Hauswirtschaftler der Landwirtschaftsschule nähen im „Homeoffice“

Blick auf eine Schülerin während des Nähens einer Maske. re

Traunstein –. Vom Raumausstatter und Spezialtextilien-Hersteller bis hin zu Hobby-Nähkräften: Auch im Landkreis Traunstein wollen viele durch die Herstellung von Schutzmasken ihren persönlichen Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Ausnahmesituation leisten.

Bislang haben sich 37 Unterstützer bei der Wirtschaftsförderungs GmbH des Landkreises Traunstein gemeldet, zum Teil sogar Teams mit mehreren Näherinnen.

Die unterschiedlichsten Angebote und Anbieter sind über den ganzen Landkreis verteilt: vom ehrenamtlichen Engagement für Seniorenwohnheime in Inzell über ein professionelles Angebot für die Innung für Spengler, Sanitär- und Heizungstechnik bis hin zu gelernten Näherinnen in Obing. Materialvarianten gibt es vom Blümchenstoff bis zum Spezialgewebe.

Anleitungkam digitalzu den Schülern

Ein gutes Beispiel für das regionale Engagement findet sich beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Auch die Studierenden der Abteilung Hauswirtschaft an der Landwirtschaftsschule in Traunstein sind trotz geschlossener Schule fleißig. Mit ihrer Lehrerin Sonja Bergmeier haben sie neben Theorieunterricht auch praxisorientierte Schulstunden, darunter das Nähen.

Unter digital übermittelter fachlicher Anleitung haben sie im „Homeoffice“ die coronabedingte Nachfrage an Masken ebenfalls als Unterrichtsaufhänger genommen und sich an die Nähmaschinen gesetzt. Eine Lieferung von selbst gemachten Nase-Mund-Masken ging beispielsweise bereits an das Onkologische Tageszentrum in Traunstein. Sonja Bergmeier und eine Kollegin haben dabei selbst fleißig gefertigt und die Masken nun über die Wirtschaftsförderungs GmbH für die Weitergabe an regionale „Einkaufsengel“ abgegeben. Alle gespendeten Masken sollen auf diesem Weg an die ehrenamtlichen Einkaufshilfen im Landkreis verteilt werden.

Da auch die Verteilung im Moment möglichst kontaktlos funktionieren soll, bietet die Wirtschaftsförderung eine Abgabe nach telefonischer Voranmeldung unter 08 61/58-71 00 in der Chiemseestraße 35 in Traunstein an. Über die Freiwilligenagentur mit Leiter Florian Seestaller werden die Mundschutz-Masken dann an die engagierten Vereine im Landkreis weitergegeben, die den Senioren den bestellten Einkauf vor die Haustür liefern.

Handwerker können sich solche Masken bei der Kreishandwerkerschaft Traunstein unter Telefon 08 61/ 9 89 77 59 bestellen.

Grundsätzlich kann auch der selbst genähte Mundschutz sinnvoll sein: Zum einen bleiben die derzeit knappen professionellen Masken dem Klinik- und Pflegepersonal überlassen. Außerdem fasst sich der Maskenträger eventuell nicht mehr so häufig ins Gesicht und fühlt sich dadurch einfach besser.

Allerdings sind einige Punkte zu beachten: Laut Robert-Koch-Institut gibt es für gesunde Personen keinen Hinweis darauf, dass ein solcher Mundschutz vor dem Coronavirus schützen könne beziehungsweise das Risiko für eine Ansteckung dadurch verringert würde.

Trotz des Tragens von Mundschutz ist ein Sicherheitsabstand von zwei Metern zu wahren. Die allgemeinen Hygieneregeln wie regelmäßiges Händewaschen und die geltenden Bestimmungen sind zu beachten. Der Mundschutz muss nach jedem Gebrauch und mindestens täglich in der Kochwäsche gereinigt werden. Wer also eine Maske tragen will, kann sich damit etwas Gutes tun und durch eine Signalwirkung eventuell andere, die noch nicht so sensibilisiert sind, auf das Coronavirus hinweisen.

Sollten sich passionierte Hobbybastler und Näherinnen für den Eigenbedarf eine eigene Maske nähen wollen, hat die Abteilung Hauswirtschaft eine einfache Nähanleitung erstellt.

Einige der Näherinnen warten auf eine Stofflieferung der Regierung. Die vom bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger angekündigten Rollen mit je 400 Meter zertifizierten Vliesstoff sind nun auch im Landkreis Traunstein angekommen. Dazu Dr. Birgit Seeholzer, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung GmbH: „Wir wollen aus den derzeit zwei Rollen natürlich so viele Masken wie möglich nähen“. Darum hieße es jetzt ressourcenschonend, effizient und gleichzeitig zügig eine Lösung zu finden. Dabei spiele es auch eine Rolle, dass bei dem Stoff selbst keine Nähanleitung, sondern nur „Mustermasken“ dabei waren.

Kliniken undPflegeeinrichtungenwerden beliefert

Die ersten beiden Rollen gingen daher an Betriebe, die Probestücke angefertigt haben. „Wir arbeiten daran, die optimale Lösung zu finden, bei der wir so wenig Verschnitt wie nur möglich haben und gleich alles aus einer Hand bekommen. Das macht es bei einem so großen Landkreis wie unserem auch für die spätere Verteilung logistisch um ein Vielfaches leichter.“

Die fertigen Mundschutze sollen dann an die Klinken und Pflegeeinrichtungen verteilt werden: „Die selbst produzierten Masken müssen auch die medizinischen Anforderungen einhalten“, so die Geschäftsführerin abschließend.

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