„Gold für Kristi“: Heuer Versteigerung

Renate im Jahr 2002 beim Hinflug nach Pokhara. Drei Wochen später, nach einem Trekkingurlaub in Nepal, starben sie und ihr Mann bei einem Flugzeugabsturz. privat

Das hätte der engagierten Lehrerin Renate gefallen: Nahe der Stelle, wo sie bei einem Flugzeugabsturz in Nepal starb, unterstützt ihr Bruder eine Schule. Er hat mit seinem Projekt „Gold für Kristi“ Großes vor, und das mit prominenter Unterstützung aus dem Spitzensport.

Bernau – Die Stammkunden bei „Chiemgau Biking“ kennen den Spendentopf im Radgeschäft und wissen um die traurige Geschichte dahinter.

Nicht so der frühere Zehnkämpfer Jürgen Hingsen. Er fragte einfach nach, was es damit auf sich hat, als er in das Bernauer Fahrradgeschäft kam, um sich für die Dauer seiner Reha im Medical Park ein Fahrrad auszuleihen. Eineinhalb Jahre ist das jetzt her.

Gerne erklärte Inhaber Markus Wössner dem prominenten Kunden den Hintergrund: Seine Schwester Renate und sein Schwager Rainer waren im August 2002 bei einem Flugzeugabsturz im Vorgebirge des Himalaya ums Leben gekommen.

Die kleine Maschine war bei schlechtem Wetter auf der Suche nach einem Ausweichflugplatz an einer Hügelkette zerschellt. Übers Radio hatte die Familie damals von Renates Tod erfahren, Stunden vor der offiziellen Bestätigung. „Das hat mich eiskalt erwischt“, erinnert sich der Bruder.

Jürgen Hingsen spendet sein einziges Gold

Jetzt unterstützt er im Gedenken an Renate, die als Lehrerin an der Franziska-Hager-Schule in Prien gearbeitet hatte, eine Schule, 800 Meter von der Unglücksstelle entfernt.

„Wenige Tage später kam Hingsen wieder mit einem Stück Zahngold, das ihm gerade ein Zahnarzt entnommen hatte“, erinnert sich Wössner. Das wollte er spenden. „Das können wir unmöglich einschmelzen. Das ist ja das einzige Gold, das Du je hattest“, entgegnete Wössner. Wissend, dass Hingsen in seiner aktiven Sportkarriere immer „nur“ den Vizetitel geholt hatte. Das kleine Stück Zahngold wurde zur Initialzündung für das Benefizprojekt „Gold für Kristi“, benannt nach jenem schicksalhaften Ort im Hochland Nepals.

Hingsens Zahngold ist inzwischen eingearbeitet in eine Bronzeskulptur, die jedoch streng unter Verschluss gehalten wird. Zum Jahresende soll sie versteigert werden, zusammen mit zehn weiteren Skulpturen im Lichte des Zehnkampfes – jede einzelne ist eine Hommage an einen für die jeweilige Disziplin sehr bekannten Leichtathleten.

Vier Kunstwerke hat die Künstlerin Andrea Matheisen inzwischen fertiggestellt. In jeder von ihnen hat sie ein Charakteristikum des prominenten Paten festgehalten.

Für acht Bronzen sind die Paten und Vorbilder gesichert. Speerwurf-Legende Klaus Wolfermann, Weltklasse-Hochspringer Ralf Sonn und Hürdenlauf-Ikone Edgar Itt sind mit im Boot. Wössner ist zuversichtlich, dass bis Jahresende alle elf Skulpturen fertig sind. „Wir stehen in Kontakt mit Olympiasiegern“, sagt er.

Zum Jahresende sollen sie versteigert werden und möglichst viel Geld für die „New English Social School“ einbringen. Dass der Schulalltag seit dem Erdbeben 2015 in Nepal brach liegt und wegen Grundstücks-Streitigkeiten nicht mehr in die Gänge kommt, ist für den Bernauer schmerzlich.

Nicht nur, weil auf dem Schulgelände ein Stupa, ein Gesteins-Denkmal, errichtet wurde um an die 17 Opfer des Absturzes zu erinnern. Die kleine Schule für zuletzt 60 Kinder, war auf nepalesische Eigeninitiative kurz nach dem Flugzeugunglück eröffnet worden. Vielleicht ist es der Lehrerberuf der Schwester, warum Wössner sich der Einrichtung so verbunden fühlt.

Mehrfach war der Bernauer nach dem schrecklichen ersten Besuch zusammen mit dem Vater kurz nach dem Absturz vor Ort. Für einen Reiseveranstalter bietet er mit „Chiemgau-Biking“ Mountainbiketouren in Nepal an.

Dann besuchte er jedes Mal die Schule und übergab Sach- oder Finanzmittel. Bislang, so sagt er, sei ein hoher fünfstelliger Spendenbetrag zusammengekommen.

Der Reiseveranstalter, für den er als Subunternehmer die Touren anbietet, war erst zum Jahresende vor Ort und brachte die gute Nachricht mit, dass ein Zusammenschluss mit einer Nachbarschule in unmittelbarer Nähe angedacht ist.

„Wir sind aktuell recht zuversichtlich, dass die Hilfe zielgerichtet und nur ganz wenige Meilen entfernt weitergehen kann“, freut sich Wössner. Renate, da ist er sicher stolz auf das, was schon geschafft ist.

Zehn Jahre hatte der Bernauer für das Schul-Projekt mit „Zahnärzte ohne Grenzen“, einer privaten Stiftung mit Sitz in Nürnberg, zusammengearbeitet, über die Zahnärzte in benachteiligten Ländern ehrenamtlich Hilfe leisten.

Da diese ihr Engagement in Nepal einstellten, hat sich Wössner jetzt eine neue gemeinnützige Organisation gesucht. Den Verein „Radeln und helfen“ aus Garching, Landkreis Altötting, der über Radsportveranstaltungen Geld für wohltätige Zwecke sammelt.

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