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„EINEN PLATZ IN DER GESELLSCHAFT“

Grassauer Mittelschule gewinnt Auszeichnung für Demokratiepädagogik

In der Grassauer Mittelschule bekommen Kinder nicht nur bloße Fakten mit auf den Weg, sondern auch Persönlichkeitsbildung.
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In der Grassauer Mittelschule bekommen Kinder nicht nur bloße Fakten mit auf den Weg, sondern auch Persönlichkeitsbildung.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Nicht nur um pures Wissen geht es an der Grassauer Mittelschule. Für den Anspruch, ihre Schüler für das Leben in einer demokratischen Gemeinschaft vorzubereiten, hat die Schule nun eine Auszeichnung erhalten. Was die Schüler dort mitnehmen sollen.

Grassau – Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit und das möchte die Mittelschule Grassau ihren Schülern mitgeben. Jüngst hat die Bayerische Landeszentrale für politische Bildung die Schule mit dem Gütesiegel „Demokratie Verantwortung (er)leben!“ neben sieben anderen Schulen im Freistaat ausgezeichnet.

Georg Tischler ist seit 2018 an der Schule.

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„Ich war überwältigt, in welcher Quantität und Qualität schon Strukturen vorhanden waren, die Kinder auf allen Ebenen fördern und partizipieren lassen, als ich 2018 an die Schule kam“, erzählt Georg Tischler, Schulleiter der Mittelschule. Er sei sehr stolz auf das, was seine Kollegen und Mitarbeiter leisten.

Nicht nur bloßes Wissen gefragt

Mit dem Gütesiegel Demokratie wird das Engagement von Mittelschulen gewürdigt, die einen besonderen Beitrag zur Demokratie- und Werteerziehung ihrer Schüler. Wobei mit Demokratiepädagogik keine bloße Vermittlung von politischem Basiswissen gemeint sei, betont Tischler. „Es geht ganz stark auch um die soziale Komponente“, sagt der Pädagoge.

Die Ausgangsfrage sei, wie Kinder und Jugendliche ihren Platz in der Gesellschaft finden können. „Dazu gehört, dass Kinder wahrgenommen und ernst genommen werden und ein positives Selbstkonzept aufbauen können“, erklärt Tischler.

Erleben von Anerkennung

Das sei gar nicht so viel anders als bei Erwachsenen, schließlich gehe es in beiden Fällen um das Erleben von Anerkennung: „Sich stark fühlen in einer Gemeinschaft, in der man eine Aufgabe und Freude hat.“

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Was abstrakt klingt, sieht an der Grassauer Mittelschule konkret so aus, dass die Kinder sich in vielem ausprobieren und ihren Selbstwert aufbauen können. „Wir haben ein breites Sportangebot mit zum Teil auch ausgefallenen Sportarten wie Golf oder Klettern“, sagt der Pädagoge. Der Leistungsgedanke sei hier nicht das einzig Ausschlaggebende.

Der Sport ist nur ein Baustein von vielen: Interkulturelle und -religiöse Projekte, bei denen die Schüler die Perspektive wechseln können, seien ebenfalls Standard in Grassau. Auch Fahrten nach Berlin und England gehören zum Programm.

Politik live

Nicht zuletzt soll Politik von den Schülern auch hautnah erlebt werden, sodass jeder wie die Gestaltung der Gesellschaft abläuft und wie man sich dort einbringen kann. Etwa durch Gesprächsrunden mit Gemeinderäten oder Landtagsabgeordneten.

Der Grassauer Bürgermeister Stefan Kattari (SPD) freut sich über die Auszeichnung: „Diese Schule und ihr Schulleiter Georg Tischler haben diese Auszeichnung redlich verdient!“ Die Zusammenarbeit der Schulleitung mit der Gemeindeverwaltung empfinde er als außerordentlich gut.

