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Grabschender Busfahrer

Ein 56-jähriger Busfahrer, der Nachtschwärmer mit dem "Nachtexpress" des Landkreises Traunstein auf der Linie Traunstein-Traunreut-Trostberg-Engelsberg sicher nach Hause bringen sollte, legte in der Nacht des 29. Juni 2008 eine irreguläre Pause in einer einsam gelegenen Parkbucht zwischen Tacherting und Wiesmühl ein. Dann begrabschte er seinen einzigen Fahrgast, eine 18-jährige Angestellte.

Traunstein - Die Geschädigte erstattete später Strafanzeige bei der Polizei. Die Folge war ein Prozess wegen sexueller Nötigung vor dem Schöffengericht Traunstein im Mai 2009. Der Angeklagte leugnete alles. Das Gericht glaubte jedoch der Frau. Gestern vor der Sechsten Strafkammer am Landgericht Traunstein nahm der 56-Jährige seine Berufung gegen das Ersturteil über zehn Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, und Zahlung eines Schmerzensgelds von 750 Euro an das Opfer nach eindringlichen Worten des Vorsitzenden Richters Werner Gruben zurück.

Der Berufskraftfahrer, der früher Grundschullehrer war, arbeitete seit Anfang 1996 bei verschiedenen Verkehrsbetrieben. Unter anderem steuerte er einen der "Nachtexpress"-Busse. An jenem Sonntag stiegen gegen 0.30 Uhr am Busbahnhof Traunstein mehrere Fahrgäste ein. Nach und nach erreichten sie ihr Ziel. Im Bus saß letztlich nur mehr die 18-Jährige. Der Fahrer und die junge Frau kannten sich flüchtig vom "Nachtexpress" her seit zwei Jahren, hatten sich mehrfach über Belanglosigkeiten unterhalten.

Die Fahrt in der Tatnacht verlief ähnlich. Als die Geschädigte aussteigen wollte, fragte der 56-Jährige, ob sie nicht noch ein Stück an Bord bleiben wolle. Es sei dann für ihn "angenehmer und nicht so langweilig". Überraschend bog der Busfahrer dann in die Parkbucht an der Bundesstraße B 299 ein. Weit und breit wohnte hier niemand, wie er wusste. Der Angeklagte löschte das Licht und vergriff sich an der jungen Frau. Er begrabschte sie massiv unter der Kleidung, drückte so fest zu, dass die 18-Jährige Schmerzen erlitt. Sie konnte sich nicht zur Wehr setzen und wusste, niemand würde ihre Hilfeschreie hören.

Zehn Minuten etwa dauerten die sexuellen Handlungen. Dann ließ der 56-Jährige von ihr ab, um seine Fahrt fortzusetzen. Um 1.40 Uhr musste er in Trostberg sein. An "ihrer" Haltestelle durfte die 18-Jährige das Fahrzeug verlassen, bekam noch mit auf den Weg, die Sache nicht weiterzuerzählen.

Der Angeklagte gab sich gestern vor der Sechsten Strafkammer zunächst völlig unschuldig. Er behauptete, nie mit seinen Fahrgästen zu reden. Die 18-Jährige sei freiwillig mit ihm weitergefahren. Die Pause habe er - wie schon oft an jener Stelle - eingelegt für einen Kontrollgang durch den Bus. Genähert habe er sich der Frau überhaupt nicht.

Der Vorsitzende Richter hielt dem 56-Jährige die Aussagen der Geschädigten und weiterer Zeugen vor, wonach er während der Fahrt mit der Frau gesprochen habe. Werner Gruben: "Nach Aktenlage und dem Ersturteil schaut es eher schlecht für Sie aus."

Mehrmals gab das Gericht dem Angeklagten gestern Gelegenheit zu Bedenkpausen. Vor der entscheidenden letzten Pause, die zur Berufungsrücknahme führte, betonte der Vorsitzende Richter: "Wenn es zu einer Verurteilung kommt, ist die Annahme eines minderschweren Falles, wie in erster Instanz, angesichts der massiven Berührungen problematisch." Die Staatsanwaltschaft habe vor dem Schöffengericht ein Jahr und zehn Monate Strafe mit Bewährung beantragt.

Verteidiger Thorsten Franze aus Traunstein überzeugte seinen Mandanten nach erneuter Pause, das Ersturteil zu akzeptieren. Staatsanwalt Gunther Scharbert stimmte zu und nahm seine Berufung ebenfalls zurück. Damit wurde das Urteil rechtskräftig. Keiner der sieben Zeugen wie auch die 18-jährige Nebenklägerin mit Opferanwalt Michael Vogel aus Traunstein zur Seite mussten mehr aussagen. kd

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