Beeindruckende Sammlung

Glaube trifft Handwerkskunst: Bewegende Krippe bei Gisa Obermaier (80) in Aschau

Letztes Arbeiten an der Krippe: In Kisten lagern die Schätze auf dem Dachboden, ehe sie in der Vorweihnachtszeit heruntergeholt und behutsam ausgepackt und aufgestellt werden. Allein das Aufstellen dauert zwei Tage.
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Letztes Arbeiten an der Krippe: In Kisten lagern die Schätze auf dem Dachboden, ehe sie in der Vorweihnachtszeit heruntergeholt und behutsam ausgepackt und aufgestellt werden. Allein das Aufstellen dauert zwei Tage.
  • vonElisabeth Kirchner
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„Schon als Kind wollte ich eine Krippe haben“, erinnert sich Gisa Obermaier (80) aus Aschau. Aber den Eltern war eine eigene Hauskrippe zu teuer. Ihrem Mann Friedl, der von einem Bauernhof in Aschau-Wald stammt, ging es ähnlich. Gisa Obermaier fand eine Lösung.

Aschau – Die Geburt der Tochter Elisabeth 1963 nahm das Ehepaar schließlich zum Anlass, sich und seinen Nachkommen eine Hauskrippe zu schenken. In der wird die Weihnachtsgeschichte von der Herbergssuche bis zur Ankunft der Drei Weisen aus dem Morgenland nachgestellt – für die Familie, aber auch für große und kleine Besucher.

Friedl Obermaier baut den Stall selbst

„Was Gscheits“ sollte es sein. Das machten sich die Obermaiers zur Bedingung, und so kauften sich die beiden in Südtirol erst einmal nur Maria, Josef und das Kind in der Krippe. Aus Holz geschnitzt, mit feinen Gesichtszügen wirken die drei lebensecht. Später kamen Ochs und Esel dazu, die Hirten durften auch nicht fehlen, ebenso wenig die Heiligen Drei Könige. Es wurde immer voller, schließlich hüten die Hirten Schafe, und die Weisen aus dem Morgenland kommen mit großem Gefolge, mit Elefant und Kamel, mit Treibern und Geschenken.

Die Geburt Jesu als Szene in der Krippe.

Den Stall baute Gisa Obermaiers Mann. Handwerklich geschickt, wie er war, blieb es aber nicht bei einem ebenerdigen Stall. Er wurde mit dem für den Chiemgau typischen Steildach aufgestockt. Schon bald musste die Krippenszenerie von der Anrichte in eine großzügig bemessene Ecke in der guten Stube umsiedeln.

Gewänder aus Stoffresten für Maria und Josef

Weil der gelernten Trachten-Damenschneiderin, die jahrzehntelang selbstständig viele Frauen in Maßgewand einkleidete, die Figuren „zu nackert“ waren, nähte sie für alle Krippendarsteller aus Stoffresten Gewänder: Maria und Josef bayerisch in Loden und Trachtentuch gewandet, die Hirten wurden mit Karohemd, Fellweste oder Strickjacke ausgestattet. Die Könige bekamen aus Samt, Seide und Brokat edle Gewänder, feudal verziert mit Silberborten, Pailletten und Goldfäden.

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„Jedes Jahr habe ich auf dem Christkindlmarkt was Neues gefunden“, gesteht die Aschauerin mit leuchtenden Augen – aber immer mit Sinn und Verstand, schiebt sie mit einem Augenzwinkern hinterher. Mit Gespür für Proportionen, viel Herzblut und Liebe zum Detail wurde die Krippe erweitert: Seien es weitere Tiere, ein Brunnen mit fließend Wasser oder ein dampfender Holzofen, in dem ein Feuer flackert. Den gebatikten Hintergrund hat eine befreundete Künstlerin aus Aschau angefertigt. Die auf Feld, Wald und Flur gesammelten Moose, Zweige und Äste ergänzen die Szenerie genauso wie ein abgestorbenes Olivenbäumchen im Bonsai-Format.

