen noch mit einer weiteren Frau getroffen haben. Nach einem ersten, persönlichen Treffen habe der Bruckmühler auch wieder versucht, seine Bekanntschaft zur Prostitution zu überreden; und eine finanzielle Beteiligung gefordert haben. Im weiteren Verlauf soll die Frau dann allerdings mehrere Treffen mit Freiern nur vorgetäuscht haben. Auf den vermeintlichen Erlös angesprochen gab sie an, das Geld bei ihrer Mutter aufzubewahren. Daraufhin soll der Angeklagte wütend geworden sein und sie schließlich geschlagen haben. Am Mittwoch (13. Juli) soll eben diese Frau vor Gericht aussagen.

***Chiemgau24.de berichte auch am Mittwoch wieder live und in Auszügen aus dem Gerichtssaal***

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