Grabenstätter Igelhilfe vor dem Aus – offen wie es im nächsten Jahr weitergeht

Elisabeth Hüller (Bild) und Monika Freimuth von der Igelhilfe Grabenstätt können heuer aus gesundheitlichen Gründen keine verletzten, kranken oder unterernährten Igel mehr aufnehmen. Müller

Die Igelhilfe Grabenstätt wird heuer keine stacheligen Vierbeiner mehr aufnehmen. Woran das liegt und wie verletzte Igel künftig betreut werden können.

Grabenstätt – Die Igelhilfsstation steht vor dem Aus. Bis Jahresende wird sie nur noch die rund 50 bereits in ihrer Obhut stehenden verletzten und kranken Igel versorgen, neue Tiere nehmen die beiden Betreiberinnen nicht mehr auf. „Ob es dann im kommenden Jahr wieder wie gewohnt weitergeht, steht in den Sternen“, so die „Igelmamas“ Elisabeth Hüller und Monika Freimuth.

In den vergangenen 16 Jahren haben sie sich in ihrer Igelstation im Ortsteil Winkl fast komplett auf ihre Tiere ausgerichtet. Doch nun sind sie an einem Punkt angelangt, an dem es so nicht mehr weitergeht. „Wir haben beide gesundheitliche Probleme und werden hintereinander mehrmonatige Kuren antreten müssen“, sagt Hüller.

Gefahr für kleine Igel: Mangelernährung und Mähroboter

Nach eigener Aussage hat sie in all den Jahren 7000 bis 8000 Igel versorgt. Rund 90 Prozent von ihnen seien wieder gesund geworden, doch gerade in den vergangenen zwei Jahren habe man bei den stacheligen Patienten leider eine deutlich erhöhte Sterblichkeit feststellen müssen.

Die Tiere seien aufgrund des schwindenden Lebensraums, Umweltgiften und Mangelernährung geschwächt und anfällig für Krankheiten, Parasiten und Würmer, sagt Hüller. Schließlich gebe es in der Natur außer Schnecken und Regenwürmer kaum noch etwas zu fressen.

Gut besetzt sind die Freigehege der Igelhilfe Grabenstätt. Neue Igel werden bis Jahresende keine mehr aufgenommen. Ob es 2021 wieder normal weitergeht, ist völlig offen.

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Ein anderes großes Problem seien die Rasenmähroboter, die stark verletzen und sogar töten. Die Behandlung und Pflege dieser oft schwer verletzten Igel sei Hüller zufolge besonders zeit- und arbeitsintensiv. So müssten die Wunden regelmäßig gereinigt und Schmerzmittel und Antibiotika verabreicht werden.

Spezielle Salben kommen zum Einsatz, damit die Haut sich regenerieren und neu aufbauen kann. Doch wenn das Immunsystem bereits angegriffen sei, dauere der Heilungsverlauf natürlich entsprechend länger, sagen die „Igelmütter“.

Corona bringt mehr Igel

Heuer seien während der Corona-Krise besonders viele Igel abgegeben worden, oft drei bis vier täglich. Am Ende wurde die Belastung einfach zu groß. Auch Privates ist aus Sicht der Beiden oft zu kurz gekommen. Trotz der freiwilligen Helfer, Spenden und Igelpatenschaften gab es auch immer wieder Probleme mit der Finanzierung. Zuletzt drohte deshalb im September 2018 das Aus.

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Während der Betrieb in den Igelhilfe-Außenstationen in Bernau, Traunstein und Siegsdorf noch läuft, wurde jene in Übersee bereits aufgelöst. Damit schließt sich gewissermaßen ein Kreis. Denn Hüller und Freimuth hatten vor 20 Jahren bei der im Vorjahr verstorbenen weithin bekannten Überseer „Igelmutter“ Marianne Pietsch gelernt, und dann vor 16 Jahren ihre eigene Igelstation im Ortsteil Winkl eröffnet.

Nach dem Aufnahmestopp in Grabenstätt müssen sich die Igelretter nun nach Alternativen umsehen. Die erste Anlaufstelle ist der Tierarzt. Die nächstgelegenen größeren Igelstationen befinden sich im Landkreis Rosenheim, Salzburger Land und Niederbayern.

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