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Buhlen um weiblichen Nachwuchs

Girls‘-Day im Prienavera: Wie das Erlebnisbad Mädchen für „Männerberufe“ begeistern will

Ein Blick hinter die Kulissen im Priener Erlebnisbad Prienavera
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Ein Blick hinter die Kulissen im Priener Erlebnisbad Prienavera
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Noch immer gibt es Berufe, in denen vorwiegend Männer anzutreffen sind. So auch in vielen Bereichen des Priener Erlebnisbads Prienavera, wo zwölf Mädchen die Möglichkeit hatten, hinter die Kulissen zu schauen. Eine schweißtreibende Angelegenheit.

Prien – Gemeinhin sind es vorwiegend technische Berufe, in denen die Zahl der weiblichen Kollegen überschaubar bleibt. Doch auch hinter den Kulissen des Priener Erlebnisbads Prienavera würde man sich sicherlich über weibliche Verstärkung freuen. Denn auch in Bäderbetrieben herrscht in einigen Bereichen vorrangig Männerwirtschaft.

Wenig Frauen in der Bäderbranche

Während im Hintergrund das Wasser des Chiemsees die ersten Sonnenstrahlen reflektiert, stehen zwölf Mädchen um Claus Wappmannsberger herum und lauschen. Der Rettungssanitäter beschreibt seine Arbeit im Prienavera, wenn er die Aufsicht hat über die Personen, die sich im Wasser tummeln.

Zwölf Mädchen sind dem Aufruf des Priener Erlebnisbads gefolgt und schauen anlässlich des Girls‘-Days hinter die Kulissen des Betriebes. Wirklich hinter alle Kulissen. Dazu gehören auch der Kassenbereich und die Arbeit der Reinigungskräfte, wie Betriebsleiterin Helena Kröger berichtet. Sie führt an diesem Donnerstag die Mädchengruppe durch das Bad. Dass die Bäderbranche durchaus noch männerdominiert ist, kann die 22-Jährige aus eigener Erfahrung berichten. Bei Schulungen oder Kongressen stellten Frauen häufig die Minderheit der Teilnehmer.

In den Tiefen des Prienavera: Elektroniker Michael Heizer erklärt die Funktion der Filteranlage.

Meist sind es die so genannten Mint-Berufe – Tätigkeiten aus dem Bereich Mathematik, Ingenieurswesen, Naturwissenschaft und Technik – bei denen Frauen gemeinhin unterrepräsentiert sind. Gerade mal ein gutes Drittel der Ausbildungsplätze in diesen Berufen ist im Jahr 2020 von Frauen besetzt worden, wie eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit ausweist.

Im Handwerk sieht es kaum anders aus, vor allem wenn es um technische Berufe geht. 777 Ausbildungsverträge wurden nach Angaben der Handwerkskammer für München und Oberbayern (HWK) im vergangenen Jahr geschlossen. Nur 20 Prozent der Auszubildenden waren weiblich. Das deckt sich auch mit dem aktuellen Bestand der Azubis: 18 Prozent aller Azubis in den hiesigen Handwerksbetrieben sind weiblich. Und die Ausreißer finden sich im Zweifel entweder in den „frauentypischen Gewerken“ wie dem Friseurhandwerk (85 Prozent) oder die weiblichen Azubis entscheiden sich gleich für eine kaufmännische Ausbildung in einem Handwerksbetrieb.

Im Reich von Michael Heizer

Eine metallene Gittertreppe führt hinunter in das Reich von Michael Heizer. Er ist Herr über die Technik unterhalb des Bades. Dort unter den Schwimmbecken ist es ähnlich warm, wie im Schwimmbereich selbst. Große Ventilatoren halten die Luft in Bewegung. Heizer zeigt den Mädchen, was alles zu beachten ist, um den Gästen den Badespaß zu ermöglichen. Angefangen bei den Filterpumpen, über die Chlor-Zufuhr bis hin zum Blockheizkraftwerk.

Dem gelernten Elektroniker ist es an den Augen abzulesen, dass er für seine Aufgabe schwärmt, wenn er den Mädchen darüber berichtet, was alles hier unten zu tun ist, um den Badebetrieb am Laufen zu halten. In Heizers Lehrberuf gibt es nach Angaben der HWK in der Stadt und dem Landkreis Rosenheim gerade mal eine Auszubildende. Noch ein Grund mehr, dass sich der Mann ordentlich ins Zeug legt, um die Mädchen von seiner Arbeit zu begeistern.

Kurzer Exkurs zur Weltkugel aus Marmor im Prienavera, auf der die Position der Marktgemeinde mit einer Kerbe markiert ist.

Auch bei jenen Ausbildungsberufen, für welche die Industrie und Handelskammern verantwortlich zeichnen, spiegelt sich wider, dass sich Frauen offensichtlich noch immer schwer damit tun, in bestimmte Männerdomänen vorzudringen. Wie die IHK für München und Oberbayern schildert, standen bei den Mädchen 2021 in Stadt und Landkreis vorrangig die kaufmännischen Berufe hoch im Kurs bei der Ausbildungswahl. Berufe wie Industriemechaniker oder Fachinformatiker finden hingegen eher bei den Buben Anklang.

Respekt vor den Aufgaben

Als es aus dem Untergrund des Prienavera wieder nach oben geht, wirken die Mädchen schon geschlaucht, ob der Temperaturen dort. Das Fazit der Gruppe nach dem Besuch in der Technik ist einigermaßen nüchtern: „Es war sehr, sehr warm“, heißt es während der Schlussrunde draußen vor dem Prienavera. Aber auch Respekt vor den Aufgaben ist herauszuhören. Die Befürchtung, dass nur ein defektes Kabel alles zum Erliegen bringen könnte. Ob eines von den Mädchen dann künftig selbst beruflich ein solches Problem lösen will, wird sich erst in ein paar Jahren zeigen.

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