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Dealer-Duo der Hells Angels in Traunstein vor Gericht

Dem Weg des Geldes gefolgt – Polizei gibt Einblick in die Finanzen der Angeklagten

Dealer der Hells Angels vor Gericht: Drogen und Waffen in Südbayern verkauft
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Die Rosenheimer Hells Angels mit Drogen und Waffen beliefert? Zwei Dealer aus München ab Montag in Traunstein vor Gericht.
  • Sascha Ludwig
    VonSascha Ludwig
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Über einen längeren Zeitraum versorgten zwei Männer aus dem Münchener Umland die Region Rosenheim mit Drogen. Einer der Hauptabnehmer waren dabei die Hells Angels. Jetzt stehen die beiden Dealer in Traunstein vor Gericht - am zweiten Verhandlungstag könnten umfassende Einblicke in ihre Geschäfte folgen.

Update, 16.08 Uhr - Dem Weg des Geldes gefolgt – Polizei gibt Einblick in die Finanzen der Angeklagten

„Insgesamt fünf Konten haben wir bei einem der beiden näher angesehen“, berichtet der Zeuge und Beamte vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Besonders das Girokonto des 37-Jährigen wies regelmäßige Bewegungen auf. Neben den Lohneinkünften aus seiner Arbeit im Einzelhandel habe man Einnahmen aus einer Tätigkeit im Sicherheitsgewerbe festgestellt. Dazu notierte das Konto anfänglich auch mehrere Bargeldeinzahlungen im vierstelligen Bereich.

„Es ist relativ wenig Geld für Essen und Trinken ausgegeben worden“, bemerkt der Beamte zum Konsumverhalten des 37-Jährigen. In den Jahren 2019/2020 kam es dann zu verhältnismäßig hohen Bargeld-Auszahlungen. Im Jahr 2021 änderte sich das Verhalten des Angeklagten. Es wurde nur noch sehr wenig Geld vom Konto abgehoben. „Daher gehen wir davon aus, dass es noch eine externe Bargeld-Quelle gab“, so der Beamte.

Hohe Summen auf weiterem Konto entdeckt – Woher kam das Bargeld?

Eine weitere Ungereimtheit fiel den Beamten der Kriminalpolizei bei einem Tipico-Konto – diesmal auf den Namen der Freundin des Angeklagten – auf: Rund 13.000 Euro seien im Laufe der letzten Jahre mit Hilfe von Paysafe-Karten auf dem Konto eingegangen. „Hier reden wir von einer deutlichen Auffälligkeit, die ich nicht erklären kann“, so der Polizist. Das Geld für das Sportwetten-Konto müsse somit ursprünglich aus Barmitteln bereitgestellt worden sein.

Bei der Festnahme konnten beim 37-Jährigen rund 9000 Euro in Bar und eine Uhr der Marke Rolex sichergestellt werden. Die Lebensumstände in der Wohnung des Neubibergers beschreibt der Beamte auf Nachfrage von Verteidiger Jens Sklebitz allerdings als „nicht sehr luxuriös“ und „eher durchschnittlich“.

Die Verhandlung wird daraufhin unterbrochen und am kommenden Freitag (4. November) ab 9 Uhr fortgesetzt. Dann soll unter anderem der leitende Kriminalbeamte im Fall ausführliche Angaben, etwa zu den umfangreichen Abhör-Maßnahmen, machen. Auch die Einlassungen der beiden Angeklagten stehen dann im Rahmen des dritten Prozesstages auf dem Programm.

*** chiemgau24.de berichtet auch dann wieder live und in Ausschnitten aus dem Gerichtssaal ***

Update, 14.47 Uhr - Hilfsbereiter Nachbar oder Drogen-/Waffen-Dealer? Zeugen liefern interessante Einblicke

Der Nachmittag im Verfahren gegen die beiden Drogendealer aus dem Raum München startet mit der Vernehmung der ersten Zeugin im Prozessverlauf. Richterin Braune ruft die Vermieterin des Kellerabteils, in dem die beiden Männer kiloweise Drogen und Waffen gelagert haben sollen, in den Saal.

