Große Pläne für kleines Dorf Ischl

Dieser Bundwerkstadel, der zum Harrecker-Ensemble gehört, soll den Vereinen als Lagerstätte zur Verfügung gestellt werden.
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Dieser Bundwerkstadel, der zum Harrecker-Ensemble gehört, soll den Vereinen als Lagerstätte zur Verfügung gestellt werden.

Gemeinderat Seeon-Seebruck bringt Bauleitplanungsverfahren für Wohnprojekt auf den Weg. Das Vorhaben ist im Ort umstritten, weil mit einem erheblichen Zuzug gerechnet wird. Bürgermeister Martin Bartlweber verspricht, mit den Anliegern alle Bedenken zu besprechen.

Von Gabi Rasch

Seeon-Seebruck – Für das geplante Wohnprojekt in Ischl in der Gemeinde Seeon-Seebruck wurde jetzt das Bauleitplanungsverfahren ins Rennen geschickt. Der Gemeinderat hat in einer Sitzung in der Turnhalle in Seeon die Änderung des Flächennutzungsplanes und gleichzeitig die Aufstellung eines Bebauungsplanes einstimmig abgesegnet. Die Bauleitplanung, die Stadtplaner Max Wüstinger vorgestellt hat, wird jetzt im Rathaus Seebruck für vier Wochen öffentlich ausgelegt. In dieser Zeit kann sich auch die Bevölkerung dazu äußern oder Erörterungen abgeben.

Bau soll mit Anliegern besprochen werden

Weil das Vorhaben in dem 80-Seelen-Ort zum Teil umstritten ist, forderte Gemeinderat Clemens Kronast (FW) die Verwaltung auf, die Planung mit den Bürgern in Ischl abzusprechen: „Wir müssen mit den Anliegern vernünftig reden.“ Das bekräftigte auch Bürgermeister Martin Bartlweber (FW). Um an einem Strang zu ziehen, müsse man sich mit den Ischlern zusammensetzen und mit ihnen besprechen, was genau geplant sei, so Bartlweber.

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Bei dem Wohnbau-Projekt handelt es sich um ein Pilotprojekt, bei dem neue Wohnformen angeboten werden, gleichzeitig aber der dörfliche Charakter weiter entwickelt und erhalten werden soll. Als Grundstücksbesitzerin verfügt die Gemeinde Seeon-Seebruck dabei über das Privileg, das Projekt nach ihren Vorstellungen zu gestalten und zu verwalten. Die Umsetzung werde sicher nicht einfach werden und sei auch nicht risikofrei, erklärte Sepp Daxenberger (CSU). Aber sowohl als Bauherr als auch als Investor habe die Gemeinde, die auch das staatliche Wohnraumförderprogramm mit einer 30-prozentigen Förderung in Anspruch nehmen wird, die Hand drauf. Nach Angaben des Bürgermeisters sei der Zuschuss-Antrag bereits in Bearbeitung.

Ein genaues Zeitfenster, wann mit einem ersten Bauabschnitt zu rechnen ist, konnte noch nicht aufgemacht werden. Offen ist auch noch, in welchem Zeitraum dafür Mittel im Haushalt eingestellt werden können.

Um für den circa 80-Seelenort Ischl mit seiner 1432 erbauten Kirche Sankt Martin eine Bauleitplanung aufzustellen, um Wohnraum anbieten zu können, darüber wurde im Gemeinderat konkret vor rund drei Jahren diskutiert. Ausgangspunkt der Debatte war das im Besitz der Gemeinde befindliche Grundstück mit dem ehemaligen „Harrecker-Anwesen“ und Bundwerkstadel. Die Gemeinde hatte das Anwesen und die dazugehörigen Grundstücke vor Jahren erworben und Antwort darauf gefunden, wie sie das Quartier in dem malerisch gelegenen Kirchendorf verwerten könnte, ohne dabei zu sehr in die gewachsene Struktur einzugreifen.

Die Planung sieht vor, in das bestehende Wohn- und Wirtschaftsgebäude des „Harrecker-Hofes“ neun Mietwohnungen einzubauen. Da sich das Gewölbe des ehemalige Stalles in einem sehr desolaten Zustand befindet, soll dieser Teil, der später als Garage dienen soll, neu aufgebaut werden. Das Wohnhaus soll saniert werden. Insgesamt neun Drei- bis Vier-Zimmermietwohnungen zwischen 70 und 130 Quadratmetern könnten im Erdgeschoss, Obergeschoss und im Dachgeschoss entstehen.

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Der dazugehörige, denkmalgeschützte Bundwerkstadel soll künftig Vereinen als Lagerstätte zur Verfügung gestellt werden. Hier sollen die ersten Umbaumaßnahmen bereits laufen. Nach Auffassung von Daxenberger und des zweiten Bürgermeisters Norbert Maier (FW), wäre der Bundwerkstadel als Lagerstätte eigentlich zu schade. Vielmehr könnte dieser zum Beispiel als Atelier für Ausstellungen genutzt werden. Dazu bräuchte es aber eine Alternative für die Vereine, die noch gefunden werden müsste.

Auf dem freien Grundstück sind zwei Wohngebäude vorgesehen, ein Vier- und ein Sechs-Familien-Haus. „Es sollen Häuser entstehen, die nicht provozieren und sich der Umgebung anpassen“, versicherte Wüstinger. Laut den letzten Planunterlagen sollen die Erdgeschosse gemauert und die Obergeschosse in Holz ausgeführt werden. Das Vier-Familienhaus soll bereits einer Familie aus Ischl versprochen worden sein, die dringend mehr Wohnraum benötigt.

In dem Gesamtensemble soll auch ein sogenannter Parkstadel integriert werden, in dem auch eine zentrale Energieversorgung in Form einer Hackschnitzelanlage vorgesehen ist. Unmittelbar neben dem Parkstadel, der aus ortsgestalterischen Gründen Einzelgaragengebäude verhindern soll, sind in der Planung weitere Stellplätze eingezeichnet. Von einer Einfriedung in Form eines Gartenzauns rät der Planer ab.

Alle Bedenken sollen geklärt werden

Ausgehend von insgesamt 19 Wohnungen ist in dem idyllischen Kirchendorf ein nicht unerheblicher Zuzug zu erwarten. Diese Tatsache beschäftigt vor allem die Ischler Bürger. Sie befürchten, dass die Infrastruktur für ein weiteres Bevölkerungswachstum nicht ausgelegt sei. Vor allem beschäftigt sie die ohnehin schon beengte Situation am Friedhof. Hier sehen sie durch den zunehmenden Verkehr ein großes Konfliktpotenzial. Diese und weitere Bedenken sollen jetzt, wie vom Bürgermeister versprochen, in Gesprächen mit den Ischler Bürgern geklärt werden.

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