Schülervertretung von allen gewählt

„Unseren Kindern beizubringen, wie schön und wichtig, aber auch wie anstrengend und manchmal frustrierend Demokratie sein kann, dazu leistet die Grund- und Mittelschule Grassau einen wichtigen Beitrag“, sagt Kattari. Es sei vermutlich auch kein Zufall, dass die stellvertretende Landkreisschülersprecherin Yasmin Mhadhbe von der Grassauer Mittelschule kommt. Die Schule hört nicht bei der Theorie auf, sondern lebe Demokratie auch bei der eigenen Schülervertretung. „Die Kinder haben bei uns eine Stimme“, sagt Tischler.

Wenige Abbrecher

Politikverdrossenheit entstehe vor allem durch das Gefühl, es sei egal, was man denkt und sagt, findet Tischler. Der Schülersprecher werde an der Grassauer Mittelschule ganz basisdemokratisch von jedem einzelnen Schüler, und nicht nur von den Klassensprechern gewählt. Es gibt sogar eine Art Wahlkampf, erzählt Tischler.

Seinen Schülern wünscht er, dass sie an der Grassauer Schule viel mitnehmen und sich fit für die Gesellschaft fühlen und dort engagieren. Das Feedback von Ausbildungsbetrieben erlebt er positiv, sowohl im Gespräch als auch bei konkreten Zahlen: „Wir haben nur einen geringen Prozentsatz von Schülern, die eine Ausbildung abbrechen.“

Lehrerverband fordert mehr demokratische Bildung

Der Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V (BLLV) fordert, dass Schüler stärker demokratisch gebildet werden sollen. Es gebe vorbildliche Leuchtturm-Projekte, jedoch liege es dabei an Einzelnen. Was fehle, sei systematische Unterstützung durch Bildungspolitik und Schulverwaltung. Die beginne schon bei der schieren Stundenanzahl: Ein Gymnasiast hat beispielsweise bis zum Eintritt in die Oberstufe nur eine Stunde Sozialkunde in der 10. Jahrgangsstufe.

Der BLLV möchte, dass übergeordneten Verfassungsziele erheblich mehr Gewicht und Zeit im Schulalltag bekommen. So sollen die Stundenumfänge des Faches Sozialkunde erhöht und Projekttage der politischen Bildung in allen Schularten und Jahrgangsstufen angeboten werden. Zentral ist für den BLLV in diesem Zusammenhang Medienkompetenz, speziell in Bezug auf die Neuen Medien. „Durch sie werden extremistisches und rassistisches Gedankengut und falsche Tatsachenbehauptungen verbreitet. Deshalb gewinnt die Fähigkeit zur kritischen Bewertung von Inhalten im Netz eine enorme Bedeutung“, heißt es in einem Positionspapier.

Der BLLV will zudem demokratische Partizipation an den Schulen leben, sodass Schüler sich stärker einbringen können, ebenso wie auf Landesebene durch den Landesschülerrat. Wichtig ist dem Verband eine Vertrauenskultur. Dazu gehören Feedback und eine Stärkung der Eigenverantwortung. Nicht zuletzt hält der BLLV auch die Lehrerbildung im Bereich der Demokratie für ausbaufähig.

Quelle: BLLV

Neuer Schulleiter

Kommissarisch leitete Georg Tischler die Grassauer Grund- und Mittelschule bereits seit Beginn des Schuljahres. Ein neuer Schulleiter sollte eigentlich erst zum Ende des Schuljahres kommen. Nun kam aber die Bestätigung, dass Georg Tischler die Leitung offiziell übertragen bekommen hat. Schulverbandsleiter und Bürgermeister Stefan Kattari beglückwünschte Tischler in der Schulverbandssitzung.

Die Ernennung kam für den 35-Jährigen überraschend. Zwar hatte er sich beworben, doch vor Ablauf des Schuljahres war mit einer Entscheidung des Kultusministeriums nicht zu rechnen. Ab sofort leitet nun Tischler, unterstützt von Philipp Bernhofer, die Grassauer Schule mit über 560 Schülern und 50 Lehrkräften.

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