Sie habe den 43-Jährigen bereits im Jahr 2017 kennengelernt; es entstand schnell eine Freundschaft zwischen ihr und dem Angeklagten, berichtet die Frau aus München. „Er hat mir immer geholfen, wenn ich mal was mit dem Auto hatte. Er hat auch auf meinen Kater aufgepasst, wenn ich mal weg musste. Es war sehr vertrauensvoll, würde ich sagen“, so die Zeugin weiter.

Ab wann genau der Angeklagte ihren Keller mitbenutzte, könne sie nicht mehr sagen. „Das war 2017/2018; ungefähr.“ Und weiter: „Das war klar, dass er den Platz haben kann, wenn ich ihn nicht brauche.“ Was der Angeklagte in ihrem Keller aufbewahrte, wusste sie laut eigener Aussage zu keiner Zeit. „Das ist ja privat, da schaue ich nicht in den Schrank von ihm.“

Den 37-jährigen Angeklagten habe sie nur sporadisch gesehen; in der Regel zusammen mit dem 43-Jährigen – manchmal im Eingangsbereich des Hauses, manchmal im Keller. „Er war ein sehr hilfsbereiter Mensch – nicht nur mir gegenüber, sondern auch bei allen Anderen im Haus“, so die Zeugin abschließend über den 43-Jährigen.

Weitere Zeugen geladen – auch der erste Polizeibeamte macht Angaben

Weiter geht es mit einem ehemaligen Mitglied der Hells Angels. Der Zeuge wurde bereits in einem früheren Verfahren zu einer Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. Derzeit verbüßt er einen Teil seiner Strafe im InnSalzach-Klinikum. „Wie sieht es aus mit einer Aussage?“, will die Richterin wissen. „Gibt es keine“, so der Zeuge knapp.

Daraufhin wird der ehemalige Biker des Rosenheimer Chapters der Hells Angels wieder entlassen. Neue Erkenntnisse im Fall der beiden Dealer konnte er somit nicht liefern. Im Anschluss soll nun ein Beamter des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd vor Gericht aussagen.

Update, 12.25 Uhr - Ein Angeklagter schweigt weiter, der Andere will auspacken

Nachdem die Kammer den beiden Angeklagten ein mögliches Strafmaß in Aussicht gestellt hat, ist es nun an den beiden Dealern beziehungsweise deren Anwälten, sich zu äußern. „Ich könnte damit wahrscheinlich leben“, so Staatsanwältin Miller zuvor zum Vorschlag der Richterin. Auch Rechtsanwalt Dr. Kai Wagler erklärt sich dann im Namen seines Mandanten – dem 43-jährigen Taufkirchener - mit dem Vorschlag der Kammer einverstanden.

„Mein Mandant wird sich heute nicht dazu äußern“, erklärt hingegen Jörg Sklebitz für den 37-jährigen Neubiberger. Bei einer maximal möglichen Strafe von 15 Jahren wolle der Anwalt zunächst die weiteren Entwicklungen im Saal beobachten und auch sein Schützling wolle hier „nochmal eine Nacht darüber schlafen.“ Am nächsten Verhandlungstag - am kommenden Freitag den 4. November - will er eine Entscheidung kundtun.

Mehrere Zeugen am Mittwochnachmittag vor Gericht

Nach einer kurzen Mittagspause sollen zahlreiche Zeugen Angaben vor Gericht machen. Unter anderem die Vermieterin des Kellerabteils, das von den Dealern als Lager und „Bunker“ genutzt worden war. Auch weitere Zeugen wie ein bereits verurteiltes Mitglied der Hells Angels sollen dann Licht ins Dunkel bringen.

Update, 11.29 Uhr - 12 Jahre Gefängnis gefordert – Sagen die Angeklagten heute aus?

Während am ersten Prozesstag lediglich die Anklageschrift gegen den 43-jährigen Mann aus Taufkirchen und seinen Mit-Angeklagten aus Neubiberg verlesen wurde, steht heute ein ausführlicheres Programm auf der Tagesordnung. Unter dem Vorsitz von Richterin Christina Braune soll weiter der Frage nachgegangen werden, in welchem Umfang die beiden Dealer in den vergangenen Jahren mit Drogen und auch scharfen Waffen gehandelt haben.

