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„Versenke meine CSU-Mitgliedschaft im Chiemsee“

Wegen Corona-Politik: Familien-Dynastie Rappl aus Gstadt kehrt der CSU den Rücken

Drei Generationen Rappl, eine gemeinsame Entscheidung: (von links) Der 59-jährige Sepp VI., der 90-jährige Sepp V und der 28-jährige Sepp VII. sind aus der CSU ausgetreten.
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Drei Generationen Rappl, eine gemeinsame Entscheidung: (von links) Der 59-jährige Sepp VI., der 90-jährige Sepp V und der 28-jährige Sepp VII. sind aus der CSU ausgetreten.
  • Dirk Breitfuß
    VonDirk Breitfuß
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Den Rappls reichts. Gleich drei Generationen der Unternehmerfamilie aus Gstadt, die mehrere Hotels, Geschäfte und einen eigenen Bootsverleih betreibt, sind geschlossen aus der CSU ausgetreten.

Gstadt – In einer mehrseitigen Erklärung und mit zum Teil deftigen Worten haben die Rappls Dampf abgelassen und schwere Kritik am Corona-Krisen-Management der Partei-Oberen geübt.

„Unser bayerisches Kulturgut ,Wirtshäuser‘ und die Tourismusbranche werden von der Politik verantwortungslos und schmählich im Stich gelassen. Am schlimmsten ist leider, dass die Politik das Gespür für die Menschen verloren hat und unisono das Volk ihr Vertrauen in die Politik“, schimpft Sepp Rappl VII. Der 28-Jährige ist Geschäftsführer des Familienunternehmens.

Keine Kritik an CSU-Landrat oder Bürgermeistern

Seine Kritik richte sich nicht gegen Christsoziale in der Region, wie Bürgermeister und Landräte, betont Rappl im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Der Zorn der Familie richtet sich gen München und Berlin. „Alarmierend ist, dass die Politik und die Menschen offenbar in unterschiedlichen Welten, ja Universen leben.“

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Der Älteste aus der Familie, der seine Austrittserklärung an die Kreisgeschäftsstelle nach Rosenheim geschickt hat, ist der 90-jährige Sepp Rappl V, der den Grundstein für das Familienunternehmen gelegt hat. Seine Überzeugungen waren Zeit seines Lebens: sonntags in die Kirche gehen, Fan des FC Bayern sein und CSU wählen.

„Versenke meine CSU-Mitgliedschaft im Chiemsee“

„Nach ,ewiger‘ CSUMitgliedschaft trete ich aus. Bei meinem Lebensalter wird das der Partei eh wurscht sein. Das Volk zählt nicht mehr“, konstatiert er und fordert: „Die Corona-Diktatur muss ein Ende haben. Ich versenke meine CSU-Mitgliedschaft im Chiemsee.“ Sein Sohn, der 59-jährige Sepp Rappl VI, tut es ihm gleich.

Dabei ist dem jüngsten im Bunde wichtig, dass die Rappls keine Corona-Leugner oder gar Querdenker seien. Er sei sogar schon geimpft, erzählt der 28-jährige Geschäftsführer. Weil seine Frau bald das dritte Kind erwarte, habe er schon einen Termin bekommen, erklärt er.

Viel Kritik an Corona-Politk von Bundes- und Landesregierungen

Sepp Rappl VII. lässt kein gutes Haar an der Corona-Politik von Bundes- und Landesregierungen. „Arrogante, politische Machtbesessenheit“, sei das eigentliche Virus. „Virus-Mutationen sind unberechenbar, leider ist es die Politik noch viel mehr. Die Regierungen haben die Menschen in der Pandemiebekämpfung längst verloren“, diagnostiziert der Unternehmer.

Rappl kritisiert unter anderem auch Virologen, den „Masken-Terror“ und Mainstream-Medien mit ihren allabendlichen Talkshows zum Thema („Das macht schon was her, wenn allabendlich das Corona-Ballett in verschiedensten Besetzungen im Fernsehen im Gleichschritt einmarschiert“) und listet in seiner Generalabrechnung mit der CSU eine Reihe von Skandalen aus jüngerer Vergangenheit auf.

