Digitale Bürgerversammlung

Grassauer sorgen sich um Klimaschutz und 5G

Auf der Staffenstraße werde angeblich viel zu schnell gefahren, meldeten besorgte Anwohner im Rahmen der digitalen Bürgerversammlung. Der Marktgemeinderat wird nun überlegen, in welcher Form diese Straße in der 30er Zone weiter verkehrsberuhigt werden kann.
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Auf der Staffenstraße werde angeblich viel zu schnell gefahren, meldeten besorgte Anwohner im Rahmen der digitalen Bürgerversammlung. Der Marktgemeinderat wird nun überlegen, in welcher Form diese Straße in der 30er Zone weiter verkehrsberuhigt werden kann.
  • vonTamara Eder
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Die Grassauer Bürger beteiligten sich rege an der digitalen Versammlung – es kristallisierten sich klare Kernthemen heraus. So liegt einigen der geplante 5G-Ausbau schwer im Magen, während andere sich Gedanken um eine klimafreundliche Energieversorgung und unnötige Beleuchtung in der Nacht Gedanken machen.

Grassau – Gefreut hatte sich Bürgermeister Stefan Kattari (SPD) über zahlreiche E-Mails, die bereits vor der digitalen Bürgerversammlung am vergangenen Donnerstag (3. Dezember) eintrafen. Einige Bürger wünschten sich auch künftig eine digitale Bürgerversammlung. Dies wird geprüft.

Die Chiemgau Zeitung greift die Kernthemen der Bürger auf: Mit welchem Konzept Grassau seiner Vorreiterrolle im Klimaschutz weiterhin gerecht werden möchte, interessierte zum Beispiel Sebastian Noichl.

Fernwärme und Lichtverschmutzung

Kattari antwortete darauf, Grassau sei im Bereich Fernwärme seit 2009 „vorbildlich“. Die Versorgung werde weiter ausgebaut. Zudem beziehe der Markt Grassau nur Ökostrom, betreibe viele PV-Anlagen und lasse nun Eigenstromnutzung prüfen. „Grassau bemüht sich außerdem um ökologische Ausgleichsflächen und hat kürzlich ein Grundstück in der Kendlmühlfilzen erworben.“ Zudem setze man auf „sanften Tourismus“.

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Johannes Schaus dagegen wunderte sich über die geplante Erweiterung der Fernwärme nach Mietenkam, obwohl eine Erweiterung in der Bahnhofstraße nicht vorgesehen sei. Er fragte, wann die Fernwärme im südlichen Ortsgebiet weiter ausgebaut werde. Laut Kattari ist die Fernwärme bis Einmündung Mietenkamerstraße verlegt. Eine „Mindestwirtschaftlichkeit“ müsse gegeben sein – ein Argument, das er auch bei einer Anfrage aus der Kampenwandstraße anführte: „Ob der Mitterfeldweg angebunden werden kann, hängt davon ab, wie viele Anwohner anschließen wollen.“ Dies werde derzeit mit Erfassungsbögen geprüft.

Warum in Zeiten der Lichtverschmutzung der Rottauer Kirchturm beleuchtet werde, fragte Markus Huber. Einen Grund hierfür konnte Kattari nicht nennen, betonte aber, er könne sich eine zeitliche Begrenzung der Beleuchtung vorstellen.

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Viel zu schnell gefahren, teils gerast, werde nach Angabe von Hans und Brigitte Blüml in der Staffenstraße. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 30km/h werde nicht eingehalten, obwohl es hier einen hochfrequentierten Schulweg und Spielplatz gebe.

Sie fragten nach geeigneten Maßnahmen zur Reduzierung des Tempos, wie den Einbau von Barrieren oder Widmung als Spielstraße. Es habe bereits Vorgespräche gegeben, so der Rathauschef. Barrieren einzubauen sei problematisch und erschwere den Winterdienst. Er könne sich eine Spielstraße vorstellen: „Ich verstehe die Frage als Antrag an den Marktgemeinderat.“ Tatsächlich aber zeigten Messungen, dass nur wenige Tempoüberschreitungen vorlagen.

Mobilfunktechnik bereitet Sorgen

Anja Hegenauer bat um Verzicht der Fremdenverkehrsabgabe für heuer, da viele Geschäfte ums Überleben kämpften. Dieser Antrag sei bereits vom Verein „Aktives Grassau“ gestellt worden, berichtete Kattari. Leider sei man rechtlich dazu verpflichtet, die Gebühr zu erheben.

Sorgen bereitet Johanna Hammerdinger der Ausbau der 5G-Technik. Sie erkundigte sich nach der Lage in Grassau, nach Anfragen von Mobilfunkbetreibern und nach der grundsätzlichen Haltung von Bürgermeister und Marktgemeinderäten. Anfragen von Mobilfunkbetreibern gebe es, so Kattari. Er habe sich intensiv informiert: „Eine 5G-freie Gemeinde ist rechtlich nicht möglich. Wir können aber planungsrechtlich eingreifen und Bereiche nennen, wo ein Ausbau möglich ist.“ Auch gebe es „diametrale Anliegen“, von Bürgern, die Strahlungsschäden befürchteten und von jenen, die beklagten, dass das Netz schlecht sei.

Windeln entsorgen ein Problem

Ursula Kraus gab an, der von der Gemeinde bereitgestellte Gutschein über 24 Müllsäcke für die Entsorgung von Windeln reiche nicht. Sie fragte, ob es entweder mehr Säcke geben könne oder die Möglichkeit, Windeln auch am Bauhof abzugeben. In der Familienstelle werden darüber beraten, so Kattari.

Aufgrund der Vielzahl weitere Fragen und Themen gibt es in Kürze zur Bürgerversammlung einen weiteren Bericht in unserer Zeitung.

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