CROWDFUNDING-AKTION SOLL MUSIKERBÜHNE FINANZIEREN

Grassauer Sawallisch-Stiftung braucht Geld für Kammerkonzertsaal

Für die Zuhörer in den ersten Reihen ist es angenehm, wenn die Musiker – wie hier im Konzert „Die Lehrer spielen auf“ – auf Augenhöhe musizieren. Doch für die weiteren Konzertbesucher musizieren (von links) Elisabeth Nagl, Lei Meng, Franziska und Rupert Kamhuber nur eingeschränkt sichtbar. Eine professionelle Bühne im Kammermusiksaal des Anwesens Sawallisch soll das ändern.
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Für die Zuhörer in den ersten Reihen ist es angenehm, wenn die Musiker – wie hier im Konzert „Die Lehrer spielen auf“ – auf Augenhöhe musizieren. Doch für die weiteren Konzertbesucher musizieren (von links) Elisabeth Nagl, Lei Meng, Franziska und Rupert Kamhuber nur eingeschränkt sichtbar. Eine professionelle Bühne im Kammermusiksaal des Anwesens Sawallisch soll das ändern.
  • vonLudwig Flug
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  • Heidi Geyer
    Heidi Geyer
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Ausgerechnet in Grassau vermutet der Laie keine hochkarätige Klassische Musik. Die Sawallisch-Stiftung holt Musiker von Weltrang ins Achental. Noch fehlt eine angemessene Bühne dafür.

Grassau – Im harten Gegenwind der Corona-Pandemie behauptet sich die Grassauer Sawallisch-Stiftung mit dem Anwesen am Grassauer Bichl. Dabei rückt der dortige Kammerkonzertsaal in den Mittelpunkt der Stiftungsarbeit, Die Stiftung ruft in Zusammenarbeit mit der Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost auf, über eine Crowdfunding-Aktion erstmals eine professionelle Bühne für den Saal zu finanzieren.

Die engagierte und ehrenamtliche Arbeit der Vorstandsvertreter Paul Bischof und Robert Höpfner, dazu renommierte Musiker aus der Region als Vorstandsmitglieder, haben die Stiftung auf vier Säulen gestellt: In der Villa Sawallisch finden jährlich rund 40 Meisterkurse der Musik mit Schülern aus der ganzen Welt, vor allem aus Asien, statt. Klassische Konzerte locken jetzt schon rund 2.500 Besucher im Jahr an. Das Anwesen beherbergt Tagungen und bietet zudem Übernachtungen an.

9.500 Euro sollen durch viele kleine Spenden zusammenkommen

Deshalb will der Vorstand eine professionelle Bühne für den Kammerkonzertsaal finanzieren. Sie soll die Künstler tragen, sichtbar machen und die Akustik des Saales weiter verbessern. 9500 Euro kostet die Bühne. Diese Summe soll eine Crowdfunding-Aktion zusammentragen. Crowdfunding will mit einer großen Anzahl von Menschen und niedrigen Beträgen große Projekte stemmen.

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Dass das funktioniert, macht jemand vor, der sich mit Finanzen auskennt. Die Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost stellt dieser Aktion die Plattform und steuert selbst bei. Jeden Betrag, den ein Freund des Projektes investiert, stockt das Finanzinstitut um ein Viertel auf. Damit das Modell aufgeht, müssen die 9.500 Euro bis zum 4. Juli erreicht werden.

Paul Bischof, der Vorsitzende der Sawallisch-Stiftung, ist optimistisch: „Es läuft gut. Bereits nach wenigen Tagen hatten wir die für die erste Crowdfunding-Phase erforderliche Zahl von 100 Befürwortern erreicht.“

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Wer zu dieser Aktion beitragen möchte, spendet über den Link. Oder er überweist seine Spende auf das Treuhandkonto der Crowdfunding-Aktion bei der Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost. Die Sawallisch-Stiftung ist gemeinnützig. Spender erhalten eine Spendenquittung.

Zur Stiftung

Als Professor Wolfgang Sawallisch am 22. Februar 2013 verstarb, hatte der Dirigent großer Weltorchester zuvor sein gesamtes Vermögen auf eine Stiftung übertragen: die Wolfgang Sawallisch-Stiftung.

Stiftungszweck ist die Förderung von Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur, der Völkerverständigung und des Heimatgedankens. Besonders erwähnt werden dabei die Förderung der musikalischen Aus- und Weiterbildung, die Unterstützung von musikalischen Veranstaltungen und die Förderung der Teilnahme an Musikwettbewerben.

Über Wolfgang Sawallisch

Der gebürtige Münchner Wolfgang Sawallisch machte 1942 sein Abitur. Seinem Wunsch, eine musikalische Ausbildung zu machen, konnte er nur durch Unterstützung seiner Familie nachkommen. Sawallischs Mutter war früh verwitwet und fing deshalb wieder zu arbeiten an. Auch sein älterer Bruder unterstützte ihn. Es ist möglich, dass ihm deshalb die Förderung von Musikern so am Herzen lag.

Am Krieg nahm Sawallisch teil und geriet auch in britische Kriegsgefangenschaft in Italien.Seine Karriere als Dirigent begann er am Staatstheater in Augsburg, doch schon bald folgten Stationen an größeren Häusern. Von 1960 bis 1970 war Sawallisch Chefdirigent der Wiener Symphoniker, mit denen er auch auf viele internationale Tourneen ging. Bruckners 3. Symphonie brachte er den Amerikanern in der Carnegie Hall nahe und erntete Begeisterung. 1971 wechselte er als Generalmusikdirektor an die Münchener Staatsoper.

Sogar bis ins All wirkte Wolfgang Sawallischs Schaffen: Der Raumsonde Voyager 1, die 1977 von der NASA zur Erforschung des äußeren Planetensystems ins All geschossen wurde, wurde eine Aufnahme der Arien der Königin der Nacht aus Mozarts Zauberflöte rmitgegeben – dirigiert von Sawallisch.

Trotz seines Weltruhms blieb Sawallisch seiner Wahlheimat Grassau stark verbunden und setzte sich für die dortige Musikschule ein.

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