Die Hauskrippe - kein Relikt aus vergangener Zeit

Auch wenn so mancher Krippen kitschig findet, das Aufstellen von Hauskrippen als Frömmelei abtut oder als religiöse Volkskunst bezeichnet, dem Wunder und Zauber der „Stillen und Heiligen Nacht“ vermag sich dennoch kaum einer zu entziehen. Für viele Familien ist die Hauskrippe bis heute kein Relikt aus vergangener Zeit, sondern wird gehegt, gepflegt und immer wieder mit neuem Geist erfüllt. Sei sie aus Holz geschnitzt, aus Lehm modelliert, aus Keramik gegossen und bemalt, aus Stein gemeißelt oder mit Papier gestaltet – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

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Bei Gisa Obermaier musste es Südtiroler Holzschnitzkunst sein. Nur ein einziger Fremdling ist dabei, ein holzgeschnittener Musikant aus Oberammergau, der sich wunderbar in die Musikantenschar auf der Fensterbank einfügt. Es blieb aber nicht bei der einen Krippe: Zwölf Stück sind es mittlerweile, die sie alle in der Vorweihnachtszeit vom Speicher holt und aufstellt.

Figuren aus Russland und Afrika

Ein Aschauer Freund schenkte ihr zum Beispiel eine kleine klassische Holzkrippe. „Die lag bei uns im Keller, und keiner aus der Familie will sie haben“, berichtet Obermaier. Von den Philippinen brachte sich das Ehepaar eine heilige Familie mit. „Der Maria kann man Flügel anstecken, dann wird sie ein Engel.“ Und aus Russland stammt eine andere hölzerne Szenerie, eine handgestrickte daumengroße Krippe aus Afrika, die die 80-Jährige im vergangenen Jahr auf dem Aschauer Markt gefunden habe.

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Eine schlicht gehaltene Variante der Heiligen Familie, die in eine Zigarrenkiste passt und aus Lehm geformt ist, eine Krippe aus Edelstahl und auch eine aus Glas befinden sich in ihrem Besitz. In der Fastenzeit wird eine Passionskrippe, die das Leiden Christi und seine Auferstehung bis hin zur Himmelfahrt nachzeichnet, aufgebaut.

Weihnachtsgeschichte in mehreren Szenen

Mittelpunkt der Sammlung ist die große Holzkrippe in der guten Stube. Weil auch da der Platz für die vielen Darsteller ausging, fing Gisa Obermaier an, die Weihnachtsgeschichte in mehreren Szenen nachzustellen. Los geht es im Advent mit der Herbergssuche, dann folgen die Geburt Jesu und schließlich die Anbetung der Heiligen Drei Könige ab dem Dreikönigstag.

Eine daumengroße handgestrickte Krippe aus Afrika.

War die Krippe jahrelang nur der Schatz für die Familie, so dürfen auch andere – nach Voranmeldung – seit einigen Jahren bei Gisa Obermaier Kripperl schauen. Das Angebot haben viele angenommen, in manchen Jahren kamen über 80 Leute, erzählt sie. Ob Groß oder Klein, dem Zauber der Heiligen Nacht in und rund um die Krippe erlägen sie alle. „Für die Kinder ist es sowieso das Höchste“, Jugendliche würden still und blickten fasziniert auf die große Krippe, und auch die Augen der Erwachsenen beginnen beim Anblick der Hauskrippe zu leuchten.

Die Krippe steht auch in der Corona-Pandemie

Wie sie es heuer wegen der Pandemie halten wird, weiß sie noch nicht genau. Für sie jedenfalls hat die stade Zeit, „und der Ausdruck passt heuer mit Corona ganz besonders“, so die passionierte Krippensammlerin, schon früh angefangen. Die Krippe ist aufgebaut, Maria und Josef sind auf Herbergssuche, die Hirten hüten auf dem Feld ihre Schafe. An Heiligabend wird es dann auch in der guten Stube wie im Evangelium heißen: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. … Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“

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