Energie für 23 Haushalte

Hackschnitzel statt Heizöl: Rimsting setzt auf regenerative Wärme

Die Hackschnitzel für die Rimstinger Wärmeversorgung kommt vom Biomassehof Achental aus Grassau (im Bild). So vermeidet man lange Transportwege für den Energieträger.
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Die Hackschnitzel für die Rimstinger Wärmeversorgung kommt vom Biomassehof Achental aus Grassau (im Bild). So vermeidet man lange Transportwege für den Energieträger.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Die Kommune Rimsting ist mit ihrer Rolle als Energieversorger zufrieden. 2015 ging ihre Hackschnitzelanlage in Betrieb, die bis heute 23 Haushalte mit Wärmeenergie versorgt. Mehr geht fast nicht mehr, erklärt Unternehmensvorstand Hans-Peter Jakobi, nur noch wenige Gebäude könne man anschließen.

Rimsting – Hans-Peter Jakobi hat nichts zu meckern: Der Vorstand des Kommunalunternehmens Wärmeversorgung Rimsting führte den Gemeinderäten in der jüngsten Sitzung anhand seines Jahresberichts vor Augen, wie gut es mittlerweile um die gemeindliche Einrichtung steht.

Gegründet 2014 und im Oktober 2015 in Betrieb genommen, konnte die Hackschnitzelanlage an der Sporthalle bereits 2016 1,5 Millionen Kilowattstunden an Wärmeenergie liefern.

Kapazitätsgrenze ist erreicht

Zwar habe man 2015 noch ein Minus von rund 13.000 Euro eingefahren, schilderte Jakobi, dieses konnte jedoch ein Jahr später schon wieder komplett ausgeglichen werden. Die weiteren Zahlen zeigten den Räten, dass ihre Vorgänger im Amt unter Altbürgermeister Josef Maier – wie auch Rathauschef Andreas Fenzl (CSU) lobte – einst die richtige Entscheidung für das Kommunalunternehmen trafen: 2017 freute man sich über einen Gewinn von 1500 Euro, und den 2018er Verlust von 5 201 Euro machte das Jahr 2019 mit 1,75 Millionen geleisteten Kilowattstunden und einem Plus von 3 661 Euro wieder wett. Zwischendurch hatten unter anderem milde Winter dafür gesorgt, dass wenig geheizt werden musste, erklärte Jakobi. „Inzwischen versorgen wir 23 Haushalte mit Wärme aus Hackschnitzeln“, fasste er zusammen.

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Zuletzt Anschluss der kommunalen Neubauten

Warum nur 23 Gebäude angeschlossen seien, wollten mehrere Gemeinderäte von ihm wissen. „Die Kapazitätsgrenze von 500 kw/h am Tag ist bei Hochbetrieb bereits jetzt ausgeschöpft“, so Jakobi, „es ist möglich, noch weitere kleinere Abnehmer, die nah am Heizwerk liegen, anzuschließen.“ Nicht aber solche an den Enden der Wärmeleitungen. Zuletzt wurde der kommunale Neubau an der Greimhartinger Straße angeschlossen. Zweiter Bürgermeister Thomas Schuster (CSU) wies darauf hin, dass die Entscheidung über die Kapazität des Heizwerks 2014 auf der Grundlage der damals angekündigten Abnehmer getroffen werden musste, „sonst wäre ein wirtschaftlicher Betrieb nicht möglich gewesen“.

Kommunale Versorgung im Trend

Laut Jakobi werde die Maßnahme zu 100 Prozent finanziert, die Laufzeit betrage 20 Jahre: „Aktuell haben wir noch 742 497 Euro zu schultern“, rechnete er den Räten vor. Jedoch sei die Liquidität des Unternehmens sehr gut, 2020 werde man wieder mit einem „knapp positiven Gewinn“ abschließen. Bürgermeister Fenzl betonte, dass es der Gemeinde zwar auch um die Wirtschaftlichkeit der Anlage gehe, vor allem aber darum, Bürgern ein vertrauensvoller Anbieter vor Ort sein zu können. Die Gemeinde Rimsting liegt damit im Trend: Immer mehr Kommunen versorgen sich eigenständig mit Strom und Wärme auf Basis Erneuerbarer Energien – wobei die „Wärmewende“ dabei noch relativ am Anfang steht, so die Einschätzung der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE). Wichtig sei, dass Energieträger wie Holz aus der Region komme und so weite Transportwege vermieden würden.

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680.000 Liter Heizöl gespart

Die Hackschnitzel für Rimsting kommen vom Biomassehof Achental, womit man sehr zufrieden sei, so die Kommune: „Die Zusammenarbeit klappt hervorragend“, resümierten Jakobi und Fenzl unisono.

Seit der Gründung habe man insgesamt 6,8 Millionen kw/h Wärmeenergie verkauft, das entspräche etwa 680.000 Liter Heizöl. Um gegen eventuelle Ausfälle der Anlage gewappnet zu sein, müsse man lediglich einmal im Jahr den Heizöltank füllen. Über den Sommer könne das Heizwerk weitgehend mit der Lieferung der Wärme aus einer Biogasanlage im Ort betrieben werden.

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