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Hartes Training für Atemschutzträger

Schon bei offenen Toren ist die Feuerwalze in der Rauchgasdurchzündungsanlage des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein in Übersee eindrucksvoll. Tatsächlich trainieren die Atemschutzträger des Verbandes aber bei geschlossenen Toren. Dann füllt sich der Raum völlig mit Rauch. Wenn der schlagartig entzündet hüllt er die Atemschutzträger in offene Flammen.  Foto Flug
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Schon bei offenen Toren ist die Feuerwalze in der Rauchgasdurchzündungsanlage des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein in Übersee eindrucksvoll. Tatsächlich trainieren die Atemschutzträger des Verbandes aber bei geschlossenen Toren. Dann füllt sich der Raum völlig mit Rauch. Wenn der schlagartig entzündet hüllt er die Atemschutzträger in offene Flammen. Foto Flug

Die Rauchdurchzündungsanlage (RDA) des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein in Übersee ist am Samstag in einem kleinen Festakt von Pfarrer Pierre Makanga gesegnet und von Kreisbrandrat Hans Gnadl offiziell in Betrieb genommen worden.

Übersee - Mit der neuen Ausbildungsstätte für Atemschutzträger, die auf dem Gelände des Bauhofes der Gemeinde Übersee errichtet wurde steht den Feuerwehren im Landkreis Traunstein eine hochmoderne und erstklassige Schulungsstätte zur Verfügung. Das dreistufige Ausbildungskonzept für Atemschutzträger ist mit der neuen Anlage zur Heißausbildung unter realistischen Bedingungen nun vollständig umsetzbar.

"Die Feuerwehr ist eine Gemeinschaft, eine Gemeinschaft wie eine Pfarrgemeinde." meinte der Pfarrer. Es sei ein Segen, dass sich diese Gemeinschaft für Menschen einsetzt, Gesundheit und Leben riskiere, um anderen Menschen in Not Hilfe zu bringen. Mit seiner Weihe verband der Pfarrer den Segen auf eine unfallfreie Zukunft.

Kreisbrandrat Hans Gnadl zeigte sich glücklich und zufrieden. Den Wehrleuten im eigenen Verband sprach er große Anerkennung für die Planungen, Ideen aus. Ohne das Landratsamt und den Kreistag diese Investiton nie zu schultern gewesen, sagte er. Viele nannte er namentlich und hob deren Anteil an dieser seltenen und modernen Anlage hervor. Den Anwohnern dankte Gnadl besonders für ihr Verständnis. Sie rief er auf, sie möchten sich bei Unstimmigkeiten unmittelbar mit dem Kreisfeuerwehrverband in Verbindung setzen. Die Anlage werde nicht durchgehend laufen. Tatsächlich werde sie immer erst nach mehrtägiger Ruhe befeuert, weil jeder Übungstag einige Vorlaufzeit benötige, erklärte Christof Grundner im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Christof Grundner ist Fachkreisbrandmeister für Atem- und Strahlenschutz. Er schilderte in seiner Ansprache den Werdegang um die größte Investiton des Kreisfeuerwehrverbandes. 110000 Euro hat die Anlage gekostet. 40000 Euro hat der Kreis beigesteuert. Die Gemeinde Übersee stellte den Standort. Sie finanzierte die Ausbildung der sieben Übungsleiter, sechs aus Übersee, einer aus Wolkersdorf, und die Gerätschaften. Viel Neuland hätten sie bei der Entwicklung durchschritten, meinte Grundner, "auch Sackgassen". Aber mit dem Partner und Hersteller aus dem Main-Tauber-Kreis, dem International Fire und Rescue Training-Ausbildungszentrum rund um den Inhaber Stefan Feucht, seien Ideen verwirklicht, die deren Ausbildungszentrum nicht einmal selbst biete. Die grundsätzlichen Kriterien seien sämtlich erfüllt: Die Anlage sei sicher, umweltfreundlich und nachhaltig.

Für den Landrat überbrachte dessen Stellvertreter und Ehrenkreisbrandinspektor Herbert Häusl, für die Gemeinde Übersee Bürgermeister Marc Nitschke die besten Wünsche. Gäste und Bevölkerung nutzten im Anschluss die Gelegenheit die Anlage in Betrieb zu sehen.

Die Einrichtung nimmt in 14 Tagen ihren Regelbetrieb auf. Leiter ist Rudi Posselt, sein Stellvertreter ist Bernhard Steinberger. Auch gestandene Atemschutzträger setzten sich das erste Mal mit einiger Skepsis der Anlage aus, wusste der aus der Erfahrung auch seiner Kollegen. Am Ende weiche die Skepsis der Begeisterung über den Nutzen der Anlage. Die zündende Feuerwalze und der Kopf in den Flammen bleibe aber ein echtes Aha-Erlebnis, wie sich Steinberger ausdrückte.

Was Steinberger vor ein paar Tagen widerfuhr, hält er für eine wichtige Erfahrung in seinem Leben als Feuerwehrmann und Atemschutzträger. Dieses Erlebnis bietet der Kreisfeuerwehrverband Traunstein allen 1500 Atemschutzträger in den 79 freiwilligen Feuerwehren des Kreises an. Das sind die Männer mit der Atemmaske um Mund und Nase, der Druckluftflasche auf dem Rücken. Atemschutzträger sind die Speerspitze der Brandbekämpfung. Sie dringen in dem brennenden Gebäude vor. Sie erkunden die Situation und retten Menschenleben.

Die Übung in der RDA ist der dritte und modernste Teil eines bisher zweistufigen Ausbildungspaketes. Wärmegewöhnung und Rauchkammern kannten die Atemschutzträger schon immer. Jetzt gewöhnen sie sich an einem Trainingstag in der Anlage in Übersee an den unmittelbaren, plötzlichen Kontakt mit offenen Flammen. Sie lernen unter diesen Bedingungen Aufgaben zu erledigen. Eine Einsatzübung schließt den Übungstag ab. Diese Realbrandbekämpfungsausbildung soll den Wehrleuten mehr Selbstbewusstsein, Sicherheit und damit fehlerfreie Einsätze ermöglichen.

Das Kernstück dieser Ausbildung ist eine seltene, hier ziemlich einmalige RDA. Sie wurde im Kreisfeuerwehrverband Traunstein in Zusammenarbeit mit dem Hersteller entwickelt. Es ist ein 25 Meter langer Seehafencontainer aus einem Zentimeter dickem Stahl. In dessen Kopfseite ist die über mannshohe Metallbrennkammer eingebaut. In ihr verfeuern die Ausbilder pro Übungstag zwischen zehn bis zwölf Ster Holz. Das Feuer heizt die Containerwände auf. Bei niedriger Sauerstoffzufuhr entstehen Rauchgase, die bei Sauerstoffzufuhr explosionsartig entzünden. lfl

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