Einer der ältesten Bräuche im Chiemgau

Greimharting: Leonhardiritt findet heuer erstmals nicht statt

Prächtige Gespanne gehören von jeher zum Leonhardiritt in Greimharting, der dieses Jahr aufgrund der Pandemie ausfallen muss.
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Prächtige Gespanne gehören von jeher zum Leonhardiritt in Greimharting, der dieses Jahr aufgrund der Pandemie ausfallen muss.

Der Leonhardiritt in Greimharting, der traditionell am Ehrentag des Heiligen Leonhard, am 6. November stattfindet, zählt zu den weit zurückreichenden Bräuchen im Chiemgau. Der Umritt fällt wegen der Corona-Pandemie aus.

Greimharting – Die Greimhartinger Bürger können sich an keine Ausfälle des Rittes in den vergangenen Jahrzehnten erinnern. Ganz ohne Feier des Namenstages des Heiligen wollen die Greimhartinger den Tag aber nicht verstreichen lassen. So findet am heutigen Freitag, 6. November, um 9 Uhr, in der Filialkirche einen Festgottesdienst zum Patrozinium statt. Er wird auch ins Freie übertragen.

Älteste Urkunde der Filialkirche von 1411

Der Umritt der Pferde und Festwagen um das Gotteshaus fällt jedoch aus. In der ältesten Urkunde der Filialkirche von 1411 wird St. Leonhard als Kirchenpatron genannt.

Dies geht aus dem Band II der Kunstdenkmäler der Stadt und des Landkreises Rosenheim von Peter von Bomhard hervor. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche „St. Lienharden“, oder „St. Leonhardi-Gotteshaus“ genannt. Danach wurde aber St. Petrus als Patron angegeben. Dieser Wechsel war trotz der langen Tradition des Leonhard-Patroziniums nicht ungerechtfertigt. Der spätgotische Hochaltarschrein enthielt nämlich noch die Statuten des Petrus, während Leonhard nur der Seitenaltar der Evangelienseite geweiht war.

Alle fünf Gemeinden der Großpfarrei Prien beteiligt

Erst bei der Neueinrichtung der Kirche um 1655/1660 hat man Titel und Darstellungen vertauscht. Damals genoss St. Leonhard keinen Vorzug. Es habe daher, so Bomhard, den Anschein, dass die ursprünglichen Kirchenpatrone Petrus und Martin waren, die bis heute den Hochaltar zieren. Sie wurden aber im Spätmittelalter durch den Bauernheiligen Leonhard so zurückgedrängt, dass man die Kirche im 15. Jahrhundert St. Leonhard nannte.

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Der Leonhardsbrauch in Greimharting ist aber nicht nur eine Angelegenheit der Greimhartinger Kirchtracht und der Gemeinde Greimharting. Von Anfang an waren daran alle fünf Gemeinden der Großpfarrei Prien und deren Repräsentanten beteiligt. Bis heute hat sich diese Tradition erhalten. Fünf Bürgermeister – der Marktgemeinde Prien, von Rimsting, Fräsdorns (Frasdorfs) Bürgermeister für die ehemalige Gemeinde Wildenwart, Bernaus Bürgermeister für Hittenkirchen und Rimstings Dritter Bürgermeister für Greimharting – führen mit verzierten dickbauchigen Votivkerzen, den Bittgang um die Kirchen an, der den Gottesdienst einleitet.

Während früher die in der Landwirtschaft eingesetzten Pferde zum Umritt und Segnung nach Greimharting kamen, zählen heute Pferde aller Art dazu, die dem Sport und der Freizeitgestaltung dienen. Mit zum Leonhardizug gehören Wagen und Gruppen mit religiösen Themen, in denen die Tradition barocker Darstellungsfreude geblieben ist. th

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