Grundschul-Rektorin aus Prien sagt zum Abschied: „Das Beste auf der Welt sind Kinder“

Bürgermeister Andreas Friedrich und Petra Lanzinger (Mitte), im Rathaus zuständig für die Schulen unter dem Dach der Gemeinde, verabschieden Grundschul-Rektorin Elisabeth Neuert-Kaiser.
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Bürgermeister Andreas Friedrich und Petra Lanzinger (Mitte), im Rathaus zuständig für die Schulen unter dem Dach der Gemeinde, verabschieden Grundschul-Rektorin Elisabeth Neuert-Kaiser.

Das wird ungewohnt für Elisabeth Neuert-Kaiser: Fast ihr ganzes Leben hat die Rektorin der Franziska-Hager-Grundschule gelernt oder gelehrt. Nach ihrer eigenen Schulzeit hat sie 41 Jahre im Schuldienst gearbeitet. Wegbegleiter attestieren ihr Herzblut, Humor und großes sozialpädagogisches Wissen.

Von Dirk Breitfuß

Prien –Im Priener Rathaus wurde Neuert-Kaiser auf eigenen Wunsch in relativ kleinem Rahmen in den Ruhestand verabschiedet.

„Das Beste, was die Welt zu bieten hat, sind Kinder. In ihrem Dienst und zum Wohl ihrer gesunden, friedlichen und klugen Entwicklung habe ich liebend gerne gearbeitet. Kinder täglich zu unterrichten und zu erziehen, war meine absolute Leidenschaft“, sagte die 66-Jährige im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

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Dass Schul-Gen hat die 66-Jährige vielleicht von ihrem Vater geerbt, der ebenfalls Lehrer und lange Jahre Schulleiter war. 1996 kam die Aschauerin als Konrektorin nach Prien und übernahm 2003 die Schulleitung. Schon drei Jahre zuvor hatte sie ein Konzept der „sozialwirksamen Schule“ entwickelt. Die Franziska-Hager-Grundschule war die erste im Freistaat, die ein solches pädagogisches Modell in die Tat umsetzte. Heute ist Neuert-Kaiser gefragte Referentin für dieses sogar preisgekrönte Erfolgskonzept in ganz Bayern.

Erziehung bis zur Bürgermeisterreife

Dass die Grundschule Prien insgesamt sehr gut aufgestellt ist, bewies zuletzt 2018 das Spitzenergebnis einer Evaluation. Ein vierköpfiges Expertenteam bescheinigte der Priener Grundschule hohen Standard und legte dabei 40 Kriterien von Erziehung über das Schulklima bis zur Innovationsbereitschaft zugrunde.

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Ein sehr gutes Zeugnis stellte Neuert-Kaiser bei der Verabschiedung im Rathaus auch Bürgermeister Andreas Friedrich aus: „Sie hat sich immer mit viel Engagement um die Schüler gekümmert, die Kinder hatten in der Grundschule unter ihr beste schulische Erziehung.“ Er wisse das aus eigener Erfahrung, denn er drückte zu Neuert-Kaisers Zeit dort selbst noch die Schulbank. „Deshalb habe ich es vielleicht auch bis zum Bürgermeister geschafft“, mutmaßte Friedrich augenzwinkernd.

In Neuert-Kaisers Amtszeit fielen auch die Generalsanierung der Schule vor zehn Jahren sowie die Eingliederung der Grundschule Wildenwart der Gemeinde Frasdorf, die wegen sinkender Schülerzahlen durch die „Fusion“ vor der Schließung gerettet werden konnte. Unter Neuert-Kaisers Führung entstanden unter anderem spezielle Bläserklassen zur Förderung des musikalischen Nachwuchses sowie die Mittagsbetreuung, die heute nicht mehr als dem Angebot wegzudenken ist.

Ihre Energie tankte die agile 66-Jährige während ihres Berufslebens bei ausgedehnten Spaziergängen („Da kriegt man den Kopf frei“), in den heimischen Bergen und auf dem Tennisplatz. Ab sofort bleibt der stolzen Oma mehr Zeit für die drei Enkelkinder.

„Jeden Tag fuhr ich gerne in die Schule“

Der Dauerbrenner unter den Priener Lehrkräften ging mit einem lachenden, aber nach so langere Zeit natürlich auch mit einem weinenden Auge: „Schweren Herzens, aber auch erfüllt mit großer Freude und Dankbarkeit scheide ich nun aus meinem für mich sehr erfüllten Berufsleben aus. Davon war die Grundschule Prien 23 Jahre lang ein hervorragender und geliebter Arbeitsplatz. Jeden Tag fuhr ich gerne in die Schule.“

Im Rückblick vergaß die scheidende Schulleiterin auch nicht ihren früheren Dienstherrn, den Vorgänger Friedrichs. Mein besonderer Dank gebührt insbesondere dem Exbürgermeister Jürgen Seifert, der von Anfang an die oft verkannte große Bedeutung der Grundschulen für die Bildung unserer Kinder erkannt hat. Er hinterließ eine Vorzeigeschule mit modernster Ausstattung und allen benötigten Lern- und Unterrichtsmitteln.“

Die Rektorin begleiteten zum Abschied jede Menge gute Wünsche. Sie selbst hat nur beste Tipps für die jetzigen und künftigen Grundschüler:

„Ich habe bis jetzt 66 Jahre in Freiheit, Frieden und Sicherheit gelebt, und genau das wünsche ich allen meinen Schülern auch für ihre Zukunft. Kleine Demokraten, die kreativ denken, mitgestalten und aktiv sind, sollten die Grundschule verlassen, das war mein ganz großes Anliegen. Lernen mit Kopf, Herz und Hand, so muss Grundschule sein. Das würde ich mir auch wieder vermehrt für Reformen wünschen.“

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