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WETTERKAPRIOLEN FUNKEN DAZWISCHEN

Heißer Krimi am kalten Strand beim Open-air-Kino im Schramlbad Prien

Kult-Polizist Franz Eberhofer legt los: Die ersten Szenen aus „Kaiserschmarrndrama“ flimmern über die große mobile Leinwand auf der Wiese im Priener Schramlbad am Chiemsee. Berger
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Kult-Polizist Franz Eberhofer legt los: Die ersten Szenen aus „Kaiserschmarrndrama“ flimmern über die große mobile Leinwand auf der Wiese im Priener Schramlbad am Chiemsee. Berger
  • Ulrich Nathen-Berger
    VonUlrich Nathen-Berger
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Hart gesottene Fans harrten selbst bei kaltfeuchtem Wetter aus und genossen das Open-air-Kino am Priener Schramlbad, nur wenige Meter vom Chiemseeufer entfernt. Kinobetreiber Mike Engel freut sich darüber, wie er allerdings die ganze Saison aus finanzieller Sicht beurteilt, ist wieder eine andere Sache.

Prien – Spätsommer-Kontraste kurz vor acht an der Harrasser Straße: Einige leicht bekleidete Badegäste genießen im Priener Schramlbad am Ufer des Chiemsees noch die letzten Sonnenstrahlen, derweil auf der bereits schattigen Wiese eine Handvoll Kino-Fans – in warmer Kleidung und eingehüllt in dicken Decken – ihre mitgebrachten Camping- oder Liegestühle vor der riesigen Leinwand positioniert haben. Mike Engel blickt angesichts der kühlen Temperaturen der vergangenen Tage auf eine durchwachsene Open-air-Kino-Saison zurück. Trotzdem gab es treue Fans, die sich selbst von Regengüssen nicht vertreiben ließen.

Mike Engel.

Vorfreude trotz feuchtem Abendtau

Das Gras ist vom Abendtau schon feucht, von den Halteseilen der etwa sechs Meter hohen mobilen Projektionsanlage tropft Kondenswasser. Für Claudia Wohler und ihren Begleiter Paul Biebl aus Grassau kein Grund, sich nicht auf das Open-Air-Kino zu freuen, wie die beiden 47-Jährigen auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung versichern.

Angekündigt ist mit „Kaiserschmarrndrama“ eine neue Episode um den Polizisten Franz Eberhofer, der in seinem Heimatort Niederkaltenkirchen wieder einen komplizierten Kriminalfall zu lösen hat – natürlich auf seiner ihm typischen Art und Weise.

Claudia Wohler und Paul Biebl.

Als Eberhofer-Fan will sich Claudia Wohler nicht bezeichnen, für sie sei der Film eher Beiwerk für einen entspannten Sommerabend im Freien. „Ich habe alle Eberhofer-Filme gesehen“, sagt Biebl. „Solche Fortsetzungen sind in der Regel nicht mehr so gut – aber schau’n wir mal.“

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Das sieht auch Michael „Mike“ Engel so, Betreiber von Mike’s Kino in Prien und Veranstalter des Freiluft-Kinos. „Die letzten Folgen haben inhaltlich schon etwas abgebaut und sind immer flacher geworden, finde ich.“ Trotzdem bewertet er die Filme mit Schauspieler Sebastian Bezzel alias Franz Eberhofer durchwegs als Kult-Filme.

Den neuen Streifen hat er natürlich schon gesehen und ist überzeugt: „Das ist eine der besten Folgen aus der Reihe. Da ist sehr viel Gefühl drin.“ Der sei so toll, dass derzeit jede Vorstellung in den Kinosälen ausverkauft ist, weil die Mundpropaganda 100-prozentig greife, „eine bessere Werbung gibt es nicht“, schwärmt er.

Engel ist allerdings nur gedämpft zuversichtlich, dass das Eberhofer-Publikum ihm auch an diesem Abend die Treue hält – weil es schon recht kühl wird. Seine Hoffnung: „Erfahrungsgemäß sind die Bezzel-Fans relativ unempfindlich, wenn die Wetterbedingungen nicht so ideal sind.“

Gästezahl ist an diesem Abend überschaubar

Diesmal offenbar nicht, denn eine halbe Stunde später, um 20.30 Uhr, kurz vor Filmbeginn, ist die Zahl der Gäste mit etwa 40 recht überschaubar.

Für Mike ist die Freiluft-Kinosaison „heuer zum Vergessen“, wie er sagt: „Wir haben im Juli wetterbedingt nur drei Vorstellungen gehabt, und das zum Teil für zehn bis 15 Leute“. Im August sei es zwar ein wenig aufwärts gegangen, „aber unterm Strich ist das ein tolles, aber teures Hobby für mich. Da bleibt monetär nichts hängen“. Sein Vorteil sei, dass die mobile Kinoanlage – bis auf die Tontechnik – ihm gehöre und er sie nicht ständig ausleihen müsse. „Im letzten Jahr zum Beispiel habe ich bis zu 5000 Euro für die 14-tägige Miete zahlen müssen. In der Zeit musste ich täglich viel beten, dass das Wetter schön wird. Aber es ging meist daneben.“

Ein weiterer Vorteil sei in diesem Jahr, dass er mit Peter Andrelang aus Aschau zusammenarbeite, der sich um die Tontechnik kümmert.

Warm eingepackt im Liegestuhl

Fabian Sengl.

Gut für beide, dass es dennoch sozusagen „hartgesottene“ Eberhofer-Fans gibt, wie Fabian Sengl aus Rimsting, der es sich – warm eingepackt - mit seiner Freundin in Liegestühlen bequem gemacht hat. „Ich kenne die ganze Filmreihe.“ Er sei weit gereist, um den neuen Streifen zu sehen, sagt der 28-Jährige schmunzelnd. Er studiere in Hamburg Rettungsingenieurwesen und mache derzeit Urlaub „bei Muttern im Nachbarort Rimsting“. Seine Vorfreude sei groß, „ich bin gespannt, welche lustigen Aktionen der Eberhofer wieder bringen wird“.

Erst Corona-Zwangspause dann funkt Regenwetter dazwischen:

Hinter dem Priener Mike Engel liegen keine leichten Zeiten. Wie die Kinobetreiber überall im Freistaat musste auch er sein Haus im Corona-Lockdown monatelang schließen. In einem Interview im Mai dieses Jahres mit den OVB-Heimatzeitungen blickte er deshalb voller Enthusiasmus auf die Open-air-Saison im Schramlbad. Er plane ein Programm mit unterhaltsamen Filmen für die ganze Saison, sagte er damals. Schramlbad-Pächter Manfred Eckerl sprach zu diesem Zeitpunkt ebenfalls von großer Vorfreude, dass sich im Sommer wieder etwas rührt: „Endlich wieder was anderes, als zuhause sitzen.“ Er erinnerte in diesem Gespräch an das Jahr 2016, als Mikes Kino zum ersten Mal bei ihm zu Gast war und zum zehnten Geburtstag der Kultkomödie „Wer früher stirbt, ist länger tot“ dank Engels guter Kontakte fast die gesamte Rieger der Schauspieler nach Prien gekommen sei. Leider hatte auch damals das Wetter just nicht so recht mitspielen wollen. Die Hoffnung, dass dies heuer anders wird, ist leider nur zum Teil eingetroffen. Wetterbedingt gab es im Juli nur drei Vorstellungen, auch der August konnte die Open-air-Saison unter dem Strich nicht retten, wie Engel bedauernd sagt (siehe rechts).

Den Corona-Lockdown im vergangenen Winter hatte er noch für Umbauten in seinem Kino genutzt und 80 000 Euro investiert, schilderte er im Frühjahr. Davon habe er 20 000 Euro aus eigener Tasche bezahlt, der Rest sei aus einem Fördertopf des FilmFernsehFonds (FFF) Bayern finanziert worden. Ein voller Erfolg war das Open-air-Kino im August im Bernauer Kurpark, allerdings mussten wetterbedingt auch hier Termine verlegt werden.

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