Gewehre bilden das Kreuz: Künstlerin Monika Stein aus Unterwössen und ihre Passion der Moderne

Künstlerin Monika Stein neben einer ihrer Skulpturen.
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Künstlerin Monika Stein neben einer ihrer Skulpturen.

Einen historischen Rahmen für die Kreuzweg-Figurationen der Künstlerin Monika Stein aus Unterwössen bietet sich ab heute, Freitag, bis zum Sonntag, 10. Mai, im Kreuzgang des Trierer Doms. Unter dem Titel „Die gegenwärtige Passion“ wird der steinerne Kreuzweg in 14 Stationen zu sehen sein.

Unterwössen/Trier – An vier Sonntagen soll aus dem Kreuzweg jeweils eine Skulptur in den Altarraum geholt und darüber gepredigt werden.

Von Traunstein nach Trier

Die Kreuzweg-Figurationen von Stein waren bereits in der Pfarrkirche Heilig Kreuz in Traunstein, in Sankt Nikolaus in Rosen-heim und im Klosterforum Maria Laach zu sehen. Die Skulpturen, allesamt in Beton gearbeitet, haben eine Ausdruckskraft, denen sich der Betrachter kaum entziehen kann.

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Den in Kunst umgeformten Leidensweg von Jesus Christus gestaltet die Künstlerin in der unkonventionellen Formung von Figuren und Gesichtszügen – manchmal grob, wie sie zum Beispiel in den Steinplastiken der Kalvarienberge vor den Kirchen der Bretagne zu sehen sind. Die Werkgruppe umfasst 14 Stationen, die jeweils zwischen 1,25 und 1,50 Meter hoch sind. Die Künstlerin ist 1954 in München geboren. Sie lebt und arbeitet in Unterwössen und wurde durch ihre Eltern sehr früh an die Kunst herangeführt.

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Intensive Malstudien an der Kunstakademie Bad Reichenhall, der Sommerakademie Hohenaschau, der Akademie Augsburg, private Studien und Auslandsaufenthalte bei namhaften Künstlern runden ihre Ausbildung ab.

Stein gelingt es, der toten Materie der Skulpturen in ihrer Darstellung Leben einzuhauchen und dabei verborgene Saiten im Betrachter zum klingen zu bringen.

Dabei bezieht die Künstlerin die heutige Lage der Welt, wie Flüchtlingskrisen, Kriege, Ungerechtigkeit und Klimawandel in ihre Arbeiten mit ein. Jesus nimmt sein Kreuz zum Beispiel in Form von Gewehren auf sich. Oder: Bei „Jesus fällt zum dritten Mal“ stehen die beispielsweise Handgranaten am Kreuz für Tod und Gewalt. Eine Gartenschere, auf deren Klinge die Inschrift Hartz IV eingraviert ist, zeigt den zum ersten Mal stürzenden Jesus unter dem Kreuz, oder eine verrostete Auspuff-Anlage, mit der Jesus zum zweiten Mal fällt.

Monika Stein setzt auf Symbolsprache

Mit diesem Beiwerk zu den Skulpturen deutet die Künstlerin in Symbolsprache auf die „Gleichgewichtsstörungen“ zwischen Arm und Reich, Kriegszerstörungen, Umweltvernichtung, die Jesus als Bürde auf sich genommen hat. Nach eigener Aussage der Künstlerin soll sich ihr Kreuzweg sowohl mit aktuellem Bezug als auch mit seinen, seit 1731 klassischen, 14 Stationen an die Tradition der Kirche anlehnen.

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In Rosenheim treten aktuell – wie berichtet – des Weiteren 14 stilisierte Kreuzwegbilder der in Unterwössen lebenden Künstlerin in den Dialog zum historistischen Kreuzweg aus dem 19. Jahrhundert, der zur festen Ausstattung der Rosenheimer Pfarrkirche St. Nikolaus gehört. gi

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