AB 1. MÄRZ IST EINZELUNTERRICHT ERLAUBT

Grassauer Musikschüler kehren wieder zurück

Wolfgang Diem leitet die Musikschule Grassau und seit 2004 das Grassauer Blechbläserensemble. Er freut sich ebenso wie die Schüler ab Montag auf den Einzelunterricht vor Ort.
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Wolfgang Diem leitet die Musikschule Grassau und seit 2004 das Grassauer Blechbläserensemble. Er freut sich ebenso wie die Schüler ab Montag auf den Einzelunterricht vor Ort.
  • Tanja Weichold
    vonTanja Weichold
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Gedämpfte Klänge von Klavier, Posaune und Gitarre erfüllen ab Montag wieder die Gänge der Musikschule Grassau. Nach wochenlangem Online-Unterricht kehren fast zwei Drittel der über 1000 Schüler unter Hygienevorschriften zum Einzelunterricht ins Schulhaus an den Wolfgang-Sawallisch-Platz 1 zurück.

Grassau – „Die Schüler sind selig“, berichtet Musikschulleiter Wolfgang Diem im Gespräch mit unserer Zeitung. Ensembles und Gruppen können sich noch nicht treffen, auch der Gesangsunterricht unterbleibt vorerst. Die Nachricht muss für die Schüler wie Musik in den Ohren geklungen haben.

Solange der Inzidenzwert im Landkreis Traunstein unter 100 bleibt, dürfen die Musikschulen laut den aktuellen Bestimmungen der 11. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung des Freistaats ab 1. März wieder Einzelunterricht in Präsenz geben.

Online-Unterricht ist bereits Routine

Dabei hat die Musikschule Grassau nach Angaben von Diem die Coronakrise bisher gut und einigermaßen unbeschadet gemeistert. „Wir haben im ersten Lockdown innerhalb von vier Tagen auf Online-Unterricht umgestellt“, berichtet er. Schüler seien seitdem nicht abgesprungen, ohne Corona wäre die Schülerzahl weiter gewachsen, ist er überzeugt.

Lehrer und Schüler sind im Online-Unterricht schon routiniert

„Jetzt ist schon jeder routiniert“, erklärt er zufrieden. Wöchentlich hätten die Schüler Hausaufgaben in Form von Tonaufnahmen oder Videos erstellen müssen. „Die mussten arbeiten wie im Studio“, so Diem. „Aufnahmen sind der beste Lehrer“, schiebt er im Gespräch nach.

Diem selbst behalf sich beim Online-Unterricht damit, seinen Schülern Notensätze und einen Link zu dem Musikstück im Internet zu schicken, bei dem sie auf diese Weise mitspielen konnten. Der Lehrer beobachtete an seinem Bildschirm und korrigierte.

Computermüdigkeit macht sich breit

Der „Plan B“ im Lockdown hat gut funktioniert, ist der Musikschulleiter überzeugt. Dennoch machten er und seine Kollegen zu den Faschingsferien hin schon eine gewisse Online-Müdigkeit bei den Schülern aus. „Der Online-Unterricht ist anstrengend, man muss sehr selbstständig sein“, erklärt Diem.

Der Lehrer kann nicht das Optimale herausholen. „Über den Bildschirm kann er nur 30 Prozent des Schülers erfassen.“ Dabei spielten Technik, Körperhaltung und die Dynamik der Bewegung eine sehr große Rolle. „Und auch psychologisch nimmt man sehr viel mehr mit in Präsenz“, ergänzt er.

Alicia Pfaffinger gewinnt amerikanischen Jugend-Online-Wettbewerb

Trotzdem ließen sich die Schüler von der Situation nicht unterkriegen. Die junge Grassauer Geigerin Alicia Pfaffinger nahm sogar an einem virtuellen Jugendwettbewerb in Amerika teil und belegte in ihrer Kategorie den ersten Platz. Bei Jung wie auch Alt liegt das Erlernen eines Musikinstruments voll im Trend, erklärt Diem.

Fächer wie Gitarre und Klavier seien momentan ausgebucht. In anderen gebe es noch „gewisse Puffer“, mit denen die Warteliste nach und nach abgearbeitet wird. Bedingt durch den Einzelunterricht sind die Lehrer vollauf damit beschäftigt, zeitlich durchzukommen. Das gilt auch für in den sieben Zweigstellen der umliegenden Gemeinden. Diem nennt das eine „organisatorische Meisterleistung“.

Maske, Abstand und regelmäßig lüften

Abgesehen vom Unterricht sei die Freude groß, sich jetzt wieder persönlich treffen zu können. Die Vorbereitungen dazu seien „minimal“ gewesen, da ein Hygienekonzept schon seit vergangenem Jahr vorliegt und die üblichen Vorgaben wie Maske, Abstand, Desinfizieren und häufiges Lüften enthält.

Kulturbeauftragter begrüßt Öffnung „außerordentlich“

Der Historiker Dr. Hans-Jürgen Grabmüller, seit Herbst der neue Kulturbeauftragte der Gemeinde Grassau, äußerte sich gegenüber unserer Zeitung erfreut über den beginnenden Unterricht an der Musikschule: „Ich begrüße es außerordentlich, dass es wieder losgehen kann.“ Die Musikschule Grassau sei im Landkreis Traunstein die größte und wichtigste. In der Gemeinde sei die Musik „hoch angesiedelt“, die musikalischen Veranstaltungen fehlten.

Er selbst ist wissenschaftlicher Leiter der Ortschronik, die vor kurzem erschien (wir berichteten). In das Themenfeld Musikschule muss er sich nach eigener Aussage erst noch einarbeiten. Da er als Jugendlicher Geige und Klavier spielte, dürfte ihm das nicht schwerfallen.

Inzidenzwert muss mitspielen

Was jetzt einzig noch mitspielen muss, ist der Inzidenzwert, denn sollte er wieder über 100 steigen, verstummt auch in den Klassenräumen vor Ort wieder die Musik. Bei unter 35, so Diem, gäbe es auch für die Ensembles wieder eine Perspektive.

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