Grassau: 90 Jahre und kein bisschen leise - das ist Rudolf Voit

Rudolf Voitfühlt sich wohl in seinem schönen Zuhause. Stolz zeigt er die vielen Gratulationsschreiben, die er bekommen hat. Familie und Freunde sind ihm wichtig. Eder

Viele Gratulanten überraschten Rudolf Voit (90), darunter Bürgermeister Rudi Jantke. Glückwünsche von seinen Freunden und Kollegen, wie auch des bayerischen Ministerpräsenten erfreuten den Rentner. Besonders gerührt zeigte er sich über ein Foto vom Inzeller Leonhardi-Ritt, das ihm der Landrat schenkte.

Grassau – In der Schule sei er nicht besonders gut gewesen. Umso wichtiger war es ihm in seinem Lehrberuf, dem Schreinerhandwerk, viel zu lernen, betont Rudolf Voit, der in Niederbayern auf die Welt kam. Die 1944 begonnene Lehre beendete er 1947 und wollte dann noch mehr Erfahrungen sammeln. So entschloss er sich, in die Schweiz auszuwandern. Auch sein Bruder lebte damals in der Schweiz und dieser besorgte ihm eine Anstellung in einem kleinen Schreinerbetrieb. Nach einigen Jahren zog es ihn weiter. Er arbeitete dann in Freiburg im Breisgau und später kehrte er ins Achental nach Unterwössen zurück. Hier lernte er auch seine Frau kennen, mit der er 50 Jahre verheiratet war. Voit schwärmte von seiner Anstellung bei den Körting Radio Werken in Grassau. 16 Jahre durfte er dort tätig sein, bis das Werk 1978 seine Pforten für immer schloss. Auf der Suche nach einer neuen Anstellung hörte er, dass die Schwestern von Adelholzen einen Schreiner für die klostereigene Schreinerei suchten. Er bewarb sich.

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Doch für den angebotenen Hungerlohn wollte und konnte er nicht arbeiten. Drei Wochen später erhielt er einen Anruf von Schwester Iphigenia Insam, die damals Adelholzen leitete, so Voit. Sie wollte ihn zuhause besuchen. „Ich zeigte ihr meine Möbel und sie war begeistert“. „Was stellen Sie sich denn vor“, habe sie gefragt und man wurde sich schnell einig. „Kannst sofort anfangen“, bekam er zur Antwort. Sie habe einen „Ewigkeitsschreiner“, also einen Schreiner, der mit nichts fertig werde und brauche ihn. Zunächst wollte Voit aber wissen, wer ihm Weisungen erteilen würde. Darauf erklärte die Schwester, dass er selbstständig arbeiten solle und ihm keiner etwas anschaffen dürfe, auch der Betriebsleiter nicht.

Schwerer Einstandin Adelholzen

Voit lobt diese besondere, ehrliche und resolute Schwester in den höchsten Tönen, denn sie stärkte ihm immer den Rücken. „Wenn es die Iphigenia nicht gegeben hätte, dann gäbe es Adelholzen heute so nicht“, schwärmt er. Sein Einstand sei schwer gewesen. Das Einsatzbier rührten die Schreiner nicht an. Probleme hatte er besonders mit dem Betriebsleiter, deshalb wollte er auch wenigen Tagen schon wieder kündigen.

Doch die Schwester hielt ihn zurück, rief den Betriebsleiter zu sich und so konnte er sich gegenüber dem Betriebsleiter durchsetzen. Später hatte er zu ihm sogar ein fast freundschaftliches Verhältnis. 15 Jahre bis zum Eintritt in die Rente sei er bei Adelholzen in Lohn gestanden, habe dabei sehr viele Erfahrungen machen dürften. Er fertigte zum Beispiel für Schwesterzimmer Möbel an und alle waren von der Arbeit begeistert. Auch im Münchner Kloster sei er tätig gewesen, wie auch im Krankenhaus in Ruhpolding. Gab es einen besonderen Auftrag, dann wurde er von Schwester Iphigenia um Rat gefragt.

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In der Schreinerei wurden neue Maschinen angeschafft und die Aufträge mehrten sich. Im Schwesternheim in Alzing fertigte er 56 komplette Schlafzimmer und 56 Schrankwände. Auch Kirchenbänke zu restaurieren, gehörte zu seinen Aufgaben. Für Kardinal Friedrich Wetter habe er gearbeitet. Dieser bedankte sich für die gute Arbeit sogar mit einer Medaille.

So zählte auch das Erhöhen von Barockstühlen zu seinen Aufgaben. „Adelholzen war für mich ein Genuss und es war sicher nicht immer einfach mit mir. In den 15 Jahren sei er kein einziges Mal krank gewesen. Schwester Iphigenia war eine sehr schlaue Frau“, betonte der fitte Rentner, der vor acht Jahren noch mal ein Haus gebaut hat.

„Jetzt bin ich 90 Jahre und da darf man auch einmal den Mund aufmachen“, sagte er. Die Zeit in Adelholzen hat ihn besonders stark geprägt und er denkt noch oft daran. Um so mehr schmerzt es ihn, dass zum 90. Geburtstag aus Adelholzen keine Glückwünsche gekommen sind.

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