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Haus und Kapelle am Gipfel gebaut

Das Wahrzeichen eines beliebten Berges und ein Motiv für Postkarten durch die Zeiten:  Auf dem Hochfelln stehen seit Jahr und Tag ein Unterkunftshaus und eine Kapelle. Erbaut hat sie der Hochfellnhausverein, den Bergfreunde und Naturbegeisterte vor 125 Jahren gegründet hatten.  Repro  re
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Das Wahrzeichen eines beliebten Berges und ein Motiv für Postkarten durch die Zeiten: Auf dem Hochfelln stehen seit Jahr und Tag ein Unterkunftshaus und eine Kapelle. Erbaut hat sie der Hochfellnhausverein, den Bergfreunde und Naturbegeisterte vor 125 Jahren gegründet hatten. Repro re

Kaum ein anderer Berg in den Chiemgauer Alpen ist so beliebt wie der Hochfelln. An sonnigen Tagen scheinen die Wandergruppen, die zu ihm hinauf strömen, manchmal kein Ende zu nehmen. Der Gipfel in 1674 Metern Höhe ermöglicht ihnen eine herrliche Aussicht. Vor allem aber bietet der beliebte und geschätzte Berg hoch oben etwas ganz Besonderes: ein Unterkunftshaus und eine Kapelle. Seit Jahr und Tag bilden sie ein Wahrzeichen. Sowohl die Gaststätte und Herberge wie auch das Kirchlein hatte einst der Hochfellnhausverein

Traunstein - Bergfreunde und Naturbegeisterte hatten den Verein 1888 aus der Taufe gehoben. Über 20 Jahre hinterließ er tiefe Spuren. 1922 beschlossen die Mitglieder die Auflösung - schon längst hatten sie das Ziel, den Bau eines Unterkunftshauses und einer Kapelle auf dem Gipfel des Hochfelln, erreicht. Beides hatte er bereits verkauft. Anlässlich des Jubiläums der Vereinsgründung vor 125 Jahren blickte Hans Helmberger, der Vorsitzende des Historischen Vereins für den Chiemgau zu Traunstein, in einem Vortrag im Heimathaus in Traunstein zurück auf die, wie er sie nannte, "Bauunternehmer vom Hochfellngipfel".

Die Geburtsstunde des Vereins schlug am 2. Februar 1888 im "Huberschen Gasthaus" in Bergen. "Nach den Statuten musste jedes Mitglied fünf Mark Aufnahmegebühr zahlen und 100 Mark Schuldverschreibung übernehmen", berichtete Helmberger. Der Jahresbeitrag habe drei Mark betragen. Der Verein habe einen guten finanziellen Start hingelegt, so der Referent, bereits im Rahmen der Gründungsversammlung seien Anteilscheine in Höhe von 6200 Mark ausgegeben worden. In der Folge sei aber nicht mehr viel hinzugekommen. Geldsorgen seien alsdann die ständigen Begleiter der Baumaßnahme gewesen - auch und gerade deswegen, weil sie dann teurer als angenommen ausgefallen sei. Sei der Verein zunächst von 9000 Mark ausgegangen, habe er dann die Kosten für den Bau des Hauses und der Kapelle auf 20000 Mark nach oben setzen müssen. Um zum Ziel zu kommen, habe der Verein Darlehen aufnehmen müssen.

Mit der Errichtung des Hauses und der Kapelle beauftragte der Hochfellnhausverein einen renommierten Baumeister. Sein Name: Georg Zeitler. Nachdem der gebürtige Franke Monika Sichler aus Grassau, eine "Großökonomenstochter", so die seinerzeitige Bezeichnung, geheiratet hatte, fand er laut Helmberger den Weg in den Chiemgau. 1886 habe Zeitler seine Firma nach Traunstein verlegt. In seiner 25-jährigen Schaffenszeit habe er 27 Bauwerke im Chiemgau geschaffen - unter anderem das Schulhaus in Truchtlaching, das Gasthaus "Alpenrose" in Marquartstein sowie knapp ein Dutzend Villen in Traunstein.

Die Baumaßnahme auf dem Hochfelln habe Zeitler offensichtlich vor ganz besondere Herausforderungen gestellt. So habe er einmal nach einer Sitzung feststellen müssen, dass die Vorstandsmitglieder ein "Labyrinth von Unschlüssigkeit" aufgebaut hätten - und dass dann er, Zeitler, Entschlossenheit habe an den Tag legen müssen, damit sein Mitarbeiter, der "Zimmerpalier Eirainer", den Auftrag für den Materialtransport bekommen habe.

Neben vielen weiteren Männern ist die Errichtung des Hochfellnhauses und der Kapelle auch mit diesem Namen untrennbar verbunden: Otto von Mayer. Der damalige Pfarrer von Bergen war als Vorsitzender des Hochfellnhausvereines einer der Hauptantriebskräfte. Auf dem langen und steinigen Weg zum gewünschten Ziel räumte er damals so manches bürokratische Hindernis aus dem Weg. So überließ der Staat dem Verein den Grund und Boden auf 99 Jahre pachtweise, so erhielt er die oberhirtliche Erlaubnis, "auf der Spitze des Hochfelln eine Kapelle errichten zu dürfen".

Die Bauarbeiten begannen am 25. Juli 1889. Rund 400 Besucher waren Zeuge, als der Pfarrer nach einer "tiefgreifenden" Predigt, wie die Zeitung damals schrieb, seine priesterlichen Gewänder ablegte und in seiner Eigenschaft als Vereinsvorsitzender den Grundstein legte. Ob der Pfarrer allerdings tatsächlich auch - wovon danach immer wieder die Rede war - Erde verstreute, die er von einer Reise ins Heilige Land zum biblischen Berg Tabor mitgebracht hatte, muss laut Helmberger offen bleiben. Einen Beweis habe er, Helmberger, nicht gefunden.

In der Folgezeit überwand der Verein auch alle finanziellen Engpässe, die sich immer wieder ergaben. Schwerstarbeit war vor allem auch von den Trägern zu verrichten, die das Baumaterial vom Tal hinauf auf den Berg schleppten. Die Steine allerdings mussten nicht hinaufgetragen werden, sie wurden am Gipfel aus dem Kalkstein gebrochen.

Und dann kam der große Tag: Am 6. August 1890 waren das Unterkunftshaus und die Kapelle so weit fertig, dass sie der Verein einweihen konnte. "Eine Menge Volks" - die zeitgenössischen Angaben schwankten zwischen 800 und 1500 Besuchern - fand sich ein. Nach der Weihe des Hauses bewegte sich der Festzug zur Kapelle. Unter der Assistenz von sieben Geistlichen nahm Otto von Mayer die Benediktion vor. "Georg Zeitler übergab auf einem aus Edelweiß und Alpenrosen gebildeten Kissen den Schlüssel der Pfarrgemeinde Bergen", so Helmberger. Und dann sei erstmals ein vom Papst gestifteter Kelch zum Einsatz gekommen. "Viel Lob gab's für das Haus, das in neun Zimmern Unterkunft für 60 Personen bot."

Am 6. August feiert die katholische Kirche die "Verklärung Christi" - mit Bezug auf eine Stelle in den Evangelien, in der Petrus, Jakobus und Johannes mit Jesus auf den Berg Tabor östlich von Nazareth steigen. Und genau an diesem Tag ist heutzutage immer wieder eine große Feier: das Fellnerfest auf dem Hochfelln mit Bergmesse zum Patrozinium des Taborkirchleins. Und da strömen dann die Wanderer wieder hinauf zum Gipfel des beliebten Berges.

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