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OBWOHL IHR EIGENES LOKAL GESCHLOSSEN IST

Grassauer Wirtin bietet Menschen in Not kostenloses Essen an

Christina Kricke vom Gasthof zur Post möchte Menschen etwas Gutes tun, auch wenn die Wirte es derzeit auch schwer haben. Mit einem Schild macht sie auf die Aktion aufmerksam.
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Christina Kricke vom Gasthof zur Post möchte Menschen etwas Gutes tun, auch wenn die Wirte es derzeit auch schwer haben. Mit einem Schild macht sie auf die Aktion aufmerksam.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Auch im Achental gibt es arme und bedürftige Menschen, weiß die Grassauer Wirtin Christina Kricke. Ihren eigenen Betrieb kann sie gerade nicht öffnen. Dennoch hat sie sich ein Herz genommen und eine besondere Aktion gestartet.

Grassau – „Es gibt auch bei uns so viele Menschen, die mittellos sind“, sagt Christina Kricke, Wirtin des Gasthofs zur Post in Grassau. Sie hat deshalb ein Schild vor ihrem Lokal aufgestellt und bietet kostenloses Essen für Menschen an, die es sich nicht leisten können.

Eigentlich ist dieses Engagement für Kricke gar nicht so neu, sagt sie. „Es war schon immer so, dass ich Menschen mit wenig Geld Essen angeboten habe“, sagt die Wirtin.

Sie habe da schon ihren „Kundenstamm“, Leute die sie kenne, und um deren Bedürftigkeit sie wisse: „Das sind vielleicht so 25 Personen, die kein oder zu wenig Geld haben.“ Einige seien arme Rentner, die sich wegen ihrer Miete keine Extras leisten könnten. „Einer ist immer da, der hat einen Hund, dem er ganz viel gönnt, aber sich selbst nichts“, sagt die Wirtin.

Großzügig trotz geschlossener eigener Wirtschaft

Sie habe sich ein Herz genommen und möchte auch diesen Menschen mal ein gutes Essen aus dem Restaurant bieten: „Das ist doch toll, wenn man jemandem eine Freude machen kann.“ Und das in einer Zeit, in der es auch den Gastwirten nicht gut geht. „Ja, wir leiden auch unter dem Lockdown“, sagt Kricke.

Großes Lob und Dankbarkeit hat sie gegenüber ihrem Pächter, der Brauerei Wieninger. „Mir geht es noch so, dass ich über die Runden komme. Da freut es mich, wenn ich anderen helfen kann“, sagt die Grassauerin.

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Wie viele Gastronome bietet sie im Lockdown Essen für außer Haus an. Einen warmen Tee oder Kaffee, ein vegetarisches Essen oder auch Fleisch bekommen Bedürftige ebenfalls zum Mitnehmen bei ihr. „Das können auch mal ein Schweinebraten oder Rouladen sein“, sagt Kricke. Denn im Endeffekt habe sie meist ohnehin mehr Ware, als sie verkaufen könne.

Keine Obdachlosen in Grassau bekannt

Den Begriff Obdachlose legt Kricke großzügig aus. Für sie gehören nicht nur Menschen ohne Dach über dem Kopf dazu. Obdachlose sind der Marktgemeinde Grassau nicht bekannt, so die Auskunft von Bürgermeister Stefan Kattari (SPD). „Es gibt dazu aber keine Statistik, und nur weil uns nichts bekannt ist, heißt das nicht, dass es nicht doch Fälle gibt“, sagt Kattari. Kricke hingegen weiß von Menschen im Achental, die auf der Straße leben.

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Einen Nachweis über die Bedürftigkeit fordert sie nicht. Sorge, dass sie ausgenutzt wird und auch Menschen sich ein kostenloses Essen holen, die es sich eigentlich leisten könnten, hat sie nicht. Im Gegenteil, sie kennt viele tragische Geschichten. „Ein Mann hat schrecklich abgenommen., weil er sich nicht mehr viel leisten kann. Inzwischen kommt er zwei- oder dreimal die Woche“, erzählt sie.

Kein Einzelfall, wie Claudia Kraus aus Marquartstein zu berichten weiß. Sie organisiert die Achental Tafel. In der Corona-Krise stellt sie weder mehr noch weniger Nachfrage fest. „Wir haben einen Zulauf von 130 bis 150 Personen“, sagt Kraus. Diese seien ganz gemischt, sowohl junge Menschen, die eben erst ihren Job verloren haben als auch Rentner, die mit hohen Kosten zurechtkommen müssen. Um sich bei der Achental-Tafel Lebensmittel holen zu können, ist eine Berechtigung notwendig.

Achental-Tafel will Hilfe zur Selbsthilfe fördern

„Bei uns geht es auch um Hilfe zur Selbsthilfe, schließlich müssen die Lebensmittel auch verarbeitet werden“, sagt Kraus. Sie schätze diesen Aspekt an den Tafeln und möchte sich kein Urteil über Krickes Angebot erlauben, da sie es nicht kenne.

Eines haben sowohl Kraus‘ als auch Krickes Kunden gemeinsam: „Armut ist ein sehr schambesetztes Thema, schließlich muss ich mir eingestehen, dass ich mich und mein Kind nicht mehr selbst ernähren kann“, sagt Kraus. Keiner von Christina Krickes Gratiskunden wollte mit der Chiemgau-Zeitung über das Angebot sprechen.

Christina Kricke verrät so viel: Ihre Kunden freuen sich sehr über ihr Essen und auch von anderen bekommt sie viel Zuspruch. „Viele sagen, dass sie das total toll finden“, sagt die Wirtin. Es habe auch schon Gäste gegeben, die für diese Aktion zwei Portionen statt einer bezahlt haben.

Armut in Deutschland

Mit 15,9 Prozent liegt die Armutsquote in Deutschland 2020 beim höchsten Wert seit der Wiedervereinigung. Über 13 Millionen Menschen sind betroffen.

Das höchste Armutsrisiko haben nach wie vor Arbeitslose (57,9 Prozent), Alleinerziehende (42,7 Prozent), kinderreiche Familien (30,9 Prozent), Menschen mit niedriger Qualifikation (41,7 Prozent) und Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit (35,2 Prozent).

Die mit Abstand stärkste Zunahme des Armutsrisikos zeigt im längerfristigen Vergleich die Gruppe der Rentner und Pensionäre. Aus einer eher geringen wurde mit 17,1 Prozent eine deutlich überdurchschnittliche Armutsquote. Neben den Rentnern (29,6 Prozent) ist der ganz überwiegende Teil der Armen erwerbstätig (33,0 Prozent). Arbeitslose stellen dagegen mit knapp acht Prozent nur eine ausgesprochene Minderheit unter den Armen im erwerbsfähigen Alter. Definiert ist eine Person als einkommensarm, die mit ihrem Einkommen unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt. Quelle: Die Paritätische

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