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Beliebtes Ausflugsziel

Wenn der Asphalt brennt – Gstadt und Breitbrunn leiden unter Motorradlärm

Gerade am Ortseingang und am Ortsausgang stört viele Breitbrunner der Krach durch Motorräder.
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Gerade am Ortseingang und am Ortsausgang stört viele Breitbrunner der Krach durch Motorräder.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Es könnte so schön sein, wenn nur das Knattern und Brummen nicht wäre: In Gstadt und Breitbrunn stören sich zu viele an lauten Motorrädern. Müssen die Bürger das einfach so hinnehmen oder kann man was tun?

Breitbrunn/Gstadt/Prien – „Wir bekommen regelmäßig Beschwerden von Bürgern“, sagt Oberkommissar Wolfgang Schlemer von der Polizei in Prien, die für das Gebiet zuständig ist. Da gehe es um Lärm, der die Anwohner stört, aber auch um solche Fahrer, die kurz vor Ortsende schon mal kräftig aufs Gaspedal drücken.

Dauerthema auf Bürgerversammlung

„Rein unfallmäßig haben wir kein Problem“, sagt der Polizist. Aufgemotzte Maschinen seien bei Kontrollen entdeckt werden, die umso lauter sind. „Aber es gibt auch jene, die bereits vom Hersteller so produziert und sehr laut sind“, sagt Schlemer, der zugleich Zweiter Bürgermeister von Breitbrunn ist. In beiden Fällen sei das Ergebnis das gleiche: „Ein unheimlicher Lärm!“

Ein Betroffener ist auch Breitbrunns Bürgermeister Anton Baumgartner (Parteifreie/ÜWG). „Ich kenn das schon, da fährt einer laut an der einen Seite ins Dorf, und dann hört man ihn kurze Zeit später, wenn er beim Rausfahren wieder beschleunigt“, sagt Baumgartner. Immer wieder werde das Thema auch auf Bürgerversammlungen angesprochen. Nur tun könne man wenig, sagt der Bürgermeister und klingt resigniert. „Es sind nur Einzelne, aber die machen wirklich einen großen Lärm.“

Erst am vergangenen Wochenende hat die Polizei eine Schwerpunktkontrolle bei den Zweirädern im Ortsteil Wolfsberg in der Gemeinde Breitbrunn gemacht. Unterstützung bekamen die Beamten von der Kontrollgruppe „Motorrad“ der Autobahnpolizeistation Holzkirchen. 29 Anzeigen und 18 Verwarnungen kamen am vergangenen Wochenende zusammen, unter anderem wegen erhöhter Geschwindigkeit. Aber auch Mängel an Fahrzeugen zogen Konsequenzen nach sich.

Wobei das Problem nicht nur in Breitbrunn bestehe, meint Schlemer. „Das haben wir um den ganzen See sowie auf den klassischen Motorradstrecken, beispielsweise von Aschau nach Sachrang“, sagt der Oberkommissar. Ein Bremser seien auch die gestiegenen Benzinpreise nicht.

Personalintensive Kontrollen

Mit Autos hingegen gebe es die Probleme mit dem Lärm kaum: „Zu 90 Prozent sind es Motorräder.“ Die Polizei setzt daher auf regelmäßige Kontrollen, auch wenn Schlemer einräumen muss, dass es sehr personalintensiv sei. „Jeder Tag ist daher nicht möglich“, so Schlemer.

Zusätzlich messe man eh regelmäßig die Geschwindigkeit auf den Strecken. „Feste Blitzer haben besondere Voraussetzungen und sind äußerst dünn gesät – das geht fast nirgends“, sagt der Polizist. Die Schuldigen seien sich ihrer Schuld meist bewusst: „Die wissen schon, was sie getan haben.“ Mit aggressivem Verhalten haben die Polizisten eher selten zu tun, wenn sie Motorradfahrer kontrollieren.

Extra laute Modelle stören

Dass die Fahrer sich dessen bewusst seien, glaubt auch Bernhard Hainz (Freie Wählergemeinschaft), Bürgermeister der Nachbargemeinge Gstadt. „Wir haben nix gegen normale und vernünftige Motorradfahrer“, sagt er. Nur die extra lauten, Modelle stören ihn auch. „Da kommt es halt immer darauf an, was der Fahrer will“, sagt Haintz.

Hinter Gstadt liegen jedoch schwere Zeiten. Die Lockdowns hätten dazu geführt, dass viele Fahrer an den Chiemsee gekommen seien, weil sie nicht ins Ausland fahren konnten wegen der Grenzsperrungen. „Da gab es viele Beschwerden, das war ein Riesenthema“, sagt der Bürgermeister.

Tatsächlich sei es aktuell relativ ruhig in Gstadt. Er vermutet, dass dies neben den hohen Spritpreisen vor allem an der Baustelle in Seebruck liege. „Da wird die Brücke umgebaut und der Umweg macht es für Motorradfahrer weniger attraktiv“, sagt Haintz.

Wie der ADAC helfen will

„Wir haben vor drei Wochen ein eigenes Projekt gestartet, bei dem wir mit Unterstützung aus dem Verkehrs- und Innenministerium Kommunen anbieten, dass wir Motive für Schilder zur Verfügung stellen. So soll auf die Thematik aufmerksam gemacht werden“, sagt Alexander Kreipl, verkehrs- und umweltpolitischer Sprecher ADAC Südbayern. Ein Appell an die Fahrer, eben nicht am Ortsausgang zu beschleunigen, sei die Initiative , so der Experte. „Kommunen können sich jederzeit bei uns melden“, sagt Kreipl. Noch sei keine Kommune aus dem Landkreis Rosenheim dabei.

Was für die Fahrer so verführerisch am Krach ihrer Zweiräder sei, weiß er auch nicht – obwohl er selbst Motorrad fährt. Ein Problem seien schon die Hersteller: „In den vergangenen Jahren wurden die Motorräder mit immer mehr Sound ausgestattet, es gibt auch den Begriff ‚Soundmanagement‘ in der Branche.“ Ein Großteil spiele sich aber innerhalb der gesetzmäßigen Vorschriften und EU-Werte ab. „Das ist wirklich ein Problem!“, findet Kreipl. Denn der Lärmwert beziehe sich auf den stehenden Zustand, Fahrgeräusche können sich ganz anders auswirken: „Zuerst schnurren sie, dann gibt man Gas und sie machen Krach.“ Das mache es auch oft für die Fahrer schwierig, den Lärm zu dosieren.

Von Fahrverboten, die einige Bundesländer einführen wollten, hält der Sprecher des Automobilclubs nichts: „Dann weichen die Fahrer nur auf andere Strecken aus.“ Wichtig ist Kreipl auch, dass ein Großteil der Motorradfahrer sich vernünftig verhalte. „Aber wenn es halt nur jeder 20. ist, kann das an Brennpunkten auch sehr nervig sein“, sagt der Experte. Für den ADAC sollen die Motorradfahrer weiter ihrem Hobby nachgehen dürfen – aber eben mit mehr Umsicht.