INTERVIEW

„Hauptstörfaktor ist nächtlicher Lärm“

Priens Polizeichef Dieter Bezold: „Wenn der Alkoholkonsum schon so weit fortgeschritten ist, dass die Uneinsichtigkeit den normalen Menschenverstand verdrängt hat, müssen wir deutlicher werden.“ re

Die Chiemgau-Zeitung hat ihre Leser aufgerufen, zu schreiben, warum ihre Nachbarn die nettesten sind. In unserer Aktion „Nette Nachbarn“ werden unter den Teilnehmern Grillfeste verlost. Es gibt auch die Gegenbeispiele. Bei Streitereien wird gern einmal die Polizei gerufen. Wir haben Priens Polizeichef Dieter Bezold gefragt, welche Erfahrungen er macht.

„Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt“, schrieb Friedrich Schiller einst in „Wilhelm Tell“. Gibt es nach Ihrer Erfahrung in den zwölf Gemeinden Ihres Einsatzgebiets viele „böse Nachbarn“?

Es ist zum Glück so, dass in unserem Dienstbereich die allermeisten harmonisch mit ihrer Nachbarschaft in Einklang leben. Viele Nachbarschaftsangelegenheiten werden auch sicherlich ohne polizeiliche Beteiligung geregelt.

Aber einige wenige schaffen es dann doch, die Polizei zum Teil über mehrere Jahre mit ihren Angelegenheiten massiv zu beschäftigen. Wir nehmen die anzeigenrelevanten Sachverhalte auf, werden das nachbarschaftliche Probleme aber im Kern nie lösen können.

Sehr schade, denn die Beteiligten verlieren eine gehörige Portion Lebensqualität und die Polizei Kapazitäten, die wir an anderer Stelle gut gebrauchen könnten.

Es ist Sommer, es wird gegrillt, die Menschen sitzen abends lange draußen. Sind nicht gerade die Streifenbeamten, die um diese Jahreszeit Nachtschicht haben, als Streitschlichter gefragt?

An warmen Sommerabenden nehmen die Mitteilungen über derartige Ruhestörungen erfahrungsgemäß zu. Aktuell haben wir vorwiegend an den Wochenenden vermehrt Mitteilungen über nächtliche Ruhestörungen.

Es ist absolut verständlich, dass laue Sommerabende für Grillfeste und Gartenpartys genutzt werden. Kein Problem, so lange man sich an die vorgeschriebene Nachtruhe ab 22 Uhr hält und man auch sonst keine anderen Personen belästigt.

Gehen nach dieser Zeit Ruhestörungsmitteilungen bei uns ein, ist der Besuch der Polizei und eventuell eine Anzeige vorprogrammiert.

Wir bitten allerdings um Verständnis, dass sich die Polizei auch mal aufgrund höherrangigerer Einsatzlagen nicht sofort um jede Ruhestörung kümmern kann.

Wie reagieren denn die Bürger, wenn Ihre Beamten auftauchen? Sind die meisten schnell einsichtig?

In der Regel ist das durchaus der Fall. Lediglich wenn der Alkoholkonsum schon so weit fortgeschritten ist, dass die Uneinsichtigkeit den normalen Menschenverstand verdrängt hat, müssen wir deutlicher werden um die Störung zu unterbinden.

Bei gänzlich Unbelehrbaren kann das bis zur Sicherstellung der Musikanlage gehen oder gar in einem polizeilichen Gewahrsam enden.

Ein Blick ins polizeiliche Nähkästchen: Gibt es denn auch bei uns notorische „Streithanseln“, die immer mal wieder ihre Nachbarn an den Pranger stellen?

Ja die gibt es, aber zum Glück, wie bereits einleitend erwähnt, sehr wenige. Wenn die Fronten verhärtet sind, wird gegenseitig alles angezeigt, ob gerechtfertigt oder nicht.

Sind Lärm und Grillwolken tatsächlich die klassischen Auslöser oder gibt es noch andere typische Situationen, die einen Streit unter Nachbarn immer wieder heraufbeschwören?

Hauptstörfaktor ist sicherlich der nächtliche Lärm, das Grillen mit der entsprechenden Rauchentwicklung spielt eher eine untergeordnete Rolle.

Mit gegenseitigem Respekt für die Belange anderer und einer vernünftigen Portion an Rücksicht muss es nicht zum Streit kommen.

Welches Zeugnis stellen Sie unterm Strich den Menschen in Ihrem polizeilichen Verantwortungsbereich aus, wenn es ums nachbarschaftliche Verhältnis geht?

Wie eingangs schon erwähnt, leben die Menschen in unserer Region nicht nur sicher, sondern auch größtenteils in Harmonie miteinander. Es ginge noch besser, wenn, getreu der Devise „Beim Red‘n kemman d‘ Leut zamm“ nicht gleich bei den ersten Problemstellungen die Polizei ins Spiel gebracht würde, sondern Meinungsverschiedenheiten zunächst persönlich ausgesprochen und bestenfalls ausgeräumt werden.

Erst wenn hier keine Basis mehr vorhanden ist und möglicherweise Straftaten im Raum stehen, ist die Polizei der richtige Ansprechpartner.

Interview: Dirk Breitfuß

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