Grabenstätt: Tochter liest Jubilarin täglich aus der Heimatzeitung vor - Maria Wilberger ist 95

Die ehemalige Traunreuter Geschäftsfrau ging früher jeden Morgen zum Schwimmen zum Tüttensee.
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Die ehemalige Traunreuter Geschäftsfrau ging früher jeden Morgen zum Schwimmen zum Tüttensee.

Ihren 95. Geburtstag feiert Maria Wilberger, geborene Sedlmeier, aus Grabenstätt amDienstag, 21. Juli, mit ihrer Familie. Sie blickt auf ein arbeitsreiches, erfülltes Leben zurück. Die Jubilarin ist fit, nur mit den Augen klappt es nicht mehr optimal. „Ich lasse mir von meiner Tochter Heidi oder meinen netten Nachbarn aus der Zeitung vorlesen, damit ich weiterhin gut informiert bin.“

Grabenstätt –

Die frühere Geschäftsfrau kam 1925 als zweites von drei Kindern der Eheleute Franz Xaver und Margarete Sedlmeier in Altenmarkt zur Welt. Ihre ersten 13 Lebensjahre verbrachte sie in Trostberg und besuchte dort die Volksschule.

Anschließend lernte sie den Beruf der Damenschneiderin. Ab 1942 musste sie in der Munitionsfabrik arbeiten, erst in Waldkraiburg – später in St. Georgen, im heutigen Traunreut. Dorthin fuhr sie täglich mit dem Zug und erinnert sich: „Am Bahnhof in Hörpolding ist plötzlich ein Tieflieger aufgetaucht und hat auf mich geschossen.“ Sie rettete sich mit einem Sprung in den Straßengraben.

1948 heiratete sie in der Stiftskirche Baumburg Franz Wilberger aus Wolkersdorf. Bei der Doppelhochzeit vermählte sich auch ihr Bruder. 50 Jahre später wurde dort Goldene Hochzeit gefeiert, mit dem selben Pfarrer, der sie einst getraut hatte. Der Ehe entsprangen drei Kinder, nur Tochter Heidi lebt noch. Drei Enkelkinder und ein Urenkel kamen hinzu.

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Mit Ehemann Franz, einem geschickten Handwerker und Techniker, eröffnete Wilberger im Mai 1949 in Traunreut das gleichnamige Elektrogeschäft – mit 1000 D-Mark Startkapital in einer Garage. „Es hat nichts gegeben, was er nicht reparieren konnte“, beschreibt Wilberger das erfolgreiche Geschäftsmodell ihres Mannes, mit dem sie seit knapp 72 Jahren verheiratet ist.

In den 50er Jahren bauten sich beide in Traunreut ein Haus. Dieses und ihr Geschäft veräußerten sie 1984, um sich in Grabenstätt ein Haus zu kaufen und dort ihren Ruhestand zu genießen.

Mit ihrem Mann, der mittlerweile dement in einem Heim lebt, unternahm sie viele Radtouren und Bergwanderungen. „Zudem sind wir jeden Tag um 7.30 Uhr im Tüttensee baden gegangen“, erzählt Wilberger.

Höhepunkte seien bis zuletzt die Klassentreffen gewesen. „Vor drei Jahren haben wir uns immerhin noch zu fünft getroffen, dann zu viert und jetzt sind nur noch ich und meine Schulfreundin Lisl übrig geblieben“, schildert Wilberger und fügt an: „Ich bin für jeden Tag dankbar, denn ich lebe sehr gerne“. Markus Müller

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