Grassauer Musikschule zeigt: Online-Unterricht kann klappen

Die Blasmusi Staudach-Egerndach beim Üben per Internet.
  • vonMartin Tofern
    schließen

Wie alle anderen Schulen ist auch die Musikschule Grassau wegen der Corona-Pandemie derzeit geschlossen. Die Musiklehrer versuchen, den Unterricht trotzdem zu gewährleisten. Per Video-Streaming. 

Grassau –  Die Schließung der Schule war dringend geboten, denn gerade die Verwendung von Musikinstrumenten wie etwa Blasinstrumente oder Klavier und die zahlreichen Gruppen- und Ensembleunterrichte sowie die Chor - und Jugendkapellenproben hätten die Gefahr der Verbreitung des Corona-Virus erhöht. „Ein Gitarrist kann mit Maske spielen, aber jemand, der ein Blechblasinstrument spielt, kann das nicht“, erklärt Schulleiter Wolfgang Diem. Außerdem seien einige Räume der Schule zu klein, sodass der Hygieneabstand nicht eingehalten werden könne.

Kinder helfen sich bei Internetproblemen gegenseitig

Statt Unterricht von Angesicht zu Angesicht versuchen die 39 Lehrer, ihre Schüler per Video zu unterrichten und zwar über Programme wie Zoom oder Skype. „Wir schaffen dadurch etwa 95 Prozent des normalen Stundenaufkommens“, erklärt Otto Dufter, der stellvertretende Leiter der Schule. Anfangs habe es bei seinen Schülern Anpassungsschwierigkeiten gegeben wie etwa Probleme mit der Internet-Verbindung. „Doch die Kinder helfen sich gegenseitig oder die Eltern springen ein.“ Manche Kinder besorgten sich sogar externe Mikrofone, damit ihr Spiel besser klingt und genauer gehört werden kann. „Die Eltern sind durch die Bank erfreut, dass wir den Unterricht per Video fortsetzen“, sagt Dufter, „weil die Kinder bei der Stange bleiben und weil ihr Tag durch die Termine strukturiert wird.“

„Inzwischen hat sich eine gewisse Routine eingestellt“, sagt Dufter. „Die Schüler wissen jetzt, wie sie die Technik einrichten müssen, damit sie funktioniert.“

Lesen Sie auch: Musikschule ehrt langjährige Mitarbeiter

Der Video-Unterricht habe sogar Vorteile. So könnten die Übungsstunden aufgezeichnet und später noch einmal angesehen werden. „Außerdem wird die Selbstständigkeit der Schüler extrem gefördert“, sagt Diem. Die Schüler müssten schließlich selbst dafür sorgen, dass sie vorbereitet sind und dass die Technik funktioniert. Und manche Schüler würden durch den Video-Unterricht sogar besonders motiviert. Von Zeit zu Zeit treffen sich die Kinder einer Gruppe in einem Zoom-Raum. „Das motiviert die Kinder, weil sie dort ihre Spezln treffen und sich gegenseitig etwas vorspielen können“, erklärt Diem.

YouTube

Die Musikschule Grassau ist schon lange eine Institution im Achental und weit darüber hinaus. Sie unterhält Zweigstellen in Bernau, Marquartstein, Reit im Winkl, Schleching, Staudach-Egerndach und Unterwössen und hat derzeit 1050 Schüler, die einzeln oder in Gruppen unterrichtet werden. Die musikalische Versorgung vom Musikgarten für Zweijährige bis zum Erwachsenenmusizieren, von der Diatonischen Harmonika bis zur Violine. Die Schule unterstützt in ihren Zweigstellen intensiv die örtlichen Blaskapellen, Jugendkapellen, Chöre, Orchester und die Musikgruppen. Viele Schüler haben nach der Schule Musik studiert und spielen heute in renommierten Orchestern oder Ensembles, einige sind Meister ihres Fachs geworden. Und fast alle kommen von Zeit zu Zeit zurück ins Achental, um hier Konzerte zu geben.

Das könnte Sie auch interessant: Ehemaliger Schüler der Musikschule landet Internethit

Doch so weit sind die aktuellen Schüler noch nicht. Beim derzeitigen Unterricht über das Internet gebe es schon einige Vorteile, erklärt Otto Dufter: „Die Schüler sind motiviert und üben eher mehr.“ Ein Schüler habe ihm erklärt, er habe jetzt viel mehr Zeit zum Üben, weil er weniger Termine habe. Die Aufnahmen auf Video erhöhten die Aufmerksamkeit und die Kinder seien insgesamt entspannter. Doch Schulleiter Diem macht auf ein großes Defizit des Video-Unterrichts aufmerksam: „Das gemeinsame Musizieren bleibt auf der Strecke.“ Und Kollege Dufter ergänzt: „Der Video-Unterricht ist natürlich keine Dauerlösung.“ Die 30-minütigen Online-Musikstunden seien wegen der Fokussierung auf den Bildschirm deutlich anstrengender. „Nach sechs bis sieben Schülern bist Du total platt“, erklärt Dufter ganz offen. „Der Online-Unterricht lebt schon sehr vom Engagement der Lehrkräfte“, ergänzt Schulleiter Diem.Schnupperunterricht findet übers Internet statt

Auch wenn die Schule irgendwann Schritt für Schritt wieder geöffnet werden darf, soll der Video-Unterricht als Option erhalten bleiben, erklärt Dufter. Etwa für Fahrschüler. „Das Türchen wollen wir uns offen halten“, erklärt er. Zum Beispiel für einen Trompetenschüler aus Rosenheim. Weil die Fahrt zur Schule häufig Probleme machte, hat er sich eine gute Kamera und für den Klang ein gutes Mikrofon zugelegt.

Ob Corona oder nicht, das neue Musikschuljahr kommt bestimmt. Und damit auch wieder viele neue Schüler. Und die sollten sich online anmelden, per Mail über die Homepage. Der Schnupper-Unterricht ist übrigens auch in der Videoversion kostenfrei.

Kommentare