Bereits am ersten Verhandlungstag hatte Dr. Kai Wagler, der Verteidiger des 43-Jährigen, Gesprächsbereitschaft gegenüber der Kammer signalisiert. „Besteht da noch Interesse?“ erkundigt sich Richterin Braune zu Beginn des zweiten Prozesstages. Der Anwalt nickt und die Verhandlung wird unterbrochen. Die Kammer zieht sich mit den beiden Anwälten zur Beratung zurück.

Kommt eine Verständigung zustande? Und machen die beiden Angeklagten nähere Angaben?

„Es wurde ein Rechtsgespräch geführt. (...) Darin äußerten sich die Beteiligten zu ihren Strafmaß-Vorstelllungen“, so setzt Richterin Braune die Verhandlung danach am Mittwoch fort. Im Falle eines Geständnisses könne sich die Verteidigung eine Strafe bis zu 8 Jahren beziehungsweise 9 Jahre für die beiden Angeklagten vorstellen. Für die Staatsanwaltschaft kommen dagegen eher mindestens 12 Jahre in Frage; ein Geständnis der Männer vorausgesetzt.

Nach der Beratung stelle sich die Kammer im Fall einer Verurteilung konkret folgende Strafen vor: Dem 43-Jährigen drohten 10 bis 11 Jahre, dem 37-Jährigen dagegen insgesamt 11 bis 13 Jahre.

Nach aktuellem Stand der Dinge sehe die Kammer keine Zweifel an der Schuld der beiden Männer. „Das macht das Kraut nicht fett“, so Braune in Hinblick auf die gewaltigen Mengen an Betäubungsmitteln, die die Angeklagten in Umlauf gebracht hätten. Ein paar Gramm mehr oder weniger, die durch Aussagen von Zeugen noch auftauchen könnten, ändere deshalb in diesem Fall am Strafmaß nicht viel.

Vorbericht

Traunstein/Rosenheim/München – Bereits am ersten Verhandlungstag am 24. Oktober wurde das Ausmaß der illegalen Tätigen eines 37-jährigen Neubibergers sowie eines 43-jährigen Taufkircheners deutlich: Die beiden Männer schlossen sich bereits im Jahr 2020 zusammen, um gemeinschaftlich Drogen im großen Stil zu verkaufen. Zu den treueste Kunden zählten dabei die Biker des Rosenheimer Chapters der Hells Angels. In mehreren Verfahren wurde bereits die Führungsriege der Biker-Gang verurteilt - nun sollen die beiden Lieferanten folgen.

Die Beweislast gegen die beiden Männer scheint erdrückend. Bei der Verhaftung des Dealer-Duos Mitte Oktober 2021 beschlagnahmten die Polizisten in deren „Bunker“ - einem Kellerabteil eines Wohnhauses in Taufkirchen - ein umfangreiches Arsenal an Betäubungsmitteln: Über 14 Kilogramm Cannabis, knapp 4 Kilogramm Kokain, rund 20.000 Ecstasy-Tabletten, ein Kilogramm MDMA und knapp 5 Kilogramm Crystal-Meth. Darüber hinaus entdeckten die Polizisten auch vier funktionsfähige, scharfe Feuerwaffen. Rund 250 Schuss Munition mit unterschiedlichem Kaliber wurden ebenfalls sichergestellt.

Im Zuge der Ermittlungen wurde das gemeinsame Fahrzeug der beiden Männer über einen längeren Zeitraum abgehört. In den Protokollen belasten die beiden Angeklagten nicht nur zahlreiche Mitglieder der Hells Angels, sondern am Ende auch sich selbst schwer.

Fortsetzung am 2. November ab 9 Uhr am Landgericht Traunstein

Nachdem einer der Anwälte bereits am ersten Verhandlungstag Gesprächsbereitschaft signalisiert hatte, wird es nun am zweiten Prozesstag spannend: Möglicherweise verständigt sich die Kammer in einem Rechtsgespräch mit einem der Angeklagten. So könnte die Verhandlung deutlich verkürzt abgehandelt werden. Und dennoch: Wegen des bewaffneten Handels mit Betäubungsmitteln und auch dem Handel mit scharfen Schusswaffen samt Munition drohen den beiden Männern langjährige Haftstrafen.

+++ chiemgau24.de berichtet auch am 2. November ab 9 Uhr wieder live aus dem Gerichtssaal. +++

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