Ist Corona schuld?

Umweltaktivistin behauptet: Lockdown-Müll liegt im Wald - das sagt die Polizei

Im Wald entsorgte Autoreifen: Die Tierschutz- und Umweltschutzaktivistin Neffy Marzouk hat sie unlängst auf ihrer täglichen Gassirunde auf dem Eichberg-Rundweg aus dem Wald gezogen.
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Im Wald entsorgte Autoreifen: Die Tierschutz- und Umweltschutzaktivistin Neffy Marzouk hat sie unlängst auf ihrer täglichen Gassirunde auf dem Eichberg-Rundweg aus dem Wald gezogen.
  • Heidi Geyer
    vonHeidi Geyer
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  • Markus Müller
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Während des Lockdowns haben viele Menschen ihren Keller entrümpelt. Doch was geschieht mit dem Müll? Die Grabenstätterin Neffy Marzouk meint, dass ein Großteil illegal im Wald entsorgt wird. Das sagen Polizei und die Gemeindeverwaltung.

Grabenstätt – „Seit Beginn der Corona-Pandemie ist eine starke Zunahme illegaler Müllentsorgung im Wald zu beobachten“, sagt die Grabenstätter Umweltaktivistin Neffy Marzouk. Während des Lock-Downs im Frühjahr hatten die Menschen viel Zeit um ihre Garagen, Keller oder Dachböden zu entrümpeln – mit möglicherweise fatalen Folgen für die Natur. Das Spektrum der illegalen Entsorgung ist enorm und macht Waldliebhaber und Umweltschützer vielerorts fassungslos. Neffy Marzouk hat dies auch schon vor der eigenen Haustür beobachtet: „Ich wohne direkt am Wald und sehe fast täglich, dass Leute den Wald als Wertstoffhof nutzen.“

Sogar Bioabfälle schädlich

Jüngst zog sie auf ihrer täglichen Gassi-Runde auf dem Eichberg-Rundweg zwei Autoreifen aus dem Wald. Darüber kann sie nur den Kopf schütteln: „Ich verstehe das nicht, wir haben so viele Möglichkeiten, unsere Abfälle kostenlos oder kostengünstig auf Wertstoffhöfen oder Deponien zu entsorgen!“

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Der Abfall beeinträchtige den Wald massiv, so Marzouk, die sich in ihrer Freizeit für den Umweltschutz einsetzt. Der größte Irrglaube sei, dass die Entsorgung von Gartenabfällen und Grünschnitt dort erlaubt sei. „Das ist schlichtweg falsch, Bioabfälle sind schädlich, drücken alles platt, was wachsen will und führen dazu, dass Wälder überdüngt werden“, stellt sie klar.

Zigarettenstummel und PET-Flaschen

Ein großes Problem seien auch achtlos weggeworfene Zigarettenstummel. Diese könnten nicht nur Waldbrände auslösen, sondern würden das Nervengift Nikotin enthalten, das durch Auswaschung in das Grundwasser und die Flüsse gelange, wo es Lebewesen schädige oder sogar töte. „Die watteähnlichen Filter bestehen meist aus Kunststoff, der sich erst nach Jahrzehnten zersetzt und währenddessen von Tieren mit Nahrung verwechselt wird“, sagt Marzouk.

Bis zu 450 Jahren dauere es, bis sich eine PET-Flasche ganz abgebaut habe. Durch die Witterung löse sich das Plastik in immer kleinere Mikroplastikpartikel auf, die den Boden und das Grundwasser verunreinigen würden, sagt Marzouk.

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Mülleimer im Wald oder Mülltonnen an Parkplätzen aufzustellen wäre aus Sicht von Neffy Marzouk „viel billiger als die Beseitigung illegaler Müllablagerungen.“ Dabei spreche man noch nicht einmal über die Kosten von Schäden an Wald, Boden und Grundwasser. Am Ende müsse auf jeden Fall die Allgemeinheit, sprich der Bürger als braver Steuerzahler die Kosten für die Beseitigung der illegalen Müllablagerungen tragen und das seien im Freistaat Bayern circa 1,5 Millionen Euro im Jahr, gibt Marzouk zu bedenken. Von politischer und behördlicher Seite werde bisher „leider zu wenig beziehungsweise gar nichts gegen die illegale Müllentsorgung unternommen“, beklagt sich Marzouk.

Mehr Betrieb am Wertstoffhof

Peter Lex, Geschäftsstellenleiter der Gemeinde Grabenstätt, bestätigt, dass es auch in seiner Gemeinde Schwierigkeiten mit illegal entsorgtem Mülle gebe: „Das Problem haben alle Gemeinden.“ Er sieht hingegen keinen Corona-spezifischen Effekt, die Gemeinde hätte keine Zunahme feststellen können. Spürbar sei jedoch gewesen, dass viele Menschen in der Corona-Zeit entrümpelt haben, so Lex. „Am Wertstoffhof haben wir das sehr deutlich gemerkt“, sagt der Geschäftsstellenleiter.

Keine Zunahme bei Anzeigen

Wo kein Kläger, da kein Richter? Oder ist es nur ein subjektiver Eindruck von Neffy Marzouk, dass die Wälder immer stärker mit Müll belastet sind? Die Polizeiinspektion Traunstein stellt auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung in den vergangenen Monaten keine Zunahme bei illegalen Abfallentsorgungen fest. Zumindest nicht bei den Anzeigen. Auch das Landratsamt Traunstein sieht laut Sprecher Michael Reithmeier keinen Anstieg.

Bis zu fünf Jahre Haft

Sicher ist: Die illegale Müllentsorgung ist kein Kavaliersdelikt. Wer Abfälle vorsätzlich oder fahrlässig illegal entsorgt, oder als Eigentümer ermittelt wird, begeht eine Ordnungswidrigkeit und kann mit Geldbußen von bis zu 50 000 Euro oder sogar mit Freiheitsstrafe belangt werden. Wird die illegale Entsorgung als Straftat eingestuft, könnten auch bis zu fünf Jahre Freiheitsentzug die Folge sein.

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