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Schwiegermutter vom „König der Schwarzgeher“ Felix Laubhuber

Graz‘n Nanni macht bald ein Jahrhundert voll: „Immer viel Gamsfleisch gessen“

Anna Schwaiger (99), die Graz´n Nanni, zusammen mit ihrem Schwiegersohn Felix Laubhuber (82) vor dem Graz´n Haus in Schleching.
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Anna Schwaiger (99), die Graz´n Nanni, zusammen mit ihrem Schwiegersohn Felix Laubhuber (82) vor dem Graz´n Haus in Schleching.
  • VonChristiane Giesen
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Viel hat Anna Schwaiger in den 99 Jahren ihres Lebens erlebt. Die ehemalige Magd heiratete vor fast 50 Jahren auf das „Graz‘n Sachei“, wo sie ihrem Mann Georg Schwaiger tatkräftig zur Hand ging. Die Not nach dem Krieg trieb ihren Mann mit dem Schwiegersohn zum Wildern in die Schlechinger Wälder.

Schleching – In Schleching kennt sie jeder, und ihre engen Angehörigen sind weit über den Chiemgau hinaus bekannt: Gemeint ist die „Graz´n Nanni“, eigentlich Anna Schwaiger, geborene Hell, aus Schleching. Heute feiert sie ihren 99. Geburtstag. Ihr Schwiegersohn Felix Laubhuber, wegen seiner Blaubeerenplantage in Grassau, Kürbissen und Christbäumen vielen nur als „der Fex“ bekannt, gibt sie den OVB Heimatzeitungen ein Interview.

Die Nanni ist geistig und körperlich unglaublich fit, lediglich die Augen machen ihr seit Jahren zu schaffen. Inzwischen ist sie beinahe blind, erledigt aber ihren Haushalt noch selbst, geht in Begleitung manchmal einkaufen und in die Kirche. Ihre drei Enkel, darunter der Schlechinger Gemeinderat Felix Laubhuber, und fünf Urenkel, und zwei Ur-Urenkel besuchen die Oma und Uroma zu ihrer größten Freude häufig, inzwischen sogar mit den zwei Ururenkeln. Zweimal täglich kommt Hilfe von der Caritas, das hilft ihr, das tägliche Leben zu bewältigen.

Bauernmagd und Sennerin

Anna Laubhuber wurde am 10. September 1922 als älteste von vier Geschwistern in Freiweidach geboren. Sieben Jahre – wie damals üblich – besuchte sie dort die Volksschule. Noch heute kann sie in deutscher und lateinischer Schrift schreiben. Auch an alle Jahreszahlen zu sich und ihrer Familie erinnert sie bis heute genau.

Nach der Schulzeit wurde die Nanni Magd beim Huber-Bauern in Piesenhausen und arbeitete im Sommer als Sennerin auf der Bischofsfellnalm in Ruhpolding.

Mit 19 Jahren, damals also noch nicht volljährig, wurde sie Mutter ihrer einzigen Tochter Hildegard, die auch heute noch bei ihr auf dem ehemaligen kleinen Bauernanwesen lebt. Der Hof ist das „Graz´n Sachei“, eines der ältesten Häuser von Schleching. Am 7. Februar 1952 heiratete die Nanni den 43-jährigen Zimmermann Georg Schwaiger. Sie hatten sich über Nannis jüngere Schwester kennengelernt. „Ich hab glei gwusst, dass er der Richtige ist“, erinnert sich die Nanni.

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Neben seinem Beruf als Zimmermann betrieb Georg Schwaiger im Nebenerwerb die kleine Landwirtschaft, bei der seine Frau kräftig mit anpackte. 1964 aber wurde Nanni sehr krank, ein Nierenversagen, das sie zwang, 18 Wochen im Prinz-Ludwigshaus, dem damaligen Krankenhaus in Traunstein, zu liegen.

Aus dem Grund wurde 1964 dann „beim Graz´n“ die Landwirtschaft aufgegeben, denn der bis heute in Schleching allseits bekannte Hausarzt Dr. Friedrich Nohl sagte zum Grazei: „Hau deine Kiah zum Deifi, sei froh, wenn deine Oide wieder gsund wird“.

Zu der Zeit war die vom Graz´n adoptierte Tochter der Nanni bereits mit dem Maurer Felix Laubhuber zusammen, der tatkräftig half, das ehemalige Stallgebäude zu Wohnungen auszubauen.

Aber nicht nur beim Arbeiten verstanden sich der Graz´n und der Fex bestens – auch beim Wildern: „Ihr Mann, der Graz´n Irg, war ein weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannter Wilderer“, erinnert sich eine Nichte der Nanni. Auf die Frage, ob sie das Wildern ihres Mannes sehr gestört hätte, sagt sie: „Naa, des war halt in der schlechten Zeit nach dem Krieg, wo wir nix zu essen g’habt ham.“

Männer konnten nicht vom Wildern lassen

Aber unbestritten war das Wildern auch später eine große Leidenschaft von Schwiegervater und Schwiegersohn, denn beide wurden manchmal dafür kurzzeitig im Gefängnis eingesperrt. Das gereichte ihrer Beliebtheit bei vielen Einheimischen aber keinesfalls zum Nachteil.

Was hat die Schwaiger Nanni getan, um bei so guter Gesundheit so alt zu werden? „Nix“, sagt sie spontan. Und der Fex ergänzt: „Du hast halt immer viel Gamsfleisch gegessen“. Da lacht sie schallend und antwortet: „Ja, das stimmt.“

Außerdem beschäftigt sie sich, sagt sie, mit allen und allem um sich herum und ist froh über die guten Nachbarn, die ihr helfen, wann immer notwendig. Heute feiert die Graz´n Nanni mit ihrer großen Familie Geburtstag beim Hofstetter. Auch die Chiemgau-Zeitung gratuliert und wünscht noch weitere schöne Jahre.

Wilderer-Film:

Felix Laubhuber aus Schleching und sein früheres Leben als Wilderer war Thema in einem Dokumentarfilm im Jahr 2008. Unter dem Titel „Grüß Gott die Gams – Felix und die Wildschützen der Alpen“ führen Felix Laubhuber und Horst Eberhöfer mit persönlichen Anmerkungen und Erlebnissen durch die Geschichte über die Wilderei in den Alpen. „Lex“ Laubhuber galt einst als „König der Schwarzgeher“, ist im Internet bei Wikipedia nachzulesen. Der 90-minütige Film wurde noch im Jahr seines Erscheinens beim Berg- und Abenteuerfilmfestival im österreichischen Graz mit dem Preis Kamera Alpin in Gold ausgezeichnet.

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