Zum Josefitag am 19. März

Gstadt: Seit 230 Jahren nennt eine Familie ihre männlichen Nachkommen Josef

Vier Generationen auf einem Blick (von links hinten): Sepp Rappl (*1993) mit Töchterchen Liliana, Sepp Rappl (1962) mit Enkel Seppi auf dem Arm und (vorn) Sepp „Huaba“ Rappl (1931)
  • vonKarl Wastl
    schließen

Eine ganz ungewöhnliche Familienchronik zum Josefitag über acht Generationen. Die Sepp’n-Tradition reicht bis ins Jahr 1781.

Gstadt – Es ist ein Montag im Mai 2017, neun Uhr – ein kleiner Erdenbürger erblickt das Licht der Welt. Soweit, so gut. Liebevoll spielt Liliana (4) mit ihrem „kleinen“ Bruder im Sandkasten. Sein Name ist Josef Rappl.“

Das Ganze hätte nur bedingt eine Bedeutung, wären da nicht sein Papa, Opa und der Ur-Opa, welche alle ein und den selben Namen tragen und zusammen in einem „Haushalt“ leben. Der momentan älteste „Josef Rappl“ im Bunde – der „Huaba Sepp“, Jahrgang 1931 – kann die folgenden Fakten an Hand von gesammelten Aufzeichnungen und Erzählungen dokumentieren.

„Normalerweise war’n mia ja gar nicht in Gstadt, wei unsere Wurzeln eigentlich z’Hochstätt sand“, erzählt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Genauer gesagt beginnt die Familiensage auf dem „Hölzlgütl“ im Rimstinger Ortsteil, weiß der Senior zuverlässig zu berichten.

Anlass für einen Blick zurück

Vor gut 230 Jahren, nämlich 1787 schenkten die rechtschaffenen Bauersleut Katharina und Martin Räppl, also seine Ur-Ur-Ur-Großeltern, ihrem erstgeborenen Sohn aus zweiter Ehe das Leben. Sie ließen ihn erstmals auf den Namen „Joseph“ [I.] taufen, kann in einer Chronik nachgelesen werden.

Eine der zahlreichen Namensdeutungen leitet sich von Stammvater Jakob’s zweitem Sohn Joseph ab und heißt im hebräischen so viel wie „Er (Gott) wird hinzufügen“.

Lesen Sie auch: Wie zwei Ruhpoldinger Sepp’n dem Josefitag neues Leben einhauchen wollen

Das „Bauernsachl“, welches von 1544 bis 1890 im Besitz der Familie „Räppl“ war, hat seither von Generation zu Generation immer wieder einen Sohn mit dem Namen Josef hervorgebracht, resümiert der „Huaba Sepp“ im Rückblick.

Im Jahr 1813 nimmt sich oben genannter Joseph Räppl (1787 bis 1871) eine Magdalena Moosmüller, Berntochter z’Weisham, zur Frau. Diese gebärt ihm 1816 – als zweites von acht Kindern – einen Sohn, der ebenfalls den Namen Joseph (jetzt der II.) erhält, kann dem Sterbebild seines Ur-Opas entnommen werden.

Warum der Chronikschreiber von 1644 bis 1813 den Familiennamen „Räppl“ und danach „Rappl“ verwendet hat, konnte noch nicht abschließend erforscht werden.

1859 kommt derdritte Josef zur Welt

Im stattlichen Alter von 41 Jahren heiratet – jetzt also mit „a“– Joseph Rappl (1816 bis 1881) seine Viktoria Reiter, ihres Zeichens Weißentochter von Sonnering, und macht sie 1859 zum zweiten Mal zur Mutter eines Sohnes, den auch sie „Josef“ [bereits der III.] taufen, weiß der „Huaba Sepp“ zu belegen.

Besagter junger Hölzlbauer (1859 bis 1934) – also sein Opa – vermählt sich 30-jährig mit Maria Anna Friedl, einer Wirtstochter aus Breitbrunn. Gemeinsam schenken sie – als fünftem von sieben Kindern – 1897 einem Sohn das Leben. Auch sie nennen ihren Sohn – mittlerweile in der vierten Generation – wieder Josef.

Nach den Erkenntnissen vom ältesten noch lebenden „Huaba Sepp“, war die Ehe einer Maria Stemmer (1827 bis 1913) – damalige Huberbäuerin zu Gstadt – kinderlos geblieben. Genannte Stemmer vererbte ihre „Verlassenschaft“ im Jahr 1890 ihrer Nichte Maria Anna, der jungen Hölzbäuerin von Hochstätt.

Demzufolge wurde das „Hölzlgütl“ im Rimstinger Ortsteil Hochstätt verkauft und Josef und Maria Anna Rappl – also die Großeltern vom „Huaba Sepp“ – siedelten vom „Hölzlgütl“ nach Gstadt um. Aus der „Hölzlbäuerin von Hochstätt“ wurde durch die unerwartete Erbschaft somit die „Huberbäuerin aus Gstadt“, erklärt unser Gesprächspartner.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Deren beider Sohn Josef (1897 bis 1954), „oiso mei Papa“, lernte seine spätere Frau Maria Mitterhuber kennen und in der Folge „schenkten sie mir nach ihra Hochzeit 1931 as Leb’n“, erzählt Josef Rappl (in fünfter Generation) über seine Eltern.

Der Rest ist neuere Geschichte. Im Jahr 1962 gebar „uns mei Frau Herta nach uns’ra Tochter Maria“, wie sollte es anders sein, „wieder an kloana Seppi“ jetzt bereits in der sechsten Generation, listet uns der Erzähler weiter auf. Und auch bei „unserem Buam Seppi“ gesellte sich zu Enkelin Stephanie in 1993 „a kloana Bua, der auch wieda Seppi – jetzt der siebte in Folge – hoaßt“, zählte da Huaba Sepp (89) vor.

Der jüngste Josef ist Nummer acht

Den Josefsreigen schließen vorerst einmal Seppi ( VII, *1993) und seine Frau Julia Rappl, die nach Töchterchen Liliana – „scho wieda as Dirndl z’erscht“ – vor fast drei Jahren auch noch Eltern eines Josef (aktuell der VIII. in der Namensreihe) werden, schließt da „Huaba Sepp“ die chronologische Auflistung der acht Generationen mit Namen Josef. Abgerundet wird diese Namensfortführung durch die amüsante Tatsache, dass Vater und Großvater von Julia Rappl ebenfalls den Namen „Josef“ tragen, sodass es aktuell eigentlich sechs Personen mit gleichem Namen in einem großen Familienverbund gibt, resümiert der 89-jährige Josef Rappl.

Kommentare