Große Freiheit nach Abi muss warten: Der „Corona-Jahrgang“ am Priener Ludwig-Thoma-Gymnasium

Erst einmal reisen, hat sich Sarah Kramer vorgenommen, Ziele sind Norwegen oder Island. Davor möchte die 17-Jährige aus Prien noch Geld verdienen und dann soziale Arbeit studieren. Auch wenn der Plan für die Zeit danach recht großzügig angelegt ist, Sarah möchte bis zum Abitur einen konkreten Zeitplan haben. Kirchner
  • vonElisabeth Kirchner
    schließen

Das Ludwig Thoma Gymnasium (LTG) in Prien hat allen Jahrgängen von den fünften Klassen bis zum Abiturjahrgang während der Corona bedingten Schulschließung Hausunterricht verordnet. Das hat das Leben der Abiturienten gehörig durcheinandergewirbelt, wie sie in Gesprächen mit unserer Zeitung erzählen.

Prien – Sie haben von einer besonderen Zeit geträumt, sich eine geruhsame Zeit nach dem Abitur mit Partys und Reisen eingestellt oder sich gezielt auf Studium oder Ausbildung ab Herbst vorbereitet – doch jetzt kommt alles anders. Das Corona-Virus hat der Zeitplanung der Abiturienten nicht nur in Bayern, sondern auch in anderen Bundesländern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Grund genug, sich mit Schülern aus verschiedenen Orten über das Online-Lernen und über das „wie gehts weiter?“ zu unterhalten.

Online-Lernen und wie geht‘s weiter?

Beim Online-Interview fällt auf, dass zwar rund die Hälfte der Gesprächspartner noch kein genaues Berufsbild vor Augen hat, aber nichtsdestotrotz die Zeit nach der Reifeprüfung für Praktika und Berufsfindung nutzen will. Die andere Hälfte hingegen hat schon genaue Pläne: Sei es die Bewerbung auf einen Medizinstudienplatz, das Lehramtsstudium für Geschichte und Deutsch sowie Theater- und Darstellendes Spiel als Drittfach, soziale Arbeit, Wirtschaftsrecht, das duale Studium im Bereich der Immobilienwirtschaft oder die Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr. Das Reisen steht bei allen aber erst einmal ganz oben auf der Hitliste.

Die einen wollen mit Freunden ein paar Tage in die Berge oder ans Meer, ehe es ausbildungstechnisch weitergeht, andere wollen sich mit Jobben Geld für Reisen in die weite Welt verdienen. Ganz gemäß dem Motto Immanuel Kants (1724-1804): „Das Reisen bildet sehr…“ Diejenigen, die noch nicht ab Herbst ins Studium starten oder eine Ausbildung beginnen, haben hier angesichts der Corona-Krise und dem eventuellen späteren Termin der Abiturprüfungen bessere Karten als diejenigen, die schon konkrete Reise- und Berufspläne haben.

Lesen Sie auch:Hochschulen starten digital ins Sommersemester

Maya Inninger, 18 Jahre, aus Aschau, will beispielsweise ab August auf den Philippinen einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst machen. „Dafür habe ich im Juli ein paar Vorbereitungsseminare, an denen ich jetzt nur teilweise teilnehmen kann, aber wenn sich die Situation nicht bessert, weiß ich sowieso nicht, ob ich fliegen kann.“

Ähnliches befürchtet Patricia Pertl (18), ebenfalls aus Aschau, die ihren Traum wahr machen und ein Jahr in die USA als Au-Pair gehen will. „Mein Abreisedatum steht Anfang August bevor und kann nur schwer verschoben werden.“

Auch Leonie Ziegmann (18), aus Rimsting, wollte eigentlich von September bis November „am liebsten nach Namibia, um mich dort sozial zu engagieren“, aber da derzeit alles im vagen ist, wird es wohl auf ein freiwilliges soziales Jahr im Inland hinauslaufen.

Der Hausunterricht mit quasi freier Zeiteinteilung habe aber, so die beinahe einstimmige Meinung, im großen und ganzen gut funktioniert.

Für Luisa Trixl (18) aus Sachrang nur vorteilig: Sie konnte ausschlafen und ihr blieb die Fahrzeit von Sachrang nach Prien erspart. Dennoch sind sich die Schüler einig: Man musste fokussiert bleiben und es fehlte der persönliche Austausch mit Mitschülern und Lehrern.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Erklärungen im Unterricht seien schneller und direkter, so der 17-jährige Alan Brandstetter aus Bernau. Den Unterricht zuhause könne man halt nicht mit echtem Unterricht gleichsetzen.

Ebenso erschwerend kam hinzu, dass das Hochladen der Dateien manchmal lange dauerte oder dass Videokonferenzen nicht immer technisch einwandfrei waren.

Ob das Abitur nun ab 20. Mai mit der Deutschprüfung beginnen wird, bezweifeln die befragten Abiturienten. Und dennoch hoffen die meisten von ihnen auf diesem Termin, sei es wegen der persönlichen Lernpläne bis zum Abitur, sei es, weil sie auf diesen Schulabschluss hingearbeitet haben, weil sie sich notentechnisch verbessern wollen oder sei es wegen der terminlichen Pläne für die Zeit nach dem Abitur.

Der Abiturball wurde bereits umgebucht

Matthias Hoff (17) aus Rimsting hingegen meint: „Es gibt wichtigeres im Land als das Abitur, die Gesundheit aller steht eindeutig über dem Abiturtermin.“ Matteo Schwarz (18), Prien, und Levin Stepputat (18), Bad Endorf, bringen gar die Möglichkeit eines Durchschnittsabiturs ins Spiel.

Stand heute ist jedenfalls: Es wird sich alles weiter nach hinten verschieben. Die letzten Schultage gemeinsam verbringen, gemeinsam dem Abitur entgegenfiebern und gemeinsam Abschlussprüfung feiern – das will sicher niemand dem diesjährigen Abiturjahrgang trotz Corona-Krise verwehren. Den Abiturball haben sie schon umbuchen können, aber die große Freiheit – die muss noch warten.

Mehr zum Thema

Kommentare