Bernauer Filmemacher will in der Region eigenes Filmfestival organisieren

Detlef Neufert will mit seinem Festival „Raum für die stillen Filme bieten“. Am Chiemsee erarbeitet er das Konzept.
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Detlef Neufert will mit seinem Festival „Raum für die stillen Filme bieten“. Am Chiemsee erarbeitet er das Konzept.

Wie kommt ein vielgereister Filmemacher aus dem Chiemgau dazu, ein eigenes Filmfestival zu veranstalten?

Bernau – Detlev Neufert, so heißt der Filmemacher, hat darauf eine klare Antwort: „Weil viele gute Filme sonst keine Chance haben.“ Er selbst wollte seinen neuesten Film „B.B. und die Schule am Fluss“ bei Festivals einreichen. Doch die Bedingungen stießen ihn ab. „Um in Cannes oder Locarno einen Film überhaupt einreichen zu dürfen, sind schon 150 bis 300 Euro Gebühr fällig“, erklärt Neufert. Große Festivals hätten mehr als 5000 Einreichungen. „Die Jury besteht vielleicht aus sieben Leuten. Die sind doch gar nicht in der Lage, das alles zu sichten“, so Neufert weiter. „Wenn Sie nicht gerade mit einem Kanonenboot vor der Croisette in Cannes auftauchen, dann werden Sie nicht wahrgenommen.“

Als Gastprofessorin Kalifornien

Damit also viele Filme wahrgenommen werden können, kam Neufert auf die Idee, eine eigene Veranstaltung ins Leben zu rufen. „Wir machen ein Festival, bei dem alle bemerkt werden können“, erklärt Neufert. Auch stille Filme mit langen Einstellungen und Filmemacher, die sich bemühen, Lösungen aufzuzeigen, sollen eine Chance bekommen. Filme, die meistens auch keinen Verleih finden. „Better World Film Festival“ heißt die Veranstaltung, die Filmemacher und natürlich die Zuschauer bedienen soll. Aufgewachsen ist Neufert in Düsseldorf, später zog er mit seinen Eltern in den Chiemgau. Filme gemacht hat Neufert schon als Student der Philosophie, Germanistik und. In den 70er-Jahren drehte er vor allem Features und Dokumentationen, später auch Spielfilme. Sein Streifen „Nimm die Nacht weg“ hatte 1982 bei den Filmfestspielen von Cannes Premiere. Er lehrte als Gastprofessor an der Universität von Santa Barbara in Kalifornien. Neufert erkundete die Welt mit dem Motorrad, fuhr auch durch Afrika. Später zog es ihn nach Asien, Freunde aus Thailand hatten ihn davon überzeugt, dass er ihr Land unbedingt kennenlernen müsse. Er schätzt die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen in Thailand und anderen europäischen Ländern. Neufert blieb in Asien und arbeitete von 1998 bis 2010 als Filmemacher und Kurator von Kulturprojekten. Seine Dokumentarfilme wurden in mehreren asiatischen Ländern ausgestrahlt.

Im Jahr 2011 kehrte Neufert aus familiären Gründen an den Chiemsee zurück. Er lebt und arbeitet seitdem in Bernau.

Der Filmemacher fühlt sich hier in guter Gesellschaft. „Der Chiemsee ist ein Juwel an Kreativität“, sagt er anerkennend. „In Bernau kann man gut arbeiten.“ Sein „Better-World-Festival“ wird im September aber nicht in Bernau, sondern in Murnau am Staffelsee stattfinden. Das bedarf einer Erklärung.

Neuferts Film „B.B und die Schule am Fluss“ lief als Preview in Starnberg, weil dort die Sponsoren leben, die das Schulprojekt in Burma und auch den Film ermöglicht haben. In Starnberg lernte Neufert die Malerin und Bildhauerin Stefanie Gutmann-Speermann kennen, die in Murnau in einer Villa lebt, die nach den Plänen von König Ludwigs Architekt Seidl erbaut worden ist. Die Villa und das umliegende Gelände seien ideal für Kultur, sagt Neufert.

Stefanie Gutmann-Speermann erklärt, dass sie aus dem Gelände eine Kulturstätte machen wolle: „Film gehört nun einfach dazu.“ Sie ist von dem gemeinsamen Festivalprojekt begeistert wie auch von der Energie des umtriebigen Organisators Neufert: Kurz zusammengefasst kann man sagen, wir haben uns gesucht und gefunden, erklärt Gutmann-Speermann. Die Filme im Festival-Programm sollen in einem Zelt auf dem parkähnlichen Gelände gezeigt werden.

Demokratische Jury aus dem Netz

Ausgesucht und bewertet werden die Werke von einer Art demokratischer Internet-Jury, für die sich jeder Interessierte gegen eine Gebühr von 25 Euro bewerben kann. „Wir haben auch viele Anfragen aus Krisengebieten, die dürfen ohne Gebühr mitmachen, weil die sich die Gebühr nicht leisten können“, sagt Neufert.

Die Filme werden nach einem Punktesystem bewertet, „aber es gibt bei uns nur erste Preise.“ Finanziert wird das Projekt mit Eigenmitteln. „Unsere Strategie lautet: kleines Team und kleiner Aufwand.“

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