Großer Beratungsaufwand im Tourismusbüro Prien wegen Corona-Auflagen

Am Vatertag nimmt die Chiemsee-Schifffahrt den stündlichen Linienverkehr zwischen Prien und Gstadt mit Stopps an den Inseln wieder auf, wo die Biergärten unter strengen Auflagen geöffnet sind. Die Zahl der Passagiere ist Corona-bedingt begrenzt und die Einhaltung der Maskenpflicht wird auf den Stegen streng kontrolliert. 
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Am Vatertag nimmt die Chiemsee-Schifffahrt den stündlichen Linienverkehr zwischen Prien und Gstadt mit Stopps an den Inseln wieder auf, wo die Biergärten unter strengen Auflagen geöffnet sind. Die Zahl der Passagiere ist Corona-bedingt begrenzt und die Einhaltung der Maskenpflicht wird auf den Stegen streng kontrolliert. 
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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„Gottseidank geht es bei uns wieder zu“, sagt Florian Tatzel. Der Leter des Tourismusbüros Prien und seine Mitarbeiterinnen sind froh, dass ein Ende der Urlaubssperre in Sicht ist und die Menschen wieder Zimmer in Prien buchen. Dabei herrscht auch ein großer Beratungsaufwand wegen der Corona-Auflagen.

Prien– Es ist paradox: Obwohl Urlaub am Chiemsee in den letzten Wochen nicht erlaubt war, hatten die Damen und Herren in Tourismusbüro der Prien Marketing GmbH (PriMa) viel zu tun. Leiter Florian Tatzel und Co. vermitteln Zimmer und Ferienwohnungen. Das ist ihr Kerngeschäft. In jüngster Vergangenheit spielten sie auch schon mal Blitzableiter. „Das war schon sehr emotional“, erinnert sich Tatzel an Telefonate mit enttäuschten Prien-Urlaubern, denen Corona einen Strich durch die Ferienplanung gemacht hatte.

Umsatzverluste bei Provisionen

„Viele haben umgebucht“, berichtet Tatzel im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Aber viele haben ihre Buchungen auch storniert. Das ist für die betroffenen Vermieter bitter, weil die Kunden kostenlos stornieren durften, aber auch für die PriMa, denn die Vermittlungsprovisionen sind ein wichtiges Standbein auf der Einnahmenseite der Tourismus-Tochtergesellschaft der Marktgemeinde.

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+++Tatzel berichtet von vielen und langen Kundengesprächen, weil es enormen Klärungsbedarf gegeben habe – auch, weil die Corona-Bestimmungen und -Auflagen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind. Zuletzt mussten deshalb zahlreiche Anrufer enttäuscht werden, die vor dem 30. Mai nach Prien anreisen wollten.

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„Wir bereiten uns jede Woche neu vor“, beschreibt der Leiter des Tourismusbüros die Arbeit. Wie so ziemlich jede andere Branche auch, müssen sich die Touristiker immer von Neuem auf das einstellen, was die Politik an Spielregeln vorgibt. Nicht nur bei den potenziellen Gästen, auch bei den Gastgebern war der Informationsbedarf groß. PriMa-Geschäftsführerin Andrea Hübner ist froh, dass die überregionalen Fachverbände reichlich Hilfestellung gegeben haben, vor allem in Form von vielen Infoschreiben mit Verhaltensregeln.

Der Tourismusverband München Oberbayern (TOM) bietet zum Beispiel auf einer eigens eingerichteten Homepage unter www.verantwortungsvolle-gastgeber.bayern Infoflyer, die sich Vermieter ausdrucken und für ihre Gäste aufhängen können.

Sonderaufgaben wegen Corona

Als der größte Teil der Aufklärungsarbeit am Telefon geleistet war, kamen andere unbekannte Sonderaufgaben auf das PriMa-Personal zu. Wäre Prien ein Corona-Hotspot und das Krankenhaus umfunktioniert worden, hätte es zusätzliche ärztliches und pflegerisches Fachpersonal gebraucht. Also musste die PriMa-Mannschaft vorsichtshalber recherchieren, welche touristischen Unterkünfte geeignet wären, Ärzte oder Pfleger zu beherbergen, sodass das Infektionsrisiko minimiert wird. Deshalb galt es, Unterkünfte unter anderem nach Kriterien wie separaten Eingängen ausfindig zu machen und aufzulisten. Bei 225 Unterkünften in Ferienwohnungen und -häusern Priens sowie weiteren 60 in Pensionen und Bauernhöfen kein ganz leichtes Unterfangen.

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Seit eineinhalb Wochen, seit der 30. Mai von der bayerischen Politik als Stichtag für touristische Übernachtungen festgelegt wurde, stehen die Telefone im Tourismusbüro im Haus des Gastes kaum noch still. „Gottseidank geht es wieder zu bei uns“, lacht der Büroleiter. Die Arbeit ist komplizierter als sonst, denn viele Vermieter halten Tatzel zufolge noch Kapazitäten für Stammgäste frei. Es gilt also mehr denn je, mit Bettenkapazitäten zu jonglieren. Bei allen Hindernissen ist Tatzel optimistisch, vorausgesetzt, das Wetter spielt in den Pfingstferien auch noch mit. „Ich glaube, wir werden gute Pfingstferien haben“, auch wenn noch nicht alle der 1800 Gästebetten im Gemeindegebiet für die 14 Tage verplant sind.

Für die Monate danach sind die Perspektiven nicht schlecht. Nach den Einbußen der vergangenen Monate, die für viele Gastgeber existenzbedrohend waren und sind, braucht die Branche dringend Aufwind. Tatzel schreibt es vor allem auch dem bayerischen Krisenmanagement von Ministerpräsident Markus Söder zu, dass für die Zeit nach Pfingsten so gut wie keine Stornierungen eingehen. „Die Menschen fühlen sich bei uns sicher, sie sehen, dass wir in Bayern auf die Sicherheit schauen.“

Urlaub daheim als Chance

Um das Geschäft für die Nachsaison ab Mitte September anzukurbeln, um dann vielleicht einen Teil der Fehleinnahmen kompensieren zu können, hoffen PriMa-Chefin Hübner und Tatzel auf eine Fortsetzung der Lockerungen. Denn die PriMa musste schon einige geplante Messeauftritte und Marketing-Aktionen für das erste Halbjahr absagen.

Weil der Großteil der Urlauber in Prien traditionell aus Deutschland und dort wiederum die Mehrzahl aus Bayern kommt, könnte der Marktgemeinde der momentane Trend zum Urlaub im eigenen Land in die Karten spielen.

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