Haben Mutter und Schwester Häftling im  Bernauer Gefängnis mit Morphin versorgt?

Themenbild Gericht
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In Rosenheim stand eine Angehörige eines Häftlings in Bernau vor Gericht: Sie soll Morphin in den Knast geschmuggelt haben.
  • vonTheo Auer
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Nach einem Besuch von Mutter und Schwester wurden bei einem Insassen der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bernau morphinhaltige Tabletten gefunden. Verdächtigt wurde die Schwester: Gegen einen Strafbefehl erhob sie Einspruch. Jetzt stand sie vor dem Amtsgericht Rosenheim.

Bernau – In ihrer Anklage legt die Staatsanwaltschaft der 31-Jährigen – wie ihre Mutter und ihr Bruder aus dem Landkreis Landshut – zur Last, dass sie dem Häftling im Besucherraum heimlich sogenannte „Subotex-Tabletten“ zugesteckt haben soll. Auf dem Weg zur Toilette sei dem dabei begleitenden Justizbeamten aufgefallen, dass der Besuchte seine Hand unnatürlich verkrampft gehalten habe.

Für sich selbst oder zum Verkauf?

Der Beamte habe ihn genötigt, die Hand zu öffnen, was der Häftling nach einiger Weigerung schließlich auch getan habe. Dabei seien 16 Drogeneinheiten zum Vorschein gekommen, hieß es in der Anklage weiter. Ob der Mann die Tabletten zum Eigenkonsum nutzen oder in der JVA damit Handel treiben wollte, lasse sich im Nachhinein nicht mehr aufklären.

Der Verteidiger der 31-Jährigen, Rechtsanwalt Wolfgang Heidersberger, bezog sich insbesondere auf die Aussage des Bruders, der bei seiner polizeilichen Einvernahme behauptet hatte, er habe die verbotenen Medikamente bereits auf dem Weg zum Besucherraum bei sich gehabt.

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In dem Besucherraum sind 15 Videokameras installiert, um genau solche Ereignisse zu verhindern beziehungsweise zu beweisen. Die entsprechenden Aufnahmen wurden von der Vorsitzenden Richterin Melanie Bartschat den Beteiligten gezeigt. Der damals anwesende Beamte verwies auf die betreffenden Situationen aus zwei verschiedenen Kameraeinstellungen.

Mandantin bestreitet Übergabe

Der Verteidiger akzeptierte zwar, dass unzweifelhaft auf dem Gang zur Toilette – wo üblicherweise derlei Konterbande dann am Körper versteckt werden – diese Tabletten aufgefunden wurden. Bestritt aber nach wie vor, dass seine Mandantin diese übergeben habe.

Der Vollzugsbeamte bestätigte dem Staatsanwalt, dass in seiner fast 40-jährigen Tätigkeit in der JVA noch niemals ein Häftling Drogen zum Besucherraum mitgebracht habe, umgekehrt es aber geradezu ständige Übung sei. Genau deshalb seien die Videokameras dort installiert worden. Auch sei eine heimliche Übergabeaktion zweifelsfrei zu erkennen.

Harmlose Kopfschmerztabletten?

Allerdings stellte sich schließlich ein Verfahrenshemmnis ein. Es war nämlich in den Akten keinerlei „Wirkungsgutachten“ über diese inkriminierten Tabletten vorhanden. „Deshalb“, so wandte der Verteidiger ein, könne es sich genau so um völlig harmlose Kopfschmerztabletten gehandelt haben.

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Die Richterin verwies darauf, dass parallel zu diesem Verfahren ein solches gegen den inhaftierten Bruder laufe, wo wahrscheinlich dieses Gutachten archiviert sei. Dieses Gutachten sei fraglos unschwer beizuziehen.

Staatsanwalt macht Vorschlag

Der Staatsanwalt nutzte die Gelegenheit, der Verteidigung eine andere Möglichkeit darzulegen. Er habe keinen Zweifel, dass diese Übergabe tatsächlich stattgefunden habe. Und sofern das Verfahren zum Ende durch gezogen würde, so müsste eine weit höhere Strafe, als im Strafbefehl genannt, ergehen. Sofern der Einspruch gegen den Strafbefehl auf die Strafhöhe beschränkt würde, was einem Geständnis gleichkomme, wäre eine durchaus moderate Strafe vorstellbar.

Nach kurzer Beratung mit seiner Mandantin wies der Verteidiger dieses Ansinnen zurück. So wird nun dieses Gutachten beigezogen, beziehungsweise erstellt werden und das Verfahren dann fortgesetzt.

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