Gibt es Rettung für den Spielmannszug? Gebirgsschützenkompanie Prien bedauert Stilllegung

Zum Bild eines Spielmannszugs gehört auch das musizierende marschieren. Hier die Priener in ihrer traditionellen Tracht. re

Zu wenig Beteiligte gibt es im Moment, deshalb ist der Spielmannszug der Gebirgsschützenkompanie seit Beginn des Jahres nicht mehr aktiv. Dabei würde neben der Musik auch die Gemeinschaft großgeschrieben und Freizeitaktivitäten angeboten werden.

von Silvia Mischi

Prien– Aus, Schluss und vorbei? Oder gibt es noch eine Rettung? Der Spielmannszug der Priener Gebirgsschützenkompanie ist seit Jahresbeginn stillgelegt. Grund: zu wenig Aktive. Die Truppe steht dabei 54 Jahre nach ihrer Gründung vor der Auflösung. Dabei blutet Hauptmann Rudolf Holthausen eigenen Angaben zufolge das Herz. Schließlich sei man im ganzen Bataillon der älteste Spielmannszug.

Märsche und Signale sind „Hauptaufgaben“

Diese Form der Musikgruppe besteht aus Marschtrommeln, klappenlosen Querflöten, Lyren, Trommeln und Becken. Sie widmet sich vornehmlich der Marschmusik und wird auch für sogenannte Signale eingesetzt. In den Fachbereichen Musik des Deutschen Schützenbundes und des Deutschen Feuerwehrverbandes sind zahlreiche Spielmannszüge organisiert, teils als reine Spielmannszüge mit Pfeifen und Trommeln, teils als Spielmanns- und Fanfarenzüge.

Sieben Aktive fehlen zum Fortbestand

Außerdem haben einige ihr Repertoire erweitert und verstehen sich mittlerweile als Flötenorchester. Sie spielen Arrangements moderner Unterhaltungsmusik und teils auch Originalkompositionen und nehmen an Meisterschaften teil. Letzteres tut der Priener Spielmannszug nicht, wobei sich Hauptmann Rudolf Holthausen und Kompanieschreiber Walter Vogl gegenüber unserer Zeitung auch ein paar modernere Beiträge als ergänzendes Repertoire zu den Märschen vorstellen können.

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„Es wäre toll, wenn wir den Spielmannszug reaktivieren könnten“, so Holthausen. Sechs bis acht Musiker würden gerade ihre Instrumente ruhen lassen. Ein guter Grundstock. Doch für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs müssten sich mindestens sieben Aktive melden. Denn durchschnittlich bräuchte man eine „musikalische Schlagkraft“ von 15 Musikern.

„Wir müssen uns auch nicht verstecken“, so der Hauptmann. Denn: Der Priener Spielmannszug bietet Unterricht auf Trommelpfeifen (Querpfeifen), Lyra, Trommel und Marschbecken. Man lerne das Instrument von Grund auf. Bis dato fanden die Proben freitags von 17.30 bis 19.30 Uhr im Ludwig-Thoma-Gymnasium statt. Dies könne man wiederbeleben oder künftig auch einen anderen Termin ansetzen. Wenn auch die Musik im Vordergrund stehe, so würden auch zahlreiche Freizeitaktivitäten der Gruppe geboten. „Gemeinschaft wird bei uns großgeschrieben“, betonen Holthausen und Vogl. So fanden im Laufe des Vereinjahres Termine wie Faschingsgaudi, Minigolfen, Eisessen, Bergwandern, Grillen, Radfahren und Weihnachtsfeier Platz. Natürlich gehöre aber das ein oder andere Ausrücken zu Veranstaltungen der Kompanie oder des Bataillons Inn/Chiemgau dazu.

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Schnuppern und Einstieg in die Musikausbildung ist jederzeit möglich. Für Kinder und Jugendliche des Spielmannszugs ist die Ausbildung beitragsfrei.

Ebenso werde die komplette Montur zu den Ausrückungen von der Gebirgsschützenkompanie kostenfrei zur Verfügung gestellt. Interessierte können sich bei Rudolf Holthausen unter Telefon 0 80 35/9 63 68 53 oder per E-Mail an rudi.holthausen@gmx.de melden.

Mit dem Aus des Spielmannszugs würde eine schillernde Geschichte zu Ende gehen. Hinter dem Aufbau der Einheit steht von 1965 an Tambour Siegfried Stein und Trommlerausbilder Schorsch Zäch mit Unterstützung von Steff Mitterer. Nur ein Jahr später bestand der Zug bereits fest und wurde 1968 durch Trommelpfeifen zum Jugendspielmannszug erweitert, 1970/1971 wurde der Spielmannszug durch Basstrommel, Marschbecken und Lyren ausgeweitet.

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1976 übernahm Helmut Schmidt die Führung des Spielmannszuges als Tambour, mit Unterstützung der Ausbilder Walter Steinlmüller und Freddy Zechner. Tambour Helmut Schmidt fungierte in 42 Jahren als Ausbilder für Pfeiferl und Lyren, bis er 2018 den Tambourstab an seinen Nachfolger Ludwig Scheck weiter gab.

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