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Heimliche Entscheidung für Rodung?

Traunsteiner protestieren gegen Berufsschulerweiterung auf Kosten des Waldes

Gegen die geplante Wald- und Grünflächenrodung von knapp 2600 Quadratmeter ließen sich zahlreiche Traunsteiner bei einem Waldspaziergang aufklären.
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Gegen die geplante Wald- und Grünflächenrodung von knapp 2600 Quadratmeter ließen sich zahlreiche Traunsteiner bei einem Waldspaziergang aufklären.

Mehr Platz für Berufsschüler, aber nicht mit Baumfällungen. So sehen das 80 Traunsteiner, die sich jüngst ein Bild von der Situation am Schnepfenluck gemacht haben. Haben Kreistag und Stadtrat heimlich eine Entscheidung gegen die Umwelt getroffen?

von Martina Blank

Traunstein – Das Berufsschulzentrum (BSZ) beziehungsweise die Berufsschule III soll erweitert werden. Was wie eine gute Sache klingt, hat aus Sicht von Claudia Lahr von der Bürgerinitiative (BI)„Wir für den Wald TS“ auch eine Schattenseite, denn dafür soll Wald gerodet werden, wie der Traunsteiner Stadtrat sowie der Kreistag bereits beschlossen haben.

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Für die Veranstalterin überraschend war, dass etwa 80 Personen dem informativen „Waldspaziergang“ folgten, darunter auch einige Traunsteiner Stadträte, Anlieger und Interessierte aus politischen Parteien und Naturschutzorganisationen.

Raumbedarf nachvollziehbar

Biologin und Kreisrätin Dr. Ute Künkele (ÖDP) erläuterte, das Problem bestünde nicht in der Erweiterung der Berufsschule III: „Dass für die zusätzlichen Klassen Raumbedarf besteht, ist nachvollziehbar.“ Die Planung sehe einen Erweiterungsbau mit 1302 Quadratmeter vor, die nun versiegelt werden soll. Die Kritik richte sich vor allem gegen die Errichtung von 40 Parkplätzen auf einer Fläche von circa 1270 Quadratmetern. „Hierzu müssen die benachbarten Schrebergärten sowie Wald mit zahlreichen Biotop prägenden Bäumen weichen“, sagte die Kreisrätin.

2600 Quadratmeter Wald zerstören?

Beate Rutkowski, Vorsitzende des Bund Naturschutz, wies darauf hin, dass für den Erweiterungsbau der Berufsschule „knapp 2600 Quadratmeter wertvoller Buchenmischwald und Waldrand gerodet werden sollen. Dazu kommt eine 25 Meter breite Baumfallzone, in der alle großen Bäume entfernt werden und ein neuer Wirtschaftsweg entlang des Waldwegs angelegt werde.

Widersprüchlich erschien Rutkowski am Projekt, dass die Berufsschule III als Nachhaltigkeitsschule ausgezeichnet worden war. „Zu diesen Nachhaltigkeitszielen gehört nicht nur die soziale Verantwortung für alle Menschen auf unserer Erde, sondern auch die Verantwortung für unsere Natur.“ Auch die Stadt könne nicht sagen, sie wolle bis 2040 klimaneutral werden, und gleichzeitig wertvollen Stadtwald zur Rodung und Bebauung verkaufen.

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Rutkowski befürchtet, „wenn erst einmal an einer Stelle in den Wald eingegriffen wird, dann werden die Planungen scheibchenweise weitergehen“. Jeder Quadratmeter sei kostbar und zähle für die Zukunft.

Wolfgang Wörner, Sprecher des Ortsverbandes Bündnis 90/Die Grünen, stellte der geplanten Waldrodung am Schnepfenluck die Waldabholzung in Brasilien und die derzeit wütenden Waldbrände in Südeuropa und der Türkei gegenüber. „Über die Waldvernichtung anderswo regen wir uns auf, aber die Abholzungen vor Ort kriegen wir gar nicht mit, weil sie in nichtöffentlichen Sitzungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit beschlossen werden.“

Dr. Rainer Schenk ist Mitglied der „Initiative Klimaaufbruch Traunstein jetzt - Traunstein klimaneutral bis 2030“. Er verglich die geplante Waldrodung aus medizinischer Sicht mit dem Wegschneiden eines Lungenflügels am menschlichen Körper.

Erst Warnzeichen vor der Haustür

„Wenn so etwas geschieht, herrscht Atemnot“. Schenk machte deutlich, dass sich ein vermeintlich günstig geplanter Schulumbau langfristig nicht rechne, wenn er zulasten der Natur passiere. „Das wurde uns mit den jüngsten Unwetterkatastrophen vor der Haustür doch deutlich gemacht, dass die Folgen des Raubbaus an der Natur wesentlich teurer kommen als von vornherein ökologisch verträglich zu bauen.“

Dass sich mit dem Verkauf des Waldes an den Kreis für 1,5 Millionen Euro die städtische Finanz-Bilanz aufbessern lasse, sei ein trügerischer Vorgang, der aufgrund des Naturverlustes nicht zu Ende gedacht sei. Claudia Lahr zeigte sich überrascht, dass die Anwesenden „so gute Ideen zur Lösung“ hatten, und würde sich deshalb einen Dialog mit den Verantwortlichen wünschen, damit diese Ideen in das Umbaukonzept einfließen könnten.

Wir werden berichten, wie Kreistag und Stadt sich zu den Vorwürfen äußern.

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