SCHNELLTESTS IN DER APOTHEKE

Große Nachfrage in Prien und Bernau nach kostenlosen Corona-Tests

Eva Laxganger, Mitarbeiterin der Marien-Apotheke, nimmt einen Abstrich bei der 78-jährigen Helga Fuchs.
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Eva Laxganger, Mitarbeiterin der Marien-Apotheke, nimmt einen Abstrich bei der 78-jährigen Helga Fuchs.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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In Prien und Bernau können sich Bürger jetzt auch außerhalb von Arztpraxen kostenlos auf Corona testen lassen. Die Angebote werden gleich gut angenommen.

Prien/Bernau –Die meisten Termine waren schnell ausgebucht, als sich der neue Priener Service herumgesprochen hat. Dr. Clemens Reuther bietet in einem Zelt vor seiner Marien-Apotheke die Schnelltests an, auf die jeder Bürger jetzt einmal wöchentlich kostenlos Anspruch hat.

Mitarbeiterin Eva Laxganger hat nach den ersten Tagen schon Routine mit den Nasenabstrichen entwickelt. „Es hat bloß a bissl gekitzelt“, sagt Helga Fuchs über das Stäbchen, dass sie für ein paar Sekunden in der Nase hatte. Die Prienerin hatte sofort angerufen und einen Termin gebucht, als sie in der Chiemgau-Zeitung von dem neuen Angebot las. Mit einem negativen Test fühle sie sich im Umgang mit Enkeln und Urenkeln viel sicherer, sagt Fuchs.

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Die Bürokratie nimmt deutlich mehr Zeit in Anspruch als der Test. Julian Schmitt, ein Priener, der in Regensburg Pharmazie studiert und gerade ein Praktikum in der Marien-Apotheke macht, erledigt den Papierkram. In der Erklärung, die jeder Testling vorab unterschreiben muss, wird er unter anderem über den „Nasopharyngealabstrich“ aufgeklärt. Wer sich testen lassen will, muss einen Ausweis vorlegen.

Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber freut sich, dass der Laurentiushof (im Bild rechts Heimleiter Robert Beck und Mitarbeiter Florian Vogel) jetzt kostenlose Bürgertests für Bernauer anbietet.

Laxganger und Schmitt tragen Ganzkörper-Schutzanzüge, die sie jeden Tag wechseln, und zusätzlich zur Mund-Nasen-Maske noch einen Plexiglas-S-chutz vor dem Gesicht. Für jeden Test streifen sie neue Plastikhandschuhe über.

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Auch der Datenschutz wird beachtet. Sobald ein Besucher das fensterlose Zelt betreten hat, wird der Reißverschluss an der Plane zugezogen. Im Zelt steht ein Heizpilz, denn die Temperatur solle nicht unter 15 Grad Celsius liegen, damit das Testergebnis nicht beeinträchtigt wird.

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Reuther, Laxganger und Maria Pfaffinger, alles ausgebildete Apotheker, die sich im Testzelt abwechseln, hatten eigens eine Online-Schulung absolviert, berichtet der Inhaber.

Das Angebot nutzen in den ersten Tagen vor allem viele ältere Bürger, um im Kontakt mit Familienmitgliedern auf der sicheren Seite zu sein. Sie kümmere sich um eine Nachbarin und wolle auf Nummer sicher gehen, sagt eine ältere Dame, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. „Toll war es nicht“, kommentiert die 74-Jährige die Erfahrung mit dem Stäbchen in der Nase.

Eine jüngere Frasdorferin, die auch anonym bleiben möchte, ist froh, dass sie jetzt nicht mehr jede Woche einmal zum Testen nach Rosenheim fahren und ein anderes mal lange Wartezeiten beim Hausarzt in Kauf nehmen muss, um sich testen zu lassen. Sie braucht die negativen Ergebnisse, um eine Angehörige im Pflegeheim besuchen zu dürfen.

Wer nicht warten möchte, bis nach 15 Minuten der Wecker klingelt und das Ergebnis auf dem Teststreifen sichtbar ist, bekommt es nach Absprache per Mail zugeschickt. Durch die Taktung der Termine vermeiden es Reuther und sein Team, dass sich zu viele Menschen rund um das Zelt aufhalten.

Im Laurentiushof in Bernau werden aus organisatorischen Gründen keine Termine vereinbart, sagt Heimleiter Robert Beck im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. In Absprache mit der Gemeinde und dem Landratsamt bietet die Einrichtung seit dieser Woche kostenlose Corona-Tests in einem Container vor dem Hauptteingang.

Er steht schon länger, denn der Laurentiushof verlangt von Besuchern einen negativen Test. Wer einen Angehörigen sehen möchte, kann sich direkt davor einen Abstrich machen lassen, erklärt Beck. Weil das Personal dreimal wöchentlich getestet wird, kommen nach Angaben des Heimleiters monatlich schon über 1000 Schnelltests zusammen, bevor das Angebot jetzt für alle Bürger ausgeweitet wurde. Schon am ersten Tag nutzten Beck zufolge 25 Personen die Möglichkeit, obwohl sie noch kaum bekannt war.

Zur Marien-Apotheke kamen in den ersten Tagen Reuther zufolge auch schon einige Priener, die für einen beruflichen Termin im Ausland einen negativen Test vorlegen müssen, der nicht älter als 24 Stunden sein darf. Die Zertifikate werden an Ort und Stelle ausgehändigt, sobald nach circa 15 Minuten ein negatives Testergebnis feststeht.

Weder in Prien noch in Bernau gab es nach Angaben der Anbieter in den ersten Tagen einen positiven Schnelltest. Den müssten Marien-Apotheke oder Laurentiushof natürlich umgehend ans zuständige Gesundheitsamt melden. Der Betroffene wiederum müsste sofort einen zusätzlichen PCR-Test machen lassen und sich in häusliche Quarantäne begeben.

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