Drei Monate geschlossen

Großer Sanierungsbedarf im Priener Erlebnisbad : Fünf Millionen für neue Technik

Die Pumpen für den Badewasserkreislauf sind über 20 Jahre alt und störungsanfällig. Sie werden bald ausgetauscht. Berger
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Die Pumpen für den Badewasserkreislauf sind über 20 Jahre alt und störungsanfällig. Sie werden bald ausgetauscht.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Das Prienavera kommt in die Jahre. Über zwei Jahrzehnte nach der Eröffnung ist der Verschleiß von Geräten zwangsläufig. Etwa ein Drittel der Technik ist schon erneuert. Jetzt hat die Kommunalpolitik die nächste Etappe eingeleitet. Das Bad wird dafür wohl drei Monate geschlossen werden müssen.

Prien – Fünf Millionen Euro müssen über mehrere Jahre verteilt in die Technik des Prienavera investiert werden. Diese Summe steht in einem Förderantrag, der in München liegt. Im Erlebnisbad kommen nach inzwischen 21 Jahren Dauerbetrieb viele Geräte an ihren Grenzen. Daraus macht Dirk Schröder, Geschäftsführer der Chiemsee Marina GmbH, kein Geheimnis.

Die ChiMa betreibt das Bad im Auftrag der Marktgemeinde, die wiederum Umsatzdefizite ausgleicht und Geld für Investitionen bereitstellen muss. In der jüngsten Sitzung vergab der Marktgemeinderat einstimmig Planungsleistungen an zwei Ingenieurbüros. Die Fachleute sollen die Erneuerung von vier Lüftungsanlagen, den Pumpen für das Beckenwasser und das Warmwasseraufbereitungssystem vorbereiten. Die ChiMa geht von einem Gesamtvolumen von rund 1,2 Millionen Euro für dieses Paket aus.

Weil neue Geräte energieeffizienter arbeiten als alte Technik, hat das Prienavera einen Förderbescheid über etwa 390 000 Euro aus Mitteln der „Nationalen Klimaschutzinitiative“ bekommen. Voraussichtlich muss der Markt Prien also gut 800 000 Euro selbst aufbringen.

Austausch bei laufendem Betrieb nicht möglich

Der Austausch dieser großen Gerätschaften ist laut Schröder bei laufendem Betrieb nicht zu machen. Nach den beiden Corona-Lockdowns von Mitte März bis Ende Juni sowie seit Anfang November steht dem Erlebnisbad also in absehbarer Zeit eine nächste Zwangsschließung für wahrscheinlich drei Monate bevor.

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Fatal für Schröder und die ChiMa: Solche Maßnahmen brauchen Vorlauf. Sie lassen sich nicht einschieben, wenn das Bad sowieso gerade zu ist. Schon im Frühjahr hatte der Geschäftsführer mit seiner Mannschaft versucht, typische Revisionsarbeiten vorzuverlegen, die sonst während einer zehntägigen Schließung im Herbst erledigt werden. Die Fachfirmen waren aber so kurzfristig nicht zu kriegen. Ein Unternehmen aus Österreich habe abgewunken, weil es nicht wollte, dass seine Mitarbeiter bei der Heimkehr aus Bayern zwei Wochen in Zwangsquarantäne müssen.

Moderne, energieeffiziente Anlagen

Der schrittweise Austausch der Technik im Prienavera läuft schon seit einiger Zeit. Die erste der fünf Lüftungsanlagen zum Beispiel war schon 2018 erneuert worden. Seitdem ist sie sichtbar. Sie steht auf einem Vordach, denn die modernen Anlagen sind nicht nur energieeffizienter, sondern auch größer als die Modelle aus den 1990er Jahren. Die Folge: Sie passen nicht in den mit Technik vollgestopften Keller unter der Schwimmhalle. Auch die vier übrigen Lüftungsanlagen, die in absehbarer Zeit erneuert werden, kommen Schröder zufolge aufs Dach. Ein Statiker hat schon ausgerechnet, dass das geht.

Nur Eingeweihte wissen, welchen Knopf sie drücken müssen: Die Steuerungstechnik der Warmwasseraufbereitung. Auch sie wird erneuert.

Zumindest die laufenden Energiekosten sollen durch die Investitionen in effizientere Technik sinken. Nach Angaben des Geschäftsführers werden momentan rund 450.000 Euro im Jahr für Energiekosten ausgegeben.

Schröder zufolge hat das Prienavera bisher etwa ein Drittel des Weges der technischen Erneuerung geschafft. Auf der weiteren Strecke wird es immer enger. Ein Fachbüro ersinnt derzeit einen Plan für das unterirdische Technik-Labyrinth. Die ohnehin schmalen Gänge werden wohl noch enger, die Haustechniker sollen sich künftig durch 80 Zentimeter schmale Durchlässe zwängen, erzählt Schröder.

Cheftechniker hört, wenn etwas nicht stimmt

Dass es trotz immer anfälligerer Technik und schwieriger Ersatzteilbeschaffung bisher noch nicht zu Komplettausfällen und Schließungen gekommen sei, schreibt Schröder den Haustechnikern um Michael Heizer zu. Er ist seit der Eröffnung im Herbst 1999 dabei und höre schon am Klang, wenn etwas nicht stimmt, sobald er den Technik-Keller betritt.

Betreiber und Kommunalpolitik sind sich bewusst, dass neue Technik allein nicht reichen wird, die Position des Prienavera im Wettbewerb der Bäder und Thermen zu festigen. „Zu einem späteren Zeitpunkt wird man sich über Attraktivitätssteigerungen Gedanken machen müssen“, bereitete Friedrich den Marktgemeinderat schon auf kommende Beratungen vor.

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Wenn es nach Schröder und dem Zeitgeist geht, wird dann der Bereich Wellness in irgendeiner Form verstärkt.

Das Prienavera baut gerade an einer mobilen Sauna. Der acht mal drei Meter große Bau soll helfen, die Kapazitäten so zu erweitern, dass sich eines Wiedereröffnung des Saunabereichs wirtschaftlich lohnt. Er ist seit Beginn des ersten Lockdowns im März geschlossen.

Prienavera-Belegschaft wieder in Kurzarbeit

Mit der Erweiterung des Saunabereichs auf eine Kapazität für bis zu 40 Personen kann das Prienavera nach Angaben von Geschäftsführer Dirk Schröder dann wieder bis zu 250 Gäste gleichzeitig einlassen. Nach der Wiedereröffnung im Juni war das Fassungsvermögen aufgrund der Abstandsvorgaben zunächst auf 150 Gäste begrenzt gewesen.

Wegen des Zwangs-Lockdowns ist das Erlebnisbad bis mindestens Ende November geschlossen. Schröder zufolge sind die Mitarbeiter der meisten Abteilungen derzeit wieder in Kurzarbeit. Die Techniker erleidigen noch Arbeiten, die beim laufenden Betrieb nur schwer durchführbar wären.

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