Seine Prognose: „Das Land wird wirtschaftlich ungebremst an die Wand gefahren. Das politische Totalversagen wird faktisch mit Staatshilfen, Kurzarbeit, Stundungen, Entschädigungen und Überbrückungshilfen an nahezu jedes Klientel ,gedeckelt‘. Die geradezu mutwillige Einfallslosigkeit, mit der sie planlos Milliarden streuen, haben Generationen nach uns am Hals.“

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Der Unternehmer fordert eine Politik-Haftung, wie jeder Unternehmer, jeder Geschäftsführer, selbst jeder Private hafte.

Die CSU sei über die Jahre zum „fränkischen Faschingsprinz“ mutiert. Markus Söder sei ja ohnehin „geneigt, seine politischen Standpunkte variabel zu gestalten“.

Rappl fordert klare Öffnungsperspektiven

Der beste Weg aus der Dauerkrise ist nach Rappls Überzeugung ein kurzer, aber harter Lockdown, wie ihn auch Spitzenpolitiker wie Markus Söder vorschlagen. Rappl fordert klare Öffnungsperspektiven danach, gekoppelt an den Fortschritt bei den Corona-Impfungen.

Sein Vorschlag ähnelt weitgehend dem Öffnungskonzept, das Traunsteins Landrats Siegfried Walch kürzlich vorgelegt hatte und den Rappl dafür ausdrücklich lobt – ganz im Gegensatz zur Landespolitik: „Die in Aussicht gestellte Öffnung der Außengastronomie Ende März/April in Bayern als Lösungsansatz ist, als ob man eine öffentliche Sauna auf null Grad einstellt … dann funktioniert die Abstandsregel von selbst“, flüchtet sich der Gstadter Unternehmer in Sarkasmus.

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„Die Staats-Schulden müssen unsere Kinder bezahlen – und mein dreijähriger Seppi VIII. tritt sicher nicht in die CSU ein. Dafür sorg ich!“

Die Familie Rappl, seit über 100 Jahren in Gstadt, betreibt nach eigenen Angaben sechs eigene Hotels, das gepachtete Parkhotel in Traunstein und ein Gästehaus in Bernau mit zusammen fast 500 Betten. Zudem betreibt die Familie einen Bootsverleih auf dem Bayerischen Meer sowie eine Pizzeria und bewirtschaftet 400 Parkplätze inklusive Tiefgarage in Gstadt.

Derzeit entstehen zusätzlich am Seeplatz in Gstadt zwei Läden und ein ungenutzter Raum wird zum Café ausgebaut. Laut Geschäftsführer Sepp Rappl VII. sind die rund 100 Mitarbeiter in Kurzarbeit, aber keinem einzigen sei seit Beginn der Pandemie gekündigt worden. Die monatelangen Einnahmeausfälle durch Zwangsschließungen in Lockdowns habe das Unternehmen bisher dank „guter Partner“ überstehen können.

Das sagt der CSU-Kreisverband zum Austritt

Der CSU-Kreisverband Rosenheim bedauert den Austritt der Rappls aus Gstadt, teilte Geschäftsführerin Mihaela Hammer auf Anfrage mit. Sie betonte unter anderem die Stärke und Verlässlichkeit des 3.000 Mitglieder zählenden Kreisverbands.

Der Landkreis sei dank der CSU geprägt durch eine „verlässliche Mittelstandspolitik ohne einen Branchenschwerpunkt

zu haben“ und sei daher „sehr krisensicher“. Bei Austritten suche der Kreisverband den Dialog „und können dabei oft die momentane Verärgerung in der sehr schwierigen Pandemiezeit abmildern und eine Einsicht und Verständnis gewinnen“, so Hammer. „Auch die Familie Rappl ist mit der lokalen Kreis- und Landespolitik zufrieden, aber nicht mit der Auswirkung der Regelungen, die uns allen die Pandemie abverlangt.“

Man dürfe dabei aber nicht aus den Augen verlieren, dass das Virus das Problem sei und nicht die verantwortlichen Regierungen“, betont die Geschäftsführerin. Ein Austreten aus der Partei sei „kontraproduktiv, viel wichtiger wäre es, sich einzubringen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten und mitzugestalten“.

„Wir haben auch Herrn Josef Rappl junior ein Gespräch angeboten, denn wie man in Bayern sagt: ,Miteinander reden ist besser als übereinander‘.“

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