Gstadt: Grauganspopulation ist ein Problem

Die Graugänse werden immer mehr: Das Bild entstand vor der Rimstinger Strandanlage. Thümmler

Ein Problem mit der Zunahme der Graugänse, besonders am Chiemseeufer, sieht die Jagdgenossenschaft Gstadt. Dies sei besonders in den Revieren Gstadt Süd und Nord der Fall, so Vorsitzender Hans Reif bei der Jahreshauptversammlung im Chiemseewirt in Gollenshausen.

von Silvia Mischi und Hans Thümmler

Gstadt/Gollenshausen – „Wir müssen mit der Bejagung daran bleiben“, bat Reif die Jäger. Wildgänse haben Jagdzeit vom 1. August bis zum 15. Januar. Der Vorsitzende dachte auch daran, eine Ausnahmegenehmigung von der Schonzeit zu beantragen.

Denn: Freizeitanlagen und hier vor allem Badestrände sind mit ihrem flachen Zugang zum Wasser und der kurz gehaltenen Liegewiese optimale Nahrungsflächen für Gänse. Konfliktträchtig ist hier vor allem der von den Gänsen ausgeschiedene Kot. Konflikte mit Wildgänsen in Landwirtschaft und Tourismus können mit Maßnahmen zur Populationskontrolle und Maßnahmen zur Populationslenkung reduziert werden, heißt es vonseiten des bayerischen Landesamtes für Landwirtschaft.

Zu den Maßnahmen der Populationskontrolle würden jagdliche Maßnahmen, Gelegebehandlung und die Abhaltung von Brutflächen gehören. Maßnahmen zur Populationslenkung seien überdies die Bereitstellung von Ablenkungsflächen und die Vergrämung der Wildgänse von Schadflächen durch jagdliche Handlungen, aber auch durch technische Anlagen oder optische/akustische Reize. „Im Normalfall wird nur eine Maßnahmenkombination zu einer erfolgreichen Minimierung von Konflikten führen“, so Experten der Landesanstalt.

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Der Schaden durch die Vögel ist dabei teils immens. Landwirtschaftlich genutzte Flächen werden von Gänsen gerne zur Äsung aufgesucht. Beliebt sind Mähwiesen, aber auch Mais, Winterweizen und Sonderfrüchte wie Karotten werden beweidet. Je nach Feldfrucht und Äsungszeitpunkt können dem Landwirt finanzielle Einbußen in unterschiedlicher Höhe entstehen. Schon 2016 hatten deshalb Jagdgenossenschaften gefordert, dass in Zusammenarbeit mit der Gemeinde auf die Untere Jagdbehörde eingewirkt werden soll. Die Schonfrist der Wildgänse vom 15. März bis zum 1. Juli zu reduzieren. So könne die starke Vermehrung gedrosselt werden. Die Jagdgenossen appellierten eindringlich an die Bevölkerung, die Tiere unter keinen Umständen zu füttern.

Ansonsten sei die Gstadter Genossenschaft mit der Verbiss-Situation sehr zufrieden. Die Naturverjüngung in den Wäldern greife immer mehr, was auch das Ergebnis des Verbissgutachtens belegen würde. Zudem gab es in der Versammlung keine Beschwerden von den Mitgliedern über einen besonderen Verbiss in den Wäldern.

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Auch der dreijährige Abschussplan mit 150 Rehen je Revier sei mit fast 90 Tieren im ersten Jahr voll erfüllt worden. Über 70 Krähen seien geschossen worden und 33 Füchse wurden erlegt. Erstmals konnte Max Daxenberger von einem guten Kassenstand berichten. Er übernahm anstelle seines verstorbenen Vaters den Kassierposten. Von einer Verteilung des Pachtschillings, wie im Vorjahr mit drei Euro pro Hektar, wurde abgesehen. Die Begründung: Man wolle gegen Schäden durch Wildschweine gewappnet sein. Den ausführlichen Schriftführerbericht verlas Josef Landinger junior. Er trat die Nachfolge seines Vaters Josef Landinger an. Dieser hatte nicht mehr kandidiert und wurde von Reif für seine gewissenhafte Schriftführertätigkeit über 20 Jahre mit einem Präsent geehrt.

Ein Geschenk und ein Dankeschön erhielt gleichfalls Hans-Jörg Kißling. Der ausscheidende Jäger habe sich für den Aufbau der Eigenbewirtschaftung des Reviers Gstadt Nord eingesetzt, würdigte Reif.

Während das Revier Gstadt Süd für weitere drei Jahre an Dr. Fritz Iller verpachtet worden sei, habe sich die Eigenbewirtschaftung des Reviers Gstadt Nord, laut Reif, bereits jetzt im achten Jahr bestens bewährt.

Die Versammlung genehmigte, dass die beiden Jäger Max Schimmer und Reinhard Babel als verantwortliche Jäger für das eigene Revier Gstadt Nord, wie bisher, von der Genossenschaft angestellt werden. Ihnen obliegt mit mehreren Mitgehern die Jagd, wobei das erlegte Wild von der Genossenschaft vermarktet wird.

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