Im Bach ertrunken

Grausamer Reh-Tod: Im Harrasser Moos in Prien sorgt unbekannter Hundehalter für Aufruhr

Im Mühlbach ertrunken und am hinteren Körper sichtlich verletzt: Dieses von einem Hund gerissene Reh zog Jäger Alfred Köhler aus dem Wasser zwischen Bernauer und Harrasser Moos.
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Im Mühlbach ertrunken und am hinteren Körper sichtlich verletzt: Dieses von einem Hund gerissene Reh zog Jäger Alfred Köhler aus dem Wasser zwischen Bernauer und Harrasser Moos.

Nach einem Hundeangriff ertrinkt ein Reh im Mühlbach zwischen Bernauer und Harrasser Moos. Jäger Alfred Köhler ärgert die Ignoranz des bislang unbekannten Hundehalters: „Das Tierwohl des eigenen Hundes darf nicht über das des Wildtiers gestellt werden.“

Prien – Jede Woche verliert Köhler nach eigenen Angaben in seinem Revier ein Reh durch Verkehrsunfälle und Verletzungen. „Das Reh muss von hinten angegriffen worden sein, ist wahrscheinlich auf der Flucht oder im Todeskampf in den Bach gestürzt und dort jämmerlich ertrunken.“

Jäger Alfred Köhler aus Prien schildert, wie die letzten Lebensminuten des Rehs ausgesehen haben könnten, das er kürzlich tot aus dem Mühlbach zwischen Bernauer und Harrasser Moos gezogen hat. Ein Fischer hatte es dort zufällig entdeckt und ihn als zuständigen Jagdpächter verständigt.

Jede Woche stirbt ein Reh an Verletzungen

Anhand der Verletzungen des Wildtieres ist sich Köhler sicher, dass das Reh von einem Hund gerissen wurde. Seit 30 Jahren geht er zur Jagd, und es ist bei Weitem nicht das erste Reh, das ein Hund auf dem Gewissen hat. Dennoch geht auch ihm nahe, was das scheue Tier durchmachen musste. In die Statistik geht es als Fallwild ein, also als Wild in seinem Revier, das nicht durch Abschuss getötet wurde.

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Zum Fallwild zählen auch Tiere, die durch Autounfälle ums Leben kommen oder durch den Maishäxler: „Im Schnitt verliere ich so jede Woche mindestens ein Reh“, erzählt Köhler. 50 Rehe pro Jahr sehe sein Abschussplan vor. „Es ist jedes Mal ärgerlich und auch traurig, wenn wieder ein Reh verletzt wird und deshalb verendet“, seufzt Köhler. Das Tier könne er dann meist nicht mehr verwerten. Aber ums Geld gehe es ihm gar nicht; Wildbret finanziere die Pacht ohnehin nur zu einem geringen Teil.

Auch Wildtiere haben Recht auf Schutz

„Mir geht es vor allem ums Tierwohl“, erklärt der passionierte Jäger. Es dürfe nicht sein, dass Wildtiere unnötig leiden müssten, weil ein nicht angeleinter Hund ihnen nachgejagt und sie verletzt habe. Köhlers Jagdrevier im Harrasser Moos ist eine beliebte Gassi-Strecke. Zwar handelt es sich um ein Landschaftsschutzgebiet samt Uferschutzzone, doch eine Leinenpflicht für Hunde besteht hier nicht, das weiß er auch: „Ich bin selbst Hundehalter und habe Verständnis dafür, dass Leute mit ihren Vierbeinern gern in der Natur unterwegs sind. Aber das Wohl des eigenen Hundes darf nicht über das anderer Tiere gehen“, ist der Jäger überzeugt.

Wilderei ist eine Straftat

Enttäuscht ist er, dass der Hundehalter, dessen Tier das Reh gerissen und vermutlich in den Bach getrieben hat, den Fall nicht gemeldet hat. Das wäre seine Pflicht gewesen. Für unwahrscheinlich hält Köhler, dass der Halter nicht mitbekommen habe, was sein Hund treibt.

Grundsätzlich, so die Auskunft der Polizei Rosenheim, sollte sich in so einem Fall der Halter bei der nächsten Inspektion oder unter der Nummer 110 melden. Denn laut Gesetz handelt es sich dabei um „Jagdwilderei durch Fahrlässigkeit“, und das ist eine Straftat, die mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden kann. Derartige Wilderei kann mehrere Hundert oder sogar bis zu 1500 Euro kosten.

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Köhler aber beschwichtigt: „Die Polizei ist deswegen wichtig, weil sie den Kontakt zum zuständigen Jäger hat, der ein leidendes Tier schnellstmöglich erlösen kann. Ich persönlich kann von einer Anzeige absehen, wenn sich jemand einsichtig zeigt und wenn es sich nicht um einen auffälligen Hund handelt.“ Noch besser wäre: Den Hund im Vorfeld anzuleinen. Den unbekannten Hundehalter hat er dennoch angezeigt.

Verletztes Wildtier gefunden: Und nun?

Wer ein verletztes Wildtier findet, soll laut Deutschem Tierschutzbund e.V. Ruhe bewahren und es erst aus der Distanz beobachten: „Nur verwaiste Jungtiere, verletzte oder kranke Tiere sind wirklich hilfsbedürftig.“ Handelt es sich um Hase, Eichhörnchen, Siebenschläfer & Co., rät der Verein, sich an eine der Stellen zu wenden, die z.B. auf der Website www.wildtierschutz-deutschland.de/wildtiere-bayern-muenchen genannt werden. Laut Bundesnaturschutzgesetz dürfen verletzte Tiere wie Igel, Vögel oder Eichhörnchen privat gesund gepflegt werden, müssen aber wieder in die Freiheit entlassen werden. Im Übrigen sind sie an die zuständige Untere Naturschutzbehörde abzugeben.

Der Fund einer streng geschützten Wildtierart muss gemeldet werden. Ein verletztes oder verlassenes Wildschwein, ein Fuchs, Hase oder Reh muss dem Jagdpächter gemeldet werden. Da nicht jeder deren Kontakt hat, ist die Polizei anzurufen. Sie meldet den Fund dem zuständigen Jäger. Der Tierschutz empfiehlt, beim Tier zu bleiben, bis Hilfe kommt. Vorsicht: Verletzte Wildtiere können aggressiv